Sachsen-Anhalt-Exkursion der Hochschule für Forstwirtschaft

vom 21. Mai bis zum 26. Mai 2007

 

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Tag 4: DOnnerstag, 24.05.2007 Vormittags

Protokollanten: Stefanie Lutz, Tabea Schmid, Carolin Schultz, Susanne Kleinert
 

Ausgangspunkt Dessau
Die Stadt Dessau hat 70.000 Einwohner. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zu 90% zerstört, dabei hat sie ihren alten Prunk eingebüßt. An seine Stelle traten Plattenbauten. Hier wurden seinerzeit Militärflugzeuge des Typs Ju-52 hergestellt.

Geschichtlicher Hintergrund
Im 18. Jahrhundert wurde in Europa der Barock allmählich vom Klassizismus abgelöst. Dies bedeutete für die Kunst und Architektur die Abwendung von Schnörkeln und aufwändigen Verziehrungen hin zu klaren Strukturen und Linien. Gleichzeitig fand eine Reformation im Denken der Gesellschaft statt – das Zeitalter der Aufklärung, was die Befreiung der Menschen aus ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit bedeutete. Fürst Franz lebte und förderte diese Bewegung mit Passion. Außerdem fand eine Reform im Bildungswesen statt.

Treibende Kraft dabei war der Pädagoge Basedow, der das Prinzip der Schule der Menschlichkeit (Philanthropie) durchsetzte. Jedem bürgerlichen Kind sollte demnach eine Schulausbildung möglich sein, wobei sich die Philanthropie von den Lehren der Kirche abwandte und eigene Schulinhalte schuf. 

Fürst Franz: sein Leben und Werken
Der Fürst Franz Leopold der III ("Vater Franz") wurde am 10. August 1740 geboren. Nachdem seine Eltern an Pocken verstarben, wurden Franz und sein Bruder in die Obhut ihres Onkels gegeben und von diesem im Sinne der Aufklärung erzogen. Mit 17 Jahren (1757) zum Regent berufen, kaufte er sich aus der Preußischen Armee Friedrich des Großen, aufgrund seiner pazifistischen Einstellung frei. Er bereiste mit einer großen Gefolgschaft viele europäische Länder, darunter Italien, Holland und England. Insgesamt waren sie für 2 Jahre unterwegs. Auf dieser Reise ließen sie sich von den dortigen Landschaftsarchitekturen inspirieren und sammelten viele Ideen zur Schaffung eines Gartenreiches in ihrer Heimat.

Dieser Garten sollte im Sinne der Aufklärung und am Vorbild der Englischen Gärten gestaltet werden. Dabei sollte Schönes mit Nützlichem verbunden werden. Ein Beispiel dafür sind die Solitäreichen (Quercus robur (L.)), die einerseits ein schöner Anblick waren und der Landschaft eine Räumlichkeit verliehen. Andererseits dienten ihre Früchte als Futter für die Schweinemast und schützten die Dämme im Falle eines Hochwassers. Außerdem waren die Gärten stets für jedermann zugänglich und daher zu keiner Zeit von Zäunen umgeben.
 

Ein weiteres Konzept der Englischen Gärten ist, dass der Park ohne scharfe Grenzen in die freie Natur übergeht, so dass sich dem Betrachter stetig die Frage stellt, ob er sich noch im Park oder schon in der umgebenden Landschaft befindet. Der Großvater von Fürst Franz, Fürst Leopold der I., kaufte nach und nach Land und ermöglichte so den Bau des Gartenreiches. Die Finanzierung der Parkanlagen erfolgte vornehmlich durch Refinanzierungen aus Verpachtungen und aus Erträgen der Ländereien in Ostpreußen.
Schließlich setzte eine große Schar von Arbeitern und Landschaftsgärtnern unter dem Kommando des Landschaftsarchitekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorf, der somit auch am Reformprozess beteiligt war, das Projekt in die Realität um. Das Werk war um ca. 1800 vollbracht, und stand den Besuchern in seiner ganzen Schönheit zur Verfügung.

Das Georgium
Bei diesem Teil des Gartenreichs handelt es sich um einen Park samt Schloss, der 1780 erbaut und dem Bruder des Fürsten, Georg, gewidmet wurde. Im Gegensatz zu seinem Bruder war er Mitglied in der Preußischen Armee, aber dennoch ein Kind der Aufklärung. Das Schloss im Georgium entspringt dem Frühklassizismus. Heute befindet sich darin eine Gemäldesammlung. Es steht abseits der Sichtachsen und liegt im Gegensatz zum Barock nicht in deren Kreuzungspunkt. Der Grund dafür ist, dass nicht das Schloss und somit der Regent im Mittelpunkt stehen soll, sondern der Mensch. Unser nächster Halt machte uns nochmals den Unterschied zwischen Barock und Klassizismus deutlich. An der Stelle, an der sich im Barock das Schloss befunden hätte, nämlich am Schnittpunkt der Sichtachsen, befindet sich im Georgium ein vertiefter Sitzplatz, in dem der Mensch im Mittelpunkt steht und bis zu den Enden der jeweiligen Sichtachse blicken kann. Dabei sind Blick (Augen) und Weg (Füße) getrennt, sodass man nicht direkt, sondern nur über Umwege, das Gesehene erreicht. Daneben befindet sich ein Gebäude, in dem die Besucher zu Franz' Zeiten die Möglichkeit hatten, sich im Sinne der Aufklärung anhand von Büchern zu bilden.
Auf unserem Weg zum Louisium passierten wir einen Teil des Gartens, der der Vergänglichkeit und der Wildnis gewidmet war. Außerdem überquerten wir den Fluss Mulde über die Jagdbrücke. Erbaut wurde die Brücke, um dem Wild bei der Jagd über den Fluss folgen zu können. Zu DDR-Zeiten war die Mulde der schmutzigste Fluss Deutschlands. Mittlerweile ist die Wasserqualität allerdings wieder so gut, dass man im Fluss wieder viele Retralarten wie Döbel und Lachse findet. Unser Weg führte uns weiter durch das Urstromtal von Elbe und Mulde. Dort wachsen Eichen (Quercus robur (L.)), Eschen (Fraxinus excelsior (L.)), Flatterulmen (Ulmus laevis (Pall.)), und Weiden (Salix (L.)).

Das Louisium
Dieser Abschnitt des Gartenreiches war Louise, der Frau des Fürsten Franz, gewidmet. Sie bewohnte ein kleines Schloss. Auf der einen Seite erstreckt sich ein Sichtfächer, ein so genannter Jagdfächer. Hier wurde das Wild durchgetrieben und konnte von den Jägern vom Schloss aus bequem erlegt werden. So kam auch die Saugartenallee zu ihrem Namen. Am Ende einer Sichtachse befindet sich die verhüllte Frau von Zeis, sie ist ein Symbol der Aufklärung und basiert auf der Novelle von Schiller.

Auch Louises Schloss wäre im Barock undenkbar gewesen, da es sehr klein ist und am Rande der Hauptsichtachsen liegt. Auf der anderen Seite des Schlosses erblickt man eine Wasserfläche, bei der es sich um einen Altarm der Mulde handelt. Dieser wurde in die Gartengestaltung des Parks miteinbezogen. Außerdem blickt man in die Richtung des Mausoleums, in dem Fürst Franz und seine Frau beigesetzt wurden. Fürst Franz starb 1817 im Alter von 77 Jahren, nach seiner Frau, an den Folgen eines Reitunfalls.

Weitere Zwischenstopps
Siglitzer Park: Ein Waldidyll zur Pflege des Wilds

  • Solitude: Ein Säulenbau über dessen Tür stand: „Zur Besserung“. Hier

                    konnten sich die Besucher des Parks zurückziehen und besinnlich

                    zu sich finden. Allerdings wird auch gemutmaßt, dass hier zu Zeiten

                    Napoléons einige Geheimtreffen abgehalten wurden.

  • Statue der Diana:  Die Göttin der Jagd. An diesem Platz wurde zu Zeiten

                                    von Fürst Franz der Brunft gelauscht. Waren keine Hirsche

                                    zugegen, wurden die Brunftrufe mit Gießkannen

                                    nachempfunden.

  • Vockerode: Ein Dorf im Gartenreich, dass als Fischerdorf angelegt wurde. Es

                         hatte einen Hafen an der Elbe. Später wurde hier eins der

                         modernsten Braunkohlekraftwerke seiner Zeit errichtet. Zu seinen

                         besten Zeiten beherbergte Vockerode ca. 20.000 Einwohner. Aktuell sind  

                         es allerdings nur noch 1.400 und die Bewohnerzahl nimmt weiter

                         ab.
 

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NachmittagS

Protokollanten: Stefanie Heerd, Fabio Schubert, Christoph Oehm, Ralf Wegerer, Jan Rieth

 

 

Ein weiterer Höhepunkt der Exkursionswoche war der Besuch der Wörlitzer Gartenanlagen, die 2000 zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt wurden. Durch den Nachmittag begleiteten uns Ines Gerts und Gerd Norgel, beide Gästeführer im Park. Des Weiteren stand ein Besuch des Weltkulturerbes „Bauhaus“ in Dessau auf dem Programm. 

Zur Geschichte der Wörlitzer Gartenanlagen:
Ursprünglich befand sich auf dem Gebiet der heutigen Wörlitzer Gartenanlagen ein barockes Jagdschloss, welches Leopold I. von Anhalt-Dessau errichten ließ. Ende des 18. Jh. fing sein Enkel Franz Leopold III. mit der Umgestaltung dieses Gartens nach Vorbild englischer und italienischer Gärten und Architektur an. Die Ideen für diese baulichen und schöpferischen Tätigkeiten holte er sich während seiner Auslandsaufenthalte und Reisen, seiner „grande tour“ in Frankreich, England, Italien, Holland und der Schweiz. Nach seiner erzwungenen Rückkehr aus England aus politischen Gründen zum Erhalt des Fürstentums sagte er sich, wenn er schon nicht in England bleiben könne, dann schaffe er sich sein England hier. Zu diesem Umstand kamen seine eigenen Ziele sowohl die Landwirtschaft nach englischem Vorbild zu modernisieren und zugleich seine eigene Bevölkerung weiterzubilden und gut zu versorgen. Aus dieser Raison baute er die Parkanlagen auf das herunter-gewirtschaftete Land und erschuf somit einen Erholungs- und Bildungsraum  im Sinne der Aufklärung für die gesamte Bevölkerung.

