Dienstag, 10.05.05 Vormittag

 

 

 

Fahrt zur Hallig Hooge

 

 

Von der Jugendherberge brachen wir um 7:30 Uhr auf und erreichten mit dem Bus nach einiger Fahrzeit den Schlüttsieler Hafen. Mit dem Schiff „Hauke Haien“ begann um 9:45 Uhr die Schiffstour durch den Priel Schlütt  aufs Nordfriesische Wattenmeer hinaus zur am weitesten draußen gelegenen Hallig Hooge. Der Priel Schlütt, so informierte der Kapitän, habe eine Breite von 20 - 100 m und einen Gesamtwasserstand von 1,70 m. Damit bleiben noch 20 cm Wasser unterm Schiffskiel. Im Winter sei der Priel zugeschlickt.

 

Kurz nach der Hafenausfahrt erfolgte ein kleiner Stopp. Ein Netz mit Rollen ließ man am Heck hinunter und zog es zum demonstrativen Krabbenfang über den Grund des Watts. Während alle gespannt auf die Ausbeute warteten, passierte das Schiff Sandbänke auf denen Seehunde während der Ebbe lagen und uns aufmerksam beobachteten. Ungefähr 6.000 Seehunde umfasst der Bestand im Wattenmeer. Sie werden bis zu 2 m lang und rund 100 kg schwer. Sie fressen im Schnitt ca. 5 kg Fisch pro Tag. Die Sandbänke dienen als Ruhezonen, auf denen im Frühjahr der Nachwuchs zur Welt kommt.

 

Links und rechts zogen die Halligen und Inseln an uns vorüber. Bis zum 14. Jahrhundert waren sie noch Teil des Festlands. Große Sturmfluten sorgten dafür, dass umliegende Festlandsteile überflutet und fortgespült wurden. Erst Ende der 80er Jahre wurden die acht größten Halligen an die Strom- und die Trinkwasserversorgung des Festlands angeschlossen. Die zwei kleinsten sind nach wie vor ohne diese Infrastruktur.

 

 

Im Gegensatz zu einer Insel werden die Halligen 20 bis 30 mal im Jahr überflutet. Das Wasser steht dann bis zu 1,5 Meter hoch über den Feldern und Straßen. Nur die 5,5 – 6,5 m über NN hohen Warften, von Hand aufgeschüttete Hügel mit Siedlungen, ragen aus dem vorgedrungenen Meer. Die Flut bringt fruchtbaren Schlamm, doch hat sie auch erhebliche Zerstörungskraft. So wurden die Halligen um 1900 mit Steindeichen befestigt.

Die Bewohner der Halligen finden Arbeit im Küstenschutz, in der Fischerei, Landwirtschaft und im Tourismus. Speziell die Halligen sind besonders wichtig für den Küstenschutz. Sie dienen als Bollwerke und vermindern die Stärke und Kraft der Sturmfluten, weil die Stauwirkung, die am Festland auftritt, durch die Umspülung der Halligen ersetzt wird.

Die kleine Hallig Habel liegt in der Schutzzone 1 des Nationalparks Wattenmeer. Hier ist das Betreten verboten. Gebiete der Schutzzone 2 sind nur für Versorgungsfahrzeuge zugängig und die Zone 3 mit dem schwächsten Schutz kann vom allgemeinen Schifffahrtsverkehr genutzt werden.

 

Neben den Halligen Habel, Gröde, Oland, Langeness und Hooge waren noch die Inseln Föhr und Amrum zu erkennen.

Die Insel Amrum, mit großem Sandstrand ausgestattet, besitzt eine Rettungskreuzerstation und eine Tonnenstation.

 

 

Nun gilt die Aufmerksamkeit wieder mehr dem Fang, der in der Zwischenzeit heraufgeholt und sortiert wurde. In ein Schauaquarium an Deck wird Meerwasser eingelassen und der Beifang darin ausgesetzt. Darunter befinden sich Einsiedlerkrebse (Eupagurus bernhardus), die Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis), die vor 30 Jahren aus Asien eingeschleppt wurde, eine Seenadel (Synguathus acus), eine Strandkrabbe (Carcinus spec.), ein Seeskorpion (Myoxocephalus scorpius), Stichlinge (Gasterosteus aculeatus), Sandgrundeln (Pomatoschistus minutus) und ein Stint (Osmerus eperlanus) mit charakteristischem Gurkengeruch. Die gefangenen Nordseegarnelen (Crangon crangon), im Volksmund Krabben genannt, kochte man an Bord in Meerwasser. Die Weibchen waren an den Eipaketen unter dem Bauch erkennbar.

Unter Anleitung konnte das Krabbenpulen erlernt werden. Nach dieser eineinhalbstündigen, kurzweiligen Fahrt legte die „Hauke Haien“ um 11:00 Uhr am Pier der Hallig Hooge an. Mit Pferdekutschen ging es zur ersten Warft, der Hans–Warft mit den meisten Sehenswürdigkeiten, beispielsweise einem Sturmflutkino und einem Wattenmeerhaus.

 

 

Hallig Hooge

 

 

Die Hallig Hooge hat eine Fläche von 550 ha, ist 6 km lang, 3 km breit, hat 126 Einwohner, 9 Warften und eine Windmessanlage. Sie ist die einzige Hallig mit Sommerdeich und wird deshalb im Vergleich zu anderen Halligen weniger oft überspült. Den Sommer über weidet Pensionsvieh vom Festland auf der Hallig. Rinder und Schafe werden dorthin von der Fähre transportiert. Diese dienen als natürlicher Rasenmäher zur Offenhaltung der Flächen .

 

Susanne Wagner, Julia Wirth, Karolina Faust

 

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Dienstag, 10. Mai 2005, Nachmittag

 

 

 

Besuch der Hallig Hooge

 

 

Auf der Hanswarft angekommen, bekamen wir eine kleine Einführung von Stefan Wolff über die Hooger Vogelwelt, die sich u.a. aus folgenden Arten zusammensetzt:

 

Pfeifente (Anas penelope),

Zwergseeschwalbe (Sterna albifrons),

Austernfischer (Haematopus ostralegus),

Küstenseeschwalbe (Sterna paradisea),

Alpenstrandläufer (Calidris alpina),

Knutt (Calidris canutus),

Rotschenkel (Tringa totanus)

Ringelgans (Branta bernicla)

 

Besonders die Ringelgans kommt auf der Hallig Hooge im März bis Mai sowie im September bis Oktober in einer großen Populationsdichte vor. Zur Zeit sind rund 17.000 Individuen anzutreffen, welche die Halligen als Rastgebiete auf ihrer Reise in die Brutgebiete in Nordsibirien oder auf der Taimir-Halbinsel nutzen. Aufgrund dieses Ereignisses finden jedes Jahr vom 16. April bis 16.Mai die Ringelganstage statt, zu denen verschiedene Spiel- und Informationsveranstaltungen angeboten werden.

 

 

 

Schutzzentrum Wattenmeer Hallig Hooge

 

 

Nach der Einführung besuchten wir eine der 18 Schutzzentren die im Nationalpark Wattenmeer vorkommen. Die Schutzstation auf der Hallig Hooge wurde 1963 von dem Zahnarzt Gerd Oetken als NGO (non government organisation) gegründet. Neben drei Praktikanten, einem Hausleiter, der für den derzeitigen Umbau zuständig ist, einem Hausmeister, einer FÖJ sind auch ständig zwei Zivis vor Ort.

 

 

Hauptaufgaben der Schutzstation Wattenmeer

 

Öffentlichkeitsarbeit (Watt-, Salzwiesenexkursionen, Diavorträge, Organisation der Veranstaltungen etc.)

naturwissenschaftlicher Hilfsarbeit (Vogelzählungen, Springtidezählung)

Gebietsbetreuung (z.B. Kontrolle der Informationstafeln).

 

Im Besucherzentrum selbst befinden sich im Erdgeschoss die Wattenmeerausstellung, die Ringelgansausstellung, im ersten Stock die Wattwerkstatt mit fachkundlicher Beratung und Mikroskopen sowie einer Bastelecke bzw. ein Seminarraum, in dem Diavorträge gezeigt werden.

In der darauf folgenden Stunde hatten wir Gelegenheit, uns ausgiebig mit der Geologie, Flora, Fauna sowie Wirtschaft und dem Leben auf der Hallig Hooge auseinander zu setzen.

 

 

 

Entwicklung und Entstehung der Hallig Hooge

 

 

Zunächst ist bemerkenswert, dass nach Probenauswertung in 120 Metern Tiefe noch eiszeitliche Ablagerungen angetroffen wurden. Dies weist auf eine tiefe Erosion zu Beginn der Eiszeitalter hin.

 

Die tiefsten Ablagerungen sind so genannte Geschiebemergel, Ablagerungen, die von den skandinavischen Gletschern auf ihrem Weg in die Nordsee aufgenommen wurden und an ihrer Unterseite hinterlassen wurden. Auch wenn das Alter nicht exakt bestimmt werden kann, handelt es sich vermutlich um Ablagerungen der Elster-Kaltzeit die vor etwa 500.000 bis 600.000 Jahren herrschte. Zu dieser Zeit reichte der Eisschild über die gesamte Nordsee bis nach England.

 

Die darüber liegenden Feinsande sind Ablagerungen der abtauenden Gletscher. Die zwischen 50 m und 59 m mächtigen, anschließenden Geschiebemergel zeugen von den Gletschervorstößen der Saale-Eiszeit. Der Drenthe-Gletschervorstoß ging bis weit in die heutige Nordsee hinein und ist nordöstlich von Helgoland nachweisbar. Der Eisschild bedeckte aber nicht mehr die gesamte Nordseebreite bis England. Auch die darüber liegenden bis 19,5 m mächtigen Sande wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Saale-Eiszeit geschüttet. Sie sind sehr grob und weisen auf die Nähe der Gletscherfront hin.

 

Ablagerungen aus der letzten Zwischeneiszeit, dem Eem, und der letzten Eiszeit (Weichsel-Eiszeit) fehlen. Stattdessen setzen bei 19,5 m unmittelbar die Ablagerungen aus der jüngeren Vergangenheit, dem so genannten Holozän ein. Ihre Basis ist etwa 7.500 Jahre alt und zeigt an, wie das Meer mit Wattablagerungen auf die eiszeitliche Landoberfläche übergriff.

 

Zu dieser Zeit betrug der Meeresspiegelanstieg durch abtauende Eismassen durchschnittlich etwa 21 mm pro Jahr, verlangsamte sich danach auf ca. 15 mm pro Jahr vor etwa 6.500 Jahren, um dann drastisch bis auf 1 mm pro Jahr zurückzugehen. Er steigt jedoch heute wieder deutlich an.

 

 

 

Flora/Fauna

 

 

In den Salzwiesen auf Hooge leben  ca. 40 verschiedene Pflanzenarten. Eine davon ist die Strandgrasnelke (Ameria maritima). Allerdings hat sich die Flora in den Jahren nach der Eindeichung grundlegend geändert, da die Bereiche um die Warften herum nur noch wenige Male im Jahr vom Seewasser überspült werden. Diese Maßnahmen waren nötig, um eine Bewirtschaftung des Landes möglich zu machen.

Des weiteren leben viele Seevögel, Gänse und Insekten in den Salzwiesen.

 

Das Watt gliedert sich auf in die Bereiche Schlickwatt, Prielbereich und Sandwatt.

Das Schlickwatt, welches zu 60% aus Wasser besteht, gekennzeichnet durch eine schwache Strömung, enthält große Mengen organische Bestandteile, viele Kleintiere und Muscheln (Sandklaffmuschel (Mya arenaria), Wattwurm (Arenicola marina)).

Im Priel kommen u.a. der Steinpicker (Agonus cataphractus) und der Seeskorpion (Myoxocephalus scorpius).

 

Das Sandwatt, welches durch eine relativ hohe Strömungsgeschwindigkeit ausgezeichnet ist, enthält im Gegensatz zum Schlickwatt nur 1% organische Anteile. Es leben dort z. B. verschiedene Muscheln, genannt werden hier die Miesmuschel (Mytilus edulis) und die Pazifische Auster (Crossostrea pacifica).

 

Zwei Kilometer westