Mittwoch, 11.05.05 Vormittag

 

 

 

Eider–Treene–Sorge–Niederung

 

 

Als letzten Exkursionspunkt im Bereich offener Landschaften besuchten wir die Eider-Treene-Sorge-Niederung sowie das Michael Otto Institut in Bergenhusen. Dessen Leiter, Karl Michael Thomsen, hat uns vor Ort informiert.

 

Das Gebiet befindet sich im Herzen Schleswig-Hosteins im Bereich der geringsten Ost-West-Ausdehnung des Festlandes. Die nächsten größeren Städte sind Heide, Husum und Schleswig. Es befindet sich im atlantischen Klimabereich.

 

 

 

Entstehung der Landschaft/ Entwässerung

 

 

Die Landschaft, wie sie sich heute darstellt, ist maßgeblich durch die Einwirkung der Eiszeiten gestaltet worden. Es entstanden Endmoränen, die heute als Erhebungen zu sehen sind. Die Urstromtäler bilden die heutigen Niederungen. Durch das Abschmelzen des Eises vor 15.000 Jahren hob sich die Landschaft aufgrund der Entlastung etwas an, gleichfalls kam es zu einem Anstieg des Meeresspiegels. Nach den Eiszeiten kam es dadurch zur Überflutung der Niederungen.

Anfangs konnte der Mensch nur die Endmoränenrücken, die so genannten Holme, zur Bebauung und zur Landwirtschaft nutzen. Um sich auch die Niederungen landwirtschaftlich nutzbar zu machen, siedelte man im 16. Jahrhundert holländische Glaubensflüchtlinge hier an. Diese sollten mit ihrem Wissen im Deichbau mithelfen, Flüsse und Seen einzudeichen und mit Schöpfwerken die ca. 1,5 m tief unter NN liegenden Niederungen zu entwässern.

So hat man z. B. 1570 bei Friedrichstatt Schleusen gebaut, um die Niederungen vor Sturmfluten zu schützen. Es folgten noch viele weitere Maßnahmen, bis die Landschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Intensivierung der Landwirtschaft ihr heutiges Aussehen erhielt. Schlussendlich wurde 1970 das Eidersperrwerk errichtet. Von nun an war die Eider kein Tidefluss mehr und konnte unabhängig vom Meeresspiegel gestaltet werden. Heute finden wir in der Landschaft Moore, Holme, sowie intensiv- und extensiv genutzte Wiesen.

 

 

 

Entstehung der Nieder- und Hochmoore

 

 

Am Beginn einer Moorentwicklung steht das Niedermoor. Es zeichnet sich  durch Grundwasseranschluss und die relativ hohe Vegetation z. B. von Sumpfiris (Iris versicolor) und Schilfrohr (Phragmites communis), aus. Daraus erwächst dann durch Auflagerungen von abgestorbenem Pflanzenmaterial uhrglasförmig das Hochmoor. Dieses wiederum wird nur durch Regenwasser gespeist, hat keinen Anschluss an nährstoffreiches Grundwasser und weist als charakteristische Pflanze vor allem das Torfmoos (Sphagnum sp.) auf. Ebenfalls typisch sind der Gagelstrauch (Myrica gale), Wollgräser (Eriophorum sp.), Erika (Calluna vulgaris) und die Moorbirke (Betula pubescens).

 

Das Hochmoor wächst durch die Ablagerung abgestorbener Torfmoose. Die heutigen anthropogenen Stickstoffeinträge über die Atmosphäre sind für das Moor riskant, weil der Abbau abgelagerten Torfes dadurch beschleunigt werden kann, was zu einer weiteren Eintiefung der Landschaft führen würde.

 

Auch die intensive Nutzung von Wiesen, auch wenn diese als Habitat für Wiesenvögel wie den Kiebitz (Vanellus vanellus) und die Bekassine (Gallinago gallinago) gelten, ist in den Niederungen kritisch zu sehen, da es durch diese Bewirtschaftungsform ebenfalls zu einer Vertiefung kommen kann.

 

Veränderungen der Moorlandschaft wären aber für viele seltene und geschützte Tierarten tragisch. Dies gilt vor allem für die Weissstörche (Ciconia ciconia), die bis heute sehr zahlreich in Bergenhusen brüten und das Moor für ihre Nahrungssuche benötigen. Dort finden sie Frösche und andere Amphibien, die den Hauptanteil ihrer Nahrung ausmachen. Auf anderen Standorten hätten die Störche Schwierigkeiten, ihren Nahrungsbedarf alleine mit Mäusen, Schnecken, Maulwürfen usw. zu decken. In Bergenhusen, welches auch „Dorf der Störche“ genannt wird brüten derzeit 11 Storchenpaare.

 

Die Anzahl der Brutpaare hängt offensichtlich von den jährlichen Wetterbedingungen während der Rückflüge in die Brutgebiete ab. Diesem Umstand zufolge ist in diesem Jahr mit einem Rückgang der Brutpaare zu rechen.

 

Die ersten Brutpaare treffen Mitte März in Bergenhusen ein. Sie gehören zu den Westziehern. Die so genannten Ostzieher treffen erst im April ein. Die beiden Zugpopulationen unterscheiden sich in der Flugroute. Die Westzieher nehmen ihren Weg von Gibraltar über die Iberische Halbinsel. Im Gegensatz dazu gelangen die Ostzieher über den Bosporus zu uns.

 

Das Gelege besteht aus zwei bis sechs Eiern und die Brutdauer beträgt im Schnitt vier Wochen. Nach drei Monaten sind die Jungvögel flügge und beginnen mit dem Flug in die Überwinterungsgebiete. Die Altvögel beginnen etwas später, meist Ende August, mit dem Flug in den Süden.

 

Störche sind im Allgemeinen nesttreu und kehren zum Brutgeschäft immer wieder in dasselbe Nest zurück.

 

 

 

Michael-Otto-Institut

 

 

Das bereits erwähnte Michael-Otto-Institut hat sich neben dem Schutz der Wiesen- und Moorvögel dem Schutz der Störche und deren Lebensräume verschrieben. Mit einer ständigen Ausstellung rund um den Storch wird Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Des weiteren werden von der Stiftung Flächen aufgekauft und so dauerhaft geschützt.

Gesetzlich geschützt sind darüber hinaus bereits bestehende Hochmoorflächen. Eine besondere Maßnahme zum Schutz von Wiesenvögeln ist der so genannte „Feuertopf“. Es werden hierbei Teilflächen von Wiesen geschützt, wenn darauf brütende Wiesenvögel gefunden werden. Diese Maßnahme ist nur mit dem Einverständnis des Grundeigentümers möglich. Dafür erhält der Landwirt von der Michael-Otto-Stiftung eine finanzielle Entschädigung.

 

 

Raphael Traut, Patrick Schiffmann, Tobias Wojciechowski, Martin Schuh

 

 

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Mittwoch, 11.05.05 Nachmittag

 

 

 

Thema Wiederbewaldung

 

 

Exkursionsführer: Bernd Friedrichsdorf

 

 

 

Forstamt Schleswig-Holstein

 

 

Die schleswig-holsteinische Staatsforstverwaltung besteht aus neun Forstämtern. Eines davon ist das Forstamt Schleswig mit im Moment noch neun Förstereien, die 9.600 ha landeseigenen Wald und rund 6.700 Waldbesitzer betreuen. In Schleswig-Holstein gibt es ca. 150.000 ha Wald, dies entspricht 10% der Landesfläche. Langfristig werden 12% Waldanteil in Schleswig-Holstein angestrebt.

 

 

 

Klima

 

 

Die landeseigenen Flächen liegen zwischen 5 m und 90 m über NN. Aufgrund des atlantischen Klimakeils, der im Westen des Landes liegt, und des Einflusses des Meeres gibt es im westlichen Teil nahezu keine Bewaldung. Das Bewaldungsprozent nimmt nach Osten hin zu. Im Forstamt Schleswig liegt der durchschnittliche jährliche Niederschlag bei etwa 800 mm bis 850 mm, die mittlere Jahrestemperatur liegt bei ca. 8° C. Die relative Luftfeuchtigkeit ist hoch, allerdings stellen Spätfröste (nur Juli und August sind sicher frostfrei) eine erhebliche Gefahr für Nutzpflanzen dar. Das Klima ist folglich als atlantisch bis leicht subkontinental im Osten zu bezeichnen.

 

Die Landschaft wurde hauptsächlich durch die beiden letzten Eiszeiten (Weichsel- und Saale-Eiszeit) geprägt. Die hügelige Landschaftsform der Geest ist durch die Moränen der Eiszeiten entscheidend geprägt. Die Böden konnten sich erst seit der letzten Eiszeit entwickeln, sind demnach relativ jung (die jüngsten Böden sind etwa 8.000 Jahre alt). Allgemein kann man sagen, dass die Böden in Schleswig-Holstein gute Bedingungen für landwirtschaftliche Nutzung bieten, da sie relativ nährstoffreich sind (gute Basenversorgung).

 

 

 

Exkursionsgebiet "Gehege Fahrenstedthof"

 

 

Das Exkursionsgebiet „Gehege Fahrenstedthof“ liegt im Nordosten Schleswig-Holsteins, im Wuchsbezirk Nördliches Hügelland, in der Landschaft Angeln, das angeblich ursprüngliche Stammland der britischen Bevölkerung. Es handelt sich um eine Fläche von 122 ha, die sich in 17 ha alten Laubwald und 105 ha aufgeforstetes Ackerland, das vom Land Schleswig-Holstein 1992 aufgekauft und zur Wiederbewaldung an das Forstamt Schleswig übergeben wurde.

 

 

 

Böden

 

 

Es handelt sich um jungeiszeitliche Ablagerungen mit Geschiebelehm und Geschiebemergeln, stellenweise mit verlehmten Sanden geringer Mächtigkeit überdeckt. Durch den Kalk im Geschiebelehm gibt es hier nährstoffreiche Braun- und Parabraunerden. Die Reichsbodenschätzung des früheren Ackerlandes ergab 40 bis 50 Bodenpunkte. Es findet auch Stoffeintrag von Calcium, Natrium, Magnesium und Bromiden durch Niederschlag aufgrund der Nähe zum Meer statt. Das Land wurde jahrhundertelang landwirtschaftlich genutzt, aber aufgrund der sogenannten „Minutenbodenproblematik“ an das Land verkauft. Unter einem Minutenboden versteht man einen Boden, der wegen seiner schnellen Wasseraufnahmefähigkeit nicht sehr oft im Jahr befahrbar ist. Darum gab es auch ein dichtes Drainagenetz, das aber funktionsunfähig gemacht wurde.

 

 

 

Wiederbewaldung

 

 

Als Entscheidungshilfe zur Wiederbewaldung wurde die Standortkartierung und das Bild des Altholzbestandes herangezogen. Aufgrund der naturnahen Waldbewirtschaftung im Staatswald Schleswig-Holsteins hat man sich nur für autochthone Baumarten entschieden. Ein weiteres Kriterium stellt die Risikominimierung durch eine reichhaltige Mischung dar, um stabile Bestände, die den häufigen Stürmen trotzen, heranzuziehen.

 

Die Fläche wurde als Stoppelfeld und das Ausfallkorn als vergrasungshemmender und windschützender Faktor übernommen. Die übernommenen Rapsflächen wurden tief gepflügt, um ein Wiederaufkommen des Rapses zu verhindern, und mit kurzhalmigem Weizen eingesät. Die Pflanzung erfolgte durch eine spezielle Pflanzmaschine, welche die Pflanze gut einschwang und dem Oberboden eine Krümelstuktur verlieh.

 

Es wurden Pflanzen der Größe 50 bis 80 cm und hauptsächlich schleswig-holsteinischer Herkunft verwendet und in einem kurzen Zeitraum zwischen 16. November bis Weihnachten 1992 gepflanzt.

 

Grundsätzlich wurde in einem Pflanzverband 2 auf 1 m gepflanzt. Es wurden je nach Standort folgende Baumartenmischung gepflanzt:

 

 

1. Buchen-Eschen-Mischwald auf ca. 40 ha

 

Eine Reihe Roterle, jede dritte Pflanze Hainbuche,

eine Reihe Esche, jede dritte Pflanze Hainbuche,

eine Reihe Esche, jede dritte Pflanze Hainbuche,

eine Reihe Roterle, jede dritte Pflanze Hainbuche,

zwei Reihen Buche, eine Reihe Buche, jede dritte Pflanze Hainbuche,

zwei Reihen Buche.

 

Zusätzlich je ha in Handpflanzung in Trupps je 10 Pflanzen: 100 Vogelkirschen, 50 Winterlinden, 50 Hainbuchen. Dieser Typ wurde auf den vorratsfrischen Standorten verwendet. Jede 11. Reihe blieb als Pflegegasse frei.

 

 

2. Buchen-Bergahorn-Mischwald

 

Wie oben, aber anstatt Esche Bergahorn.

Auf trockeneren Kuppen und damit nicht so vorratsfrischen Standorten

 

 

3. Stieleichen-Mischwald

 

Eine Reihe Roterle, jede dritte Pflanze Buche,

eine Reihe Esche, eine Reihe Roterle, jede dritte Pflanze Buche,

drei Reihen Stieleiche, jede fünfte Pflanze Hainbuche

 

Zusätzlich je ha in Handpflanzung in Trupps je 10 Pflanzen: 50 Winterlinden, 50 Feldulmen, jede 13. Reihe blieb als Pflegegasse frei.

 

Dieser Bestockungstyp wurde vor allen Dingen auf staunassen Standorten gewählt. Auf sehr kleiner Fläche wurde ein Roterlenbruchwald gepflanzt, der aber nicht besichtigt wurde.

 

 

 

Fazit

 

 

Insgesamt wird versucht, möglichst naturnah zu agieren: So hat man beispielsweise einen verrohrten Graben renaturiert und um das neu entstandene Bachbett einen ca. 50m breiten Sukzessionsstreifen belassen. Man möchte gerne breite, tief strukturierte Waldränder mit heimischen, standortstypischen Waldgehölzen und Sträuchern. Insgesamt wurden etwa 30% Nichtholzbodenfläche für die Sukzession belassen, die alle zwei bis drei Jahre gemäht oder gemulcht (z. B. die Wege) werden. Des weiteren installierte man einen Fledermausbunker und beließ bereits vorhandene Lesesteinhaufen an sonnigen Stellen.

Entscheidend bei allen Maßnahmen im Gehege Fahrenstedthof ist immer die Naturnähe:

Exemplarisch hierfür steht vor allen Dingen der Verzicht auf Zielprozente bei den Baumartenmischungen, vielmehr wird das Augenmerk auf den Einzelstamm gelegt und einer natürlichen Ausdifferenzierung freien Lauf gelassen.

 

Heiko Schulz, Fritz Weber, Marcus Ewald

 

 

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