 

Der Park ist mit seinen 112,5 ha das Herzstück des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs, einem Landschaftspark, der zugleich Ästhetik und landwirtschaftlichen Nutzen in sich vereinigt. Die Philosophie dieser Anlagen beruht auf den Prinzipien des englischen Landschaftsgartens. Der Garten soll nach außen hin natürlich wirken, jedoch ist alles bis ins kleinste Detail geplant, insbesondere das Geflecht aus Sichtachsen und Wegen. Hierzu passt das Leitbild, dass die Füße nicht direkt den Augen folgen können. So entstehen vielfältige Landschaftsbilder mit ebenso vielfältigen Motiven aus den von ihm bereisten Ländern. So sind die Gebäude ebenfalls der landestypischen Architektur angepasst. Dies wurde durch Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorf entworfen.
 

Franz Leopold III. ließ das barocke Jagdschloss seines Großvaters abreißen und an selber Stelle das erste klassizistische Bauwerk Mitteleuropas errichten, was als Vorbild für das später errichtete Weiße Haus diente. Neben dem Schloss befindet sich das Küchengebäude, das über einen unterirdischen Gang mit dem Schloss verbunden ist. Auf der Rückseite der Küche befindet sich der Kirchhof nach Vorbild eines englisch gotischen Klosters, in dessen Mitte sich ein Friedhof befand, den er auflösen ließ und zum Gedenken der Toten einen Grabstein neben der Kirche errichten ließ.

Ebenfalls dem Kirchhof zugewandt steht das so genannte „Graue Haus“ fernab der Öffentlichkeit, wo sich seine Gattin zurückzog, da der Rest des Parks frei zugänglich war. Er hingegen lebte hauptsächlich am anderen Ende des Parks gemeinsam mit einer seiner Mätressen in der „Villa Hamilton“. Insgesamt befinden sich auf dem Areal 13 verschiedenartige Brücken, die es ermöglichen die verschiedenen Altarme der Elbe und Verbindungskanäle zu überwinden. Der Damm wurde zum Schutz vor Hochwasser der ca. drei Kilometer entfernten Elbe von holländischen Deichexperten gebaut. Auf diesem Damm befindet sich der Gürtelweg mit Dammwachen in regelmäßigen Abständen. Zum Schutz des Damms vor Eisschollen wurden in Dammnähe im Auenbereich Eichen gepflanzt.

In der Wörlitzer Parkanlage finden sich 538 verschiedene Gehölze, wie z.B.

·        Serbische Fichte (Picea omorika (Panc.) Purk.)

·        Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera L.)

·        Eibe (Taxus baccata L.)

·        Ginkgo (Ginkgo biloba L.)

·        Platane (Platanus orientalis L.)

·        Schwarzkiefer (Pinus nigra Arnold)

·        Mammutbaum (Sequoiadendron giganteum (Lindl.) Buchh.)

·        Sumpfzypresse (Taxodium distichum (L.) Rich.)

Heutzutage stehen noch zwanzig Bäume aus Zeiten von Franz Leopold III.
Der Park und die offene Landschaft gehen fließend ineinander über. Trotz der Ästhetik der Wörlitzer Gartenanlage war sie immer mehr Wirtschafts- als Lustgarten. Zu Zeiten von Fritz Leopold III. waren 200 Angestellte mit der Betreuung und Pflege der Anlage betraut. Heutzutage sind es nur noch rund die Hälfte, eigene Arbeiter, der Rest wird durch externe Unternehmen bewältigt (ca. 50 Personen). 

Bereits 1996 wurde in Dessau das Bauhaus in den Katalog des Weltkulturerbes aufgenommen. Das Bauhaus war eine Kunsthochschule, welche in den 20er Jahren des zwanzigsten Jh. in Weimar gegründet wurde. Der Bauhausstil revolutionierte die Architektur durch ein neuartiges funktionelles Design und bildet den Grundstein für die moderne Architektur des 20. Jh. Bedeutende Mitglieder des Bauhauses waren neben dem Gründer Walter Gropius Paul Klee, Hannes Meyer, Ludwig Mis van der Rohe. Bauhaus verband also Architektur und Kunst. Schon nach zwei Jahren musste das Bauhaus Weimar verlassen und wechselte nach Dessau. Nach der Machtübernahme durch das NS-Regime floh ein Großteil der Künstler in die USA, wo sie weiter wirkten.
Somit verbinden sich in Dessau in den verschiedenen Epochen das Ästhetische, die Kunst mit dem Nützlichen.

 

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