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Montag, 09.05.05 Vormittag
Radtour um die Tümlauer Bucht
Exkursionführer Stefan Wolff, freiberuflicher Biologe (Hauptarbeitsfelder: Gutachten) Die Halbinsel Eiderstedt besteht aus eingedeichtem Marschland. Sie wurde in den letzten 1.000 Jahren durch Menschhand dem Meer abgerungen. Die Marsch besteht aus ehemaligem Meeresgrund, aus Ton, Lehm und Schlick. Der Boden ist deshalb sehr fruchtbar und hat den Bauern in früheren Zeiten zu Reichtum verholfen. Bekannt wurden die Eiderstedter Mastochsen, die im 19. Jahrhundert nach Großbritannien exportiert wurden. Sichtbares Zeichen sind noch heute die größten Bauernhäuser Europas, die sog. Haubargen. Die Deiche bestehen im Kern aus besser entwässerndem Sand. Nach außen wird der Deich mit Gley abgedichtet. Zur Festigung der Oberfläche erhält er einen Mantel aus Grassoden. Wichtig für den Erhalt der Funktion des Deichs ist eine ständige Beweidung. Die Eindeichung größerer Flächen zur Gewinnung landwirtschaftlicher Nutzfläche rentiert sich heute nicht mehr.
Das Wattenmeer der Nordsee ist aufgrund seiner Tier- und Pflanzenwelt und in seiner Ausdehnung weltweit einzigartig. Es erstreckt sich von der niederländischen Nordküste im Westen bis nach Esbjerg in Dänemark. Der Wechsel der Gezeiten prägt den Lebensraum Wattenmeer entscheidend. Diese Dynamik wird durch die Anziehungskraft des Mondes verursacht. Dieses Phänomen gibt es rund um die Erde. Weltweit gibt es zwei Flutberge und zwei Ebbetäler, die sich pro Tag einmal um den Erdball bewegen. Ein Flutberg befindet sich in Mondrichtung, der andere auf der mondabgewandten Seite; dazwischen jeweils die Täler. Demnach wechseln sich Ebbe und Flut im Sechsstunden-Takt ab. Der Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut nennt sich Tidenhub. Bei Neu- und Vollmond ist dieser besonders groß (Springflut).
Der Wattboden besteht aus mehreren farblich getrennten Schichten (Farbstreifen Sandwatt). Er ist sehr verdichtet. Die obersten Millimeter sind durch Photosynthese treibende Organismen grünlich gefärbt. Verursacht durch den schnell geringer werdenden Sauerstoffgehalt verfärbt sich der Boden bald schwarz. Dazwischen gibt es manchmal ein lila Übergangsbereich. Die schwarze Färbung entsteht durch Eisensulfit und Schwefelwasserstoff, die für einen entsprechenden Geruch sorgen (nach fauligen Eiern).
In manchen Tümpeln finden sich kleine Gasbläschen. Sie werden von Kieselalgen produziert und bestehen aus Sauerstoff. Durch diese ist der Untergrund der Tümpel bräunlich verfärbt. Die Kieselalgen besitzen, unter dem Mikroskop betrachtet, interessante Formen. Ihre Hülle besteht aus zwei Schalen Kieselsäure.
An niederen Tieren kommen außerdem noch Muscheln vor. Deren Lebensalter ist an jahrringartigen Strukturen der Schale erkennbar. Sie besitzen im Gegensatz zu Schnecken zwei ineinander passende Schalen.
Die Sandklaffmuschel lebt 30
cm unter der Oberfläche. Ihre Schalen passen nicht
Im Gegensatz zu allen anderen im Wattenmeer vorkommenden Muscheln lebt die Miesmuschel an der Oberfläche. Damit sie nicht von der Strömung weggespült wird, besitzt sie einen Muschelbart (Eiweißfäden), um sich festzuklammern. Sie bilden oft ganze Muschelbänke. Diese können die Funktion von Wellenbrechern ausüben.
Stefan Schrode, Michael Mauz, Alexander Schäuble
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Montag, 09.05.05 Nachmittag
Exkursion Wattenmeer bei St. Peter Ording
Referent: Stefan Wolff, freiberuflicher Biologe, u.a. tätig als Kartierer für den NABU
Dünen finden sich typischerweise auf Inseln, z. B. auf Amrum. Dort können sie bis 20m hoch sein. Hier auf dem Festland im Nationalpark sind sie allerdings kleiner (bis 5m). Durch verschiedene Expositionen (Nord-Süd) entstehen Temperaturverhältnisse, die eine stark unterschiedliche Vegetation zur Folge haben.
Die Entwicklungsstadien der Dünen:
Weißdünen: Frisch angespülter Sand bildet Hügel, die durch Pioniervegetation wie Strandhafer (Ammophila arenaria), Strandroggen (Elymus arenarius) und Meersenf (Cakile maritima) befestigt werden.
Braundünen: Weißdünen auf denen sich Humus angelagert hat
Graudünen: Ab einem Alter von 10 Jahren wird von Graudünen gesprochen. Die Düne ist durch zusätzliche Humusbildung und weitere Vegetation befestigt. Man versucht, sich die natürlichen Prozesse der Dünenbefestigung zunutze zu machen, indem man Strandhafer pflanzt. Damit will man dem Dünenwandern vorbeugen, das teilweise ganze Inseln verschiebt. Zum Beispiel ist in den letzten 20 Jahren die Insel Trieschen um 2 Km nach Osten gewandert.
Fundort Strand
Nesselquallen: An der Unterseite der Nesselquallen befinden sich Nesselkapseln, die das Gift ähnlich wie bei Brennnesseln ausscheiden, wenn die Kapsel durch Berührung verletzt wird. Faustregel: Blaue und weiße Quallen sind harmlos; rote sollte man nicht berühren, da diese Feuerquallen sein könnten.
Schwertmuscheln/Messermuscheln: Diese bohren sich bis zu 30cm tief in den Sand, um sich vor Vögeln und Fischen zu schützen.
Herzmuscheln: Bei seitlicher Ansicht der geschlossenen Muschel bildet diese die Namen gebende Form.
Schaumbildung: Bei starker Brandung entwickelt sich aus dem Eiweiß abgestorbener einzelliger Organismen Schaum. Im Sommer wird dieser Prozess durch ein erhöhtes Vorkommen der Einzeller verstärkt.
Bernstein: Wird aus der benachbarten Ostsee eingeschwemmt. Er entsteht aus Harz und ist je nach Gehalt des Sauerstoffeinschlusses verschieden gefärbt. Je größer der Sauerstoffgehalt, desto größer die Brechung des Lichtes und desto trüber der Bernstein.
Vogelschutzgebiet
In Schleswig Holstein sollen insgesamt 30.000 ha als Vogelschutzgebiete ausgewiesen werden. Auf diesen Flächen soll Nonnengänsen (Weißwangengänsen), Gold- und Kiebitzregenpfeiffern ein Rastplatz zum Fressen auf ihrem jährlichen Vogelzug angeboten werden. Jedoch besteht ein Interessenskonflikt zwischen den einheimischen Landwirten und Naturschutzverbänden (wie dem NABU), der bereits zum Teil schon bürgerkriegsähnliche Ausmaße angenommen hatte. Bis heute ist keine Einigung für die Vogelschutzgebiete gefunden worden. Die Landwirtschaft im Nationalpark setzt sich größtenteils aus Mastvieh-, Milchkuh- und Schafhaltung zusammen. Heute leiden jedoch viele Landwirte unter der internationalen Konkurrenz. Eine reine Weidewirtschaft, d.h. dass das Vieh von Geburt bis zum Tod auf der Weide gehalten wird, wird kaum noch betrieben. In den letzten Monaten vor der Schlachtung wird im Stall meist noch zugefüttert.
Tümlauer Bucht
Aufgrund der geringeren Strömungsgeschwindigkeit in der Tümlauer Bucht können sich dort feinere Sedimente aus Schluff und Ton als Schlick absetzen. Lahnungszäune aus Pfosten mit eingeflochtenem Reisig sollen zusätzlich die natürliche Sedimentation beschleunigen. Das damit gewonnene Land dient dem Küstenschutz und wird hauptsächlich durch Weidebewirtschaftung genutzt. Die hier entstandenen Salzwiesen sind eine typische Landschaftsform des Wattenmeers. Sie werden regelmäßig überflutet und ihre Vegetation lässt sich je nach Dauer der Überflutung in drei Stufen einteilen.
Stufe 1 (stark überflutet): Salz-Schlickgras (Spartina anglica europaea) und Queller (Salicornia sp.)
Stufe 2 (seltener überflutete Hügel): Keilmelden (Halimione portulacoides), Strandwegerich (Armeria arenaria), Strandflieder (Limonium vulgare)
Stufe 3 (seltener überfluteter Damm): Strandquecke (Elymus farctus), Rotschwingel (Festuca rubra ssp. litoralis)
Es haben sich verschiedenen Strategien gegen das Salz herausgebildet, das in hohen Konzentrationen als Zellgift wirkt. Die Keilmelde zum Beispiel scheidet die Salzkristalle wieder aus. Dies kann geschehen durch Drüsenzellen, durch Ablagerung in alten Pflanzenteilen, die dann abgestoßen werden, oder durch Härchen auf der Blattoberfläche.
Eine weitere Strategie ist eine Verdünnung des Salzes mit Wasser, die zum Beispiel der Queller anwendet. Auch hinter dem Deich wird Landwirtschaft in Form von Weidenutzung betrieben, doch der Marschboden ist sehr feucht, da das Wasser hier nicht versickern kann. Um dem entgegen zu wirken, wird der Boden durch ein Netz aus Gräben künstlich entwässert. Das überschüssige Wasser wird mit Hilfe von Pumpen abgeführt. So wird Bodennutzung möglich gemacht.
Sehenswürdigkeit Leuchtturm Westerhever
Rosemarie Popp, Katrin Ernst, Sonja Hannemann, Stefan Petzold
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