Sachsen-Anhalt-Exkursion der Hochschule für Forstwirtschaft

vom 21. Mai bis zum 26. Mai 2006

 

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Tag 2: Dienstag, 22.05.2006, Vormittags

Protokollanten: Tabea Merz, Wolf Hoffmann, Axel Staib und Stephan Moser

 

Anhand einer Wanderung sollte uns der Nationalpark Harz vorgestellt werden. Uns begrüßte Herr Möller,  bevor er uns  in die Hände von Herrn Meißner übergab, welcher als Ranger im Park hauptamtlich tätig ist. Es ging um den Nationalpark als solches, vor allem aber auch um dessen Zielsetzungen.

Die Exkursion begann um 9 Uhr in Schierke, welches auf 640 m ü. NN. liegt, mit dem Empfang durch den Leiter der Nationalparkwacht, von Sachsen Anhalt, Herrn Möller. Er erläuterte kurz das Wichtigste zum Nationalpark, wie die Fusion der beiden Nationalparke Harz (Niedersachen) und Hochharz (Sachsen Anhalt) im Jahr 2005. Dieser ist einer von 14 Nationalparken in Deutschland oder einer von 350 in Europa. Das Personal des Nationalparks, welches unter anderem aus 40 Rangern besteht, sind zum größten Teil Waldarbeiter, welche vor Gründung der Nationalparks in den Forstrevieren tätig waren, aus denen der Nationalpark heute besteht. Die Waldarbeiter sind in Lehrgängen auf ihren neuen Beruf als Parkwächter ausgebildet worden. Anschließend übergab Herr Möller das Wort an Herrn Meißner, einen der Ranger, der die Führung unserer Gruppe übernahm. Unsere Wanderung startete in Schierke auf einer Höhenlage von 640m und endete am höchsten Punkt des Nationalparks, dem Brocken, auf 1142m.

Herr Meißner startete die Exkursion mit uns am südlichen Rand des Nationalparks. Er erklärte uns die Geschichte des Nationalparks, welchen wir , vereinfacht gesagt, der innerdeutschen Grenze zu verdanken haben. Denn links und rechts des Grenzstreifens wurden die Gebiete so gut wie nicht bewirtschaftet was dazu führte das der Wald sich teilweise selbst überlassen war. Nach dem Fall der Mauer wurde das natürliche Potential des Gebietes schnell bemerkt und zum Nationalpark ernannt. Der heute frei zugängliche und auch mit einer Dampfeisenbahn (Harzquerbahn) erreichbare Brocken war zur Zeit der innerdeutschen Grenze von einer 3,60 m hohen Mauer umgeben und als wichtiger militärischer Lausch- und Spionageort von den Sowjets besetzt und stark verbaut.

Auch Herr Meißner erläuterte noch mal, dass viele der Ranger ehemals Waldarbeiter der im Nationalpark aufgegangenen Forstreviere waren. Es gibt allerdings auch eine nicht zu vernachlässigende Zahl von ehrenamtlichen Helfern, die zu Wanderführern ausgebildet wurden. Er berichtete uns, dass im Jahr 1,5 – 2 Millionen Besucher auf den Brocken kommen, davon ca. die Hälfte mit der Dampfbahn.

Zum Brocken selbst erklärte uns Herr Meißner, dass die durchschnittliche Windgeschwindigkeit hier 50 – 55 km/h beträgt und dass seit 110 Jahren das Wetter auf dem Brocken beobachtet wird. Während dieser Zeit wurde, noch zu Sowjetzeiten, eine max. Windgeschwindigkeit von 263km/h gemessen, bei Kyrill waren es zum Vergleich nur 195 km/h. Im Winter kommt es aufgrund der feuchten aber sehr kühlen Luft zu bis zu 1 m dicker Raureifbildung an Gebäuden und allen anderen Gegenständen auf dem Berg.

Zur Dampfbahn berichtete Herr Meißner, dass diese über 25 funktionierende Dampfloks verfügt, von denen im Sommer in Spitzenzeiten 12 auf der Strecke fahren. Die Bahn wurde 1897 eröffnet und war bis auf die Zeit von 1965 – 1991 in Betrieb.

Während der Wanderung kam eine Diskussion über den Baumbestand im Nationalpark auf, welcher zum größten Teil aus Fichte besteht. Es kam die Frage auf, den Fichtenbestand mit Laubbaumarten zu durchmischen, da keine Samenbäume außer der Fichte vorhanden sind. Zwar ist die Fichte autochthone Baumart, jedoch waren in früherer Zeit auch Laubbaumarten vertreten. Die Fichtenmonotonie ist auf die historische Nutzung zurückzuführen (Köhlerei, Bergbau). Der Brocken war zeitweiße fast baumfrei. Von Seiten des Nationalparks wird die Ansicht vertreten, zumindest die Kernbereiche eingriffsfrei zu halten. Das natürliche Entstehen und Vergehen ist eines der Ziele im Nationalpark.

Herr Meißner erläuterte des Weiteren ein Problem, mit dem der Nationalpark zu kämpfen hat, nämlich das zusammenbrechen großer Teile der unnatürlichen Fichtenbestände, die vom Borkenkäfer und Sturm dahingerafft werden. Denn es gibt sowohl positive Seiten wie negative dieses Vorganges. Positiv beurteilte Meißner den daraus resultierenden Lebensraumgewinn für viele Wildarten, sowie die Baumartenvermehrung auf diesen Flächen. Negativ beurteilte er die Wirkung dieser Flächen auf den Besucher, da diese Waldflächen nicht das gewohnte Bild eines Wirtschaftswaldes aufweisen, sondern in den Augen vieler Besucher eher schrecklich. Die natürliche Sukzession dieser Fichtenbestände hin zu standortsgerechtem Wald wird vermutlich 1000 Jahre benötigen. 
 

Die Landschaft war ursprünglich geprägt durch ausgedehnte Fichtenwälder auf Blockschutthalden aus Granit. Als seltene Pflanze fanden wir die Kleine Alpen-Küchenschelle (Pulsatilla alba Rechb.), die hier Brocken-Anemone genannt wird.
 

Lange Zeit war der Brocken für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Militärische Einrichtungen der Sowjetunion und der DDR verhinderten dies. Unmittelbar nach dem Mauerfall wurde auch der Brocken für die Öffentlichkeit zugänglich und schon bald stellte sich eine starke touristische Nutzung ein, die für den Nationalpark heute und für die Zukunft eine Herausforderung darstellt.

 

 

Nachmittags

Protokollanten: Wolf Pokriefke, Urs Krella, Michael Klink

 

 

Brockenmuseum

Nachdem wir unser selbst zubereitetes und über sechs Kilometer transportiertes Essen auf den Brocken getragen hatten, stellten wir fest, dass sich vor Ort mehrere Imbissbuden befanden. Aus der Mittagspause frisch gestärkt, teilten wir uns in zwei Gruppen und besichtigten das hiesige Brockenmuseum, genannt „Brockenmoschee“, da die Radarkugeln und die Funkantennen eine moscheeähnliche Kulisse bilden.

Durch das Museum leitete uns Herr Möller, die andere Gruppe wurde von Herrn Meißner geführt. Er begann die Führung mit einem Modell des Brockens,  anhand dessen er verdeutlichte, dass das Brockenplateau eine klimatische Insel ist: es stellt die „Bremse des Atlantiks“ dar, an dem sich der Wind des Atlantiks erstmals bricht und mit bis zu 200 Stundenkilometern über die Spitze fegt; Zusätzlich hat der Brocken eine Höhe von 1142 Metern, die das Baumwachstum auf dem Plateau verhindert. Aufgrund dieser schlechten Wuchsbedingungen sind die höchstliegenden Fichten selbst nach mehreren hundert Jahren nur wenige Zentimeter dick, Jahrringe müssen per Elektronenmikroskop gezählt werden.

Die exponierte Lage und die besonderen Wetterverhältnisse zogen unterschiedlichste Personen an, darunter Heinrich Heine oder auch Johann Wolfgang von Goethe, der sich dort zur Walpurgisnacht des Faust inspirieren ließ. Der Botanik-Professor Dr. Albert Peters legte dort den Brockengarten an, in dem er weltweit vorkommende Hochgebirgspflanzen ansiedelte, um die Auswirkungen des lokalen Klimas auf diese Pflanzen zu erforschen. Aus dieser Arbeit entstand der Gefleckte Enzian, der aus dem Schwalbwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea L.) und dem Gelben Enzian (Gentiana lutea L.) hervorging. Botanisch ebenfalls interessant ist die seltene Brocken-Anemone (Pulsatilla alba Rechb.), die in Deutschland nur auf der Brockenspitze zu finden ist.

1899 wurde die Brockenbahn eingeweiht, die bis heute mit Dampflokomotiven betrieben wird und für viele Wanderer ein beliebtes Hilfs- und Verkehrsmittel zur Besteigung des Brockens darstellt. Wir nahmen diese Möglichkeit selbstverständlich nicht wahr, sondern absolvierten die Strecke zu Fuß.

Zu Zeiten der DDR war der Brocken militärisches Sperrgebiet, da er von Staatssicherheit, NVA sowie der russischen Armee zu Spionagezwecken genutzt wurde. Die Brockenbahn wurde lediglich zum Materialtransport eingesetzt; zusätzlich wurde 1985 eine Mauer rund um den Gipfel fertig gestellt, um ihn zu sichern. Dieselbe Truppe, die die Mauer errichtet hatte, wurde fünf Jahre später wieder zum Abbau kommandiert.

Wildbiologisch bemerkenswert ist das Dreigespann aus Luchs, Sperlingskauz und Gartenschläfer, die gemeinsam charakteristisch für den Berg-Fichtenwald sind. 25 Luchse wurden erfolgreich ausgewildert. Bestrebungen, das früher zahlreich vorkommende Auerhuhn wieder in der Region anzusiedeln, scheiterten; das Klima ist zu rauh, die Spitze selbst ist zu hoch, die vom Menschen angelegten Fichten bieten nicht das geforderte Habitat, und auch der Habicht hatte negativen Einfluss auf die Auerhuhnpopulation.

Seit 1836 wird das Wetter auf dem Brocken gemessen, was uns heute folgende Eckwerte liefert (im Vergleich mit Rottenburg zur Veranschaulichung):

 

Brocken

Rottenburg

Jahresdurchschnittstemperatur

2,8°C

8,4°C

Niederschlagsmenge

1.608 mm

810 mm

 

Einen kurzen Abstecher machten wir noch zum so genannten Seelensteig, ein um etwa einen Meter erhöhter Holzweg im Bestandesinneren mit etwa 200 Meter Länge. Er erlaubt die Besichtigung des rund dreihundertjährigen Waldes, der normalerweise nicht betreten werden darf und ist mit lyrisch beschrifteten Steintafeln geschmückt.


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