Donnerstag, 12.05.05 Vormittag

 

 

 

Besuch der Herzoglich Oldenburgischen

Forstverwaltung

 

 

 

Geschichte

 

 

Das heutige Herzogliche Forstamt Oldenburg im Besitz des Herzogs von Oldenburg umfasst 2.960 ha Waldfläche. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gehörten dem Herzogtum 18.000 ha Land. Jetzt sind es noch rund 4.000 ha. Vor 350 Jahren wurden viele verwüstete (waldleere, nicht genutzte) Flächen nach dem 30-jährigen Krieg aufgekauft und wieder bewaldet. Im gesamten Waldgebiet fand keine extreme Streunutzung statt, was der jetzigen Bodenqualität sehr entgegen kommt.

 

 

 

Mit der Umstellung zum Dauerwald wandelte sich auch der Wildbestand. Damals waren auf den 18.000 ha 1.200 Stück Damwild (Dama dama) vorhanden. Heute kommt die Wildart aus Bewirtschaftungsgründen nicht mehr vor. Ab 1952 gab es regelmäßig Forsteinrichtungen. Im letzten Jahrhundert wurde die Bewirtschaftung auf Dauerwaldbewirtschaftung umgestellt. Das führten die Fortsamtsleiter Herr von Arnswaldt, Herr von Gadow und der derzeitige Forstamtleiter, Herr Mylius, konsequent durch. Die Bewirtschafter des Herzogswaldes haben es zu allen Zeiten geschafft, sich an die gegebenen Umstände anzupassen, so dass stets ein gutes und zufrieden stellendes Betriebsergebnis erzielt werden konnte.

 

 

 

Geologie

 

 

Am Vormittag des Exkursionstages bewegten wir uns auf einer Grundmoräne der Weichseleiszeit (vor ca. 15.000-18.000 Jahren). Hier sind äußerst tiefgründige Standorte vorhanden. Die Böden entstanden aus Geschiebemergeln (kalziumkarbonatreich), die sich zu entkalkten Geschiebelehmen (schluffig bis feinsandig) oder Geschiebesanden entwickelten. Der Kalk ist für die Waldbäume jedoch noch erreichbar. Ebenso ist die Nährstoff- und Wärmeversorgung hervorragend. Gleiches gilt überwiegend für die Sauerstoffversorgung. Auf etwa 20% der Grundmoräne sind jedoch Stauhorizonte vorhanden. Dennoch bestehen insgesamt ideale Bedingungen für Laubbaumarten.

 

 

 

Waldbau

 

 

Als 1945/1946 150.000 Festmeter Brennholz als Reparationsleistung und für die Not leidende Bevölkerung bereitzustellen waren, wurde der Wald konsequent entrümpelt und nicht, wie vielerorts, kahl geschlagen. Durch die Mastjahre 1947/1948 (unterstützt durch Bodenbearbeitungsmaßnahmen) konnte sich eine üppige Naturverjüngung etablieren. Dadurch wurde damals der Grundstein für das bis heute geltende Waldbaukonzept gelegt.

 

Unter schützendem Schirm lässt man die Naturverjüngung ohne aktive Pflegeeingriffe bis zum Alter von 30-35 Jahren aufwachsen. Im Halbschatten erfolgt bis dahin eine deutliche Selbstdifferenzierung. Gleichalte, jedoch unterlegene Individuen werden in den  Unterstand verdrängt. Den ersten Eingriff führen Brennholzselbstwerber durch, wobei durch Mischwuchsregulierung eine Entwicklung zum Buchenreinbestand verhindert wird. Ahorn, Esche oder auch Eiche werden hierbei begünstigt. Im Verwaltungsbereich können so rund 5.000 – 6.000 Festmeter pro Jahr von Selbstwerbern aufgearbeitet werden.

 

Ansonsten lässt man das Holz bis in starke Wertholzdimensionen mit durchschnittlichem Zieldurchmesser von 75 cm weiterwachsen. Seit den 50er Jahren werden so ca. 9 Festmeter pro Jahr und Hektar im Oberstand genutzt (durchschnittlicher Jahreszuwachs 12 – 14 Erntefestmeter, Buchenoptimum).

 

Um Aushagerung und Salzeintrag durch starke, salzhaltige Westwinde zu verhindern, sind die Bestandesränder dicht zu halten.

 

Somit besitzt man im Moment zweischichtige, bezogen auf den Hektar durchaus auch mehrschichtige Bestände, von denen kontinuierlich pro Eingriff (alle 3-5 Jahre) nur ca. 35 Festmeter bzw. fünf Buchen pro Hektar genutzt werden. Nutzungsschäden am Bestand sind daher kein Problem. Für den Unterstand wird wiederum Lichtzuwachs ermöglicht. Der Unterstand hält den Boden im Halbschatten, wodurch er besser fängisch für Naturverjüngung bleibt. Ein solcher Dauerwald sorgt für ein relativ konstantes Waldklima und kontinuierlich guten Humusumsatz.

 

Im Waldbau wird auf Naturverjüngung, selbständige Halbschattenpflege und Starkholznutzung gesetzt. Allerdings ist die Betreuung solcher Flächen durchaus arbeitsintensiv für den Förster, gerade in Bezug auf die jährlich notwendige Überprüfung der Z–Bäume auf Nekrosen bzw. Schleimfluss. Nach einer Umtriebszeit von durchschnittlich 120 Jahren (Rotkernbildung wird in Kauf genommen) bleiben von durchschnittlich acht Erntefestmetern pro Baum rund 4 Festmeter Starkholz. Somit kann bei diesem plenterwaldähnlichen Nutzungs- und Verjüngungskonzept nachhaltig ein Roherlös von 500-600 Euro pro Jahr und Hektar erwirtschaftet werden (aktuelle Marktpreise zugrunde gelegt).

 

Allgemeine Betriebsziele sind die Produktion von Wertholz und die Bereitstellung eines breiten Warenangebotes. Daher wird auf 14 Prozent der Fläche auch auf Nadelholz, mit besonderer Zielsetzung Douglasie und Lärche, gesetzt (siehe Nachmittagsexkursion).

 

 

 

Holzvermarktung

 

 

Der Regelhiebssatz beträgt pro Jahr 15.000 Fm. Der erste Eingriff nach 35 Jahren Wachstum wird von Selbstwerbern durchgeführt, die ca. 12 € je Fm bezahlen. Die Sortimente sind nach dem Betriebsziel eindeutig Wertholzsortimente (60% an der Gesamtmasse). Die anfallenden Industriehölzer werden nach Skandinavien oder in die neuen Bundesländer verkauft. Neben den Hauptbaumarten Buche (Fagus sylvatica) und Eiche (Quercus sp.) werden auch Douglasie (Pseudotsuga menziesii), Japanische Lärche (Larix kaempferi), Esche (Fraxinus exelsior), Bergahorn (Acer platanoides) und Kirsche (Prunus avium) verkauft. Das Holz wird nicht nur im Inland abgesetzt, sondern auch immer verstärkter auf dem globalen Markt angeboten, da Wertholz  verstärkt gesucht wird, besonders auf dem asiatischen Markt. Dort werden bis zu 280 € je Fm gezahlt. Ein Zwischenhändler wickelt die Geschäfte ab.

 

 

 

Sonstige Nutzungsformen

 

 

Neben dem Holzverkauf wird der Wald auch auf andere Weise genutzt. Da 1.800 ha Buchenwald anerkannte Saatgutbestände sind, wird viel Saatgut an Baumschulen und andere Kunden verkauft. Weiterhin sind Bestände von Eiche, Esche, Ahorn, Kirsche und Douglasie anerkannt. In manchen Jahren werden bis zu 20 Tonnen Saatgut gewonnen. Aus den Weihnachtsbaumplantagen werden jährlich 15.000 Bäume vermarktet. Jährlich produziert das Forstamt 70 Tonnen Deck- und Zierreisig.

 

 

 

Naturschutz und Waldbesucher

 

 

Das Waldgebiet ist als FFH-Gebiet ausgewiesen. Naturschutz, Dauerwald und die alte herzogliche Bewirtschaftungsform liegen nicht so weit auseinander. Schon lange bevor von modernem Naturschutz gesprochen wurde, kann man sagen, dass dieser in den Wäldern betrieben wurde. Damals gab es schon an die 30 Fm Totholz je Hektar. Noch bevor bundesweite Totholzrichtlinien heraus gegeben wurden, fand man den Mittelspecht (Picoides medius) in den Wäldern. Aufgrund der Küstennähe (12 Km bis zur Ostsee) brütet schon seit mehreren Generationen der Seeadler (Haliaeetus albicilla) im Revier Kremperkate. Während der Brutzeit ist es strengstens verboten, den Horst zu beunruhigen. Darum ist der Wald in diesem Gebiet seit einigen Jahrzehnten für Besucher gesperrt. Früher, als es in Schleswig-Holstein nur noch 3 Brutpaare gab, wurden die Aufzuchtspaare bewacht. Heute gibt es 28 Aufzuchtspaare, die jährlich 40 Junge heranziehen, so dass der Bestand auf einem etwas zufrieden stellenden Niveau stabil wird.

 

Das Betretungsrecht für Waldbesucher wurde in den letzten Jahren etwas erleichtert. Der Wald wird aber nur gelegentlich von Naherholern besucht. Das Waldgebiet profitiert hier von der nahen Küste, die die Menschenmassen anzieht. Da das oberste Ziel die Produktion von Wertholz ist, muss sich die Erholungsfunktion dem anpassen. Folglich gibt auch kaum waldnahe Parkplätze. Einige Waldgebiete sind nur von wenigen Wegen aus zu begehen.

 

 

 

Jagd

 

 

Mit Beginn der Jagdzeit, Anfang Mai, wird das Rehwild (Capreolus capreolus) durch Ansitz bejagt, um das Ziel einer guten Naturverjüngung zu gewährleisten. Aufgrund des aufkommenden Jungwuchses ist diese Art der Bejagung jedoch sehr zeitaufwändig und schwierig. Deshalb konzentriert sich die hauptsächliche Bejagung des Rehwildes auf die Drückjagden im November und Dezember. Auf den zwei großen Drückjagden, die das Kernstück der Rehwildbejagung darstellen, werden mit 70 Schützen 150 Stück Rehwild erlegt. Bei diesen Gesellschaftsjagden wird das Wild ausschließlich durch Treiber den Schützen zugetrieben. Insgesamt werden im Herzoglich Oldenburgischen Forstamt Lensahn 15 Stück Rehwild pro Jahr und Hektar geschossen.

 

Das Schwarzwild (Sus scrofa) wird ausschließlich auf Drückjagden bejagt. Hierfür werden die Treiberketten zusätzlich durch Jagdterrier unterstützt. Es werden hierbei auf 600 Hektar bis zu 300 Wildschweine geschossen.

 

 Florian Dietze, Martin Köberle, Walter Kummer, Markus Pfleghardt

 

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Donnerstag, 12.05.2005 Nachmittag

 

 

 

Aufbau von Nadelholzbeständen in der Försterei Lensahn der Herzoglich Oldenburgischen Forstverwaltung

 

 

 

Klima

 

 

Jahresdurchschnittstemperatur: 8,1° C

Durchschnittlicher Jahresniederschlag: 737 mm

Betriebsart: Privatwald mit ca. 3.000 ha Fläche,       bestockt mit 80 % Laubholz und 20 % Nadelholz

 

Im weiteren Verlauf der Exkursion begaben wir uns in die Nadelholz-Flächen des Betriebes.

 

 

 

Standort

 

 

Es handelt sich hier um einen noch gut nährstoffversorgten Standort auf lehmigem Sand bzw. sandigen Kiesen mit Schluff-Anteilen oberhalb einer Endmoräne.

 

 

 

Geologie

 

 

Das Bodenskelett wird gebildet durch Feuerstein aus der Jura- bzw. Kreidezeit. Basenversorgung ist in geringem Maße ebenfalls durch eine in ca. 3 m Tiefe liegenden Kalkschicht gewährleistet. Durch Kapillarkräfte des Bodens wird der Kalk in für die Wurzeln erreichbare Schichten befördert. Der Wasserhaushalt ist durch den erhöhten Sandanteil schlechter als in den Laubholzflächen des Betriebes, aber noch als „gut“ einzustufen >> mäßig frisch.

 

Aufgrund des Skelettgehaltes des Bodens sind die nicht heimischen Nadelbäume in der Lage, sich stärker zu verankern als im Bereich der Grundmoräne, und können so einen relativ stabilen Bestand bilden.

 

Der Nadelholzbestand wurde vor 105 Jahren begründet, indem auf einer Erstaufforstungsfläche im Wechsel jeweils drei Reihen Fichte, drei Reihen Lärche und drei Reihen Kiefer gepflanzt wurden. Die Entwicklung insbesondere der Fichte (Picea abies) war sehr unbefriedigend. Die Kiefer (Pinus sylvestris) fiel ganz aus. Es folgte vor 40 Jahren die Entscheidung, Douglasie (Pseudotsuga menziesii) und Japanische Lärche (Larix kaempferi) unter die Fichte zu pflanzen. Zusätzlich wurde Stiel-Eiche (Quercus robur) als ökologische Beimengung gepflanzt.

 

Das Ziel auf dieser Fläche ist die Produktion von Nadel-Wertholz mit einem Ziel-BHD von 80 cm. (Douglasie, Lärche). Lärche und Douglasie werden konsequent geastet.

 

 

 

Bewirtschaftung:

 

 

Die Bewirtschaftung der Nadelholzbestände wird in den Grundzügen ähnlich wie in den Laubholzbeständen durchgeführt.

 

Die Flächen werden sehr extensiv gepflegt. Dennoch muss aufgrund der standörtlich bedingten sehr hohen Vitalität der Buche (Fagus sylvatica) regulierend eingegriffen werden, um das Ziel „Nadelholzbestand“ nicht zu gefährden, indem man bedrängende Laubholzarten, vor allem die Buche, beseitigt und damit gleichzeitig eine Mischwuchsregulierug zugunsten der Nadelholzarten durchgeführt.

 

Der Entschluss, auf dem eigentlichen Buchenstandort auch mit Nadelholz zu wirtschaften, erfolgte aus forstpolitischen Gründen. Das Ziel des Herzoglich Oldenburgischen Forstamtes besteht darin, ein möglichst gut sortiertes Warenangebot an starkem Wertholz aller auf diesem Standort sich selbstverjüngenden Baumarten zu besitzen. Auf Grund dieser Wirtschaftsform ist es möglich, auf ein sehr großes Spektrum an baumartenorientierten Kundenwünschen einzugehen, wenn diese bereit sind, den entsprechenden Preis zu bezahlen.

 

 

Im Forstamt Oldenburg wird mit folgenden Nadelholzarten gewirtschaftet:

Pseudotsuga menziesii, Picea abies, Larix kaempferi, vereinzelt Picea sitchensis und Abies grandis.

 

Der Zieldurchmesser beträgt generell 80 cm und wird von der Douglasie in 80 Jahren erreicht. Die japanische Lärche benötigt etwa 95 Jahre. Qualitativ gute Buchen werden selbstverständlich auch genutzt. Das Betriebsziel lautet, einen naturnahen Nadelmischwald zu formen. Aufgrund der Dauerwaldstruktur und der einzelstammweisen Nutzung, das heißt nie mehr als 35fm je ha und Eingriff und der dadurch ständig nachwachsenden Naturverjüngung, kann dieser Betrag zwei mal im Jahrzehnt nachhaltig entnommen werden. Umgerechnet ergibt dies einen Betrag von 500 – 600 € pro Jahr und Hektar an wertvollem Nadelstarkholz.

 

Grundvoraussetzung dafür ist selbstverständlich die Wertästung. Aufgrund der großen Jahrringsbreite geht Douglasie und japanische Lärche nicht in die Furnierindustrie, sondern in den Innenausbau. Was sich aber nicht negativ auf den erzielbaren Preis auswirkt. Die Fichte wird nicht geastet, da sich wegen des nicht erzielbaren Preises der Aufwand nicht lohnt. Die Fichte wird allerdings im Oberstand benötigt, um Douglasie und Lärche im Halbschatten zu erziehen.

Erwähnenswert ist die Tatsache, dass die Fichte, die aus Naturverjüngung entstanden und im Mischbestand aufgewachsen ist, unempfindlich gegenüber Rotfäule ist. Die Befahrung und somit die Verdichtung wird aufgrund der Bewirtschaftung auf ein Minimum reduziert und trägt mit der dadurch möglich gewordenen hohen Wurzeltiefe zu einer hohen Stabilität der Bestände bei.

 

 

 

Nebennutzung

 

 

Im herzoglichen Forstamt zu Oldenburg werden zahlreiche andere Produkte aus dem Wald gewinnbringend vermarktet.

 

So werden zum Beispiel pro Jahr 15,000 Weihnachtsbäume, hauptsächlich Nordmannstanne (Abies nordmanniana), zu einem Stückpreis von 10 Euro auf den Markt gebracht.

 

Es wird versucht, einen qualitativ hochwertigen Nordmannstannenbestand durchwachsen zu lassen, um später Saatgut für die Weihnachtsbaumproduktion zu erhalten.

 

Weiterhin nutzt man pro Jahr 50 Tonnen Schmuckreisig der Edeltanne (Abies nobilis).

 

Eine Besonderheit stellt der Verkauf von einzelnen Sitka-Fichten (Picea sitchensis) als Schiffsmasten dar.

 

 

 

Weitere Besonderheit

 

 

Auf einer weiteren Nadelholzfläche wurde vor ca. 30 Jahren ein unkonventionelles Verfahren zur Ermöglichung von Naturverjüngung angewandt:

 

Adlerfarn (Pteridium aquilinum) verhinderte großflächig die Bildung von Naturverjüngung der Fichte. So wurde vereinzelt Hänge-Birke (Betula pendula) gesät, welche den Adlerfarn schnell überwuchs und ihn somit ausdunkelte. Weiterhin wurde der Boden durch die schnell startende Birke beschattet, was eine weitere Keimung von Adlerfarn verhinderte und somit den Weg für die Naturverjüngung der Fichte bereitete. Die Fichte schob sich später an der Pionierbaumart Birke vorbei und bildete den herrschenden Bestand. Die Birke hatte nun die Funktion einer dienenden Baumart und kommt mittlerweile nur noch vereinzelt im Bestand vor.

 

 

Simon Ketterer, Stephan Radler, Thomas Fikar, Florian Fiedel

 

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