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Freitag, 13.05.2005, Vormittag
Besuch der Referenzfläche „Schattiner Zuschlag“ des Stadtwaldes Lübeck
Forstamtsleiter Dr. Lutz Fähser
Ziel:
Naturnahe Waldnutzung
Das besuchte Waldgebiet liegt in Mecklenburg-Vorpommern. Es liegt in der ehemaligen Sperrzone, dem so genannten „Todesstreifen“, der die Grenze zwischen den kapitalistisch und marktwirtschaftlich orientierten Staaten des Westens und den Staaten Osteuropas mit real-existierendem Sozialismus darstellte. Vor 1933 war dieser Wald Wirtschaftswald, jedoch bis 1989 war dieser Streifen Grenzgebiet, also erfolgten keine wirtschaftlichen Eingriffe in dem Gebiet. Ursprünglich war es im Besitz des St. Johannis Jungfrauenklosters Lübeck und kam dann nach der Wende wieder zum Stadtwald Lübeck zurück.
Eigentlich hätte nach Wiedererhalt der Wald durchforstet werden müssen, da er erhebliche Pflegerückstände aufwies. Man entschied aber, nicht einzugreifen und den Wald sich selbst zu überlassen. Es entstand eine Referenzfläche zur Beobachtung und Dokumentation der natürlichen Entwicklung.
Insgesamt hat das FA Lübeck 5.000 ha Wald zu bewirtschaften, 10% davon sind Referenzfläche, die nicht bewirtschaftet werden. Es wird beobachtet, wie sich der Wald ohne direkten menschlichen Eingriff entwickelt, z. B. im Bezug auf Kalamitäten. Das FA Lübeck betreibt Waldbau nach dem Prinzip der naturnahen Waldnutzung.
Grundsätze des Waldkonzepts
Phasen des Waldbaus
Zuerst betraten wir ein ca. 45jähriges Fichtenstangenholz. Auffällig war das dunkle Bestandesinnere und die hohe Stammzahl. Es war fast keine Bodenvegetation vorhanden. Durch das Vorkommen von Rotwild waren erhebliche Schälschäden zu erkennen. Die unteren 2-3m waren astfrei. Selbst bei Borkenkäferkalamitäten erfolgt kein Eingriff, da man herausfinden möchte, wie die Natur mit diesem Stress umgeht. Im Moment jedoch hat in diesem Bestand noch keine Bewegung stattgefunden. Die Fichten sind gesund, was wohl an dem guten Boden liegt. Diese Fichten-Monokultur war einst Ziel der Forstwirtschaft. Darin aufkommende Birken oder sonstige andere Baumarten wurden konsequent herausgehauen, da bei Nicht-Einhaltung des Betriebszieles auch Lohnabzug drohte.
Waldbild 1
Stieleichenanteil 98%. Der Bestand ist bis auf eine Läuterung mit zwei Efm/ha und geringen Eingriffen am Weg bis heute unbehandelt. Es handelt sich um einen überwiegend frisch bis vorratsfrischen Standort mit guter Nährstoffversorgung. Auffallend ist die hohe Stammzahl, die kleinen Kronen, der hohe Astansatz und die vielen Sekundäräste. Gute Eichen sind in genügender Anzahl und in ausreichendem Abstand vorhanden. Die Eiche hat sich bis jetzt in der Höhe noch nicht differenziert, wohl aber im Durchmesser. Es handelt sich um einen Kunstbestand, der natürlicherweise in dieser Form nicht existieren würde. So wird sich früher oder später auch hier die bis jetzt nur in geringer Anzahl vorkommende Buche durchsetzen.
Waldbild 2
Rotbuche, 80-jährig, entstanden aus Pflanzung (50% Stieleiche, 50% Rotbuche) und Naturverjüngung.
Waldbild 3
entstanden aus Naturverjüngung (NV), und 102-jähriger gepflanzter europäischer Lärchen (Komplettierung), sowie 88-jähriger gepflanzter Douglasie (Nachbesserung) Rotbuchenanteil 88%. Der Bestand ist seit 1945 bis auf eine Entnahme von 10 Efm/ha Buchenschälholz unbehandelt. Vor 1945 erfolgte eine Läuterung mit 1,9 Efm/ha. Überwiegend frischer und vorratsfrischer Standort, gut mit Nährstoffen versorgt. Der Bestand weist 815 Vfm/ha auf.
Fazit
Diese naturnahe Waldnutzung ist nur möglich, da der Standort nährstoffreich ist. Die Buche steht hier im Optimum. Eine intensive Bejagung ist erforderlich, um der Naturverjüngung eine Chance zu geben. Aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse hat die Naturverjüngung ohnehin schon Probleme, überhaupt durch zu kommen.
Der naturnahe Wald bietet auch vielen Tieren einen Lebensraum. Wir sahen u.a. einen weiblichen Schwarzspecht (Dryocopus martius) beim Füttern der Jungen und Grau-Kraniche (Grus grus) über einem Getreidefeld. In der Gegend brütet ein Seeadlerpärchen (Haliaeetus albicilla) und es gibt fünf Uhupaare (Bubo bubo).
Ein Problem stellen 20-30 Nandus (Rhea americana), mannsgroße südamerikanische Straußenvögel, dar, die vor etwa zehn Jahren einem Züchter entflohen sind. Durch die fehlenden Feinde breitete sich der große Vogel schnell aus.
Christina Weihenmaier, Ramona Wiesner, Alexander Römer
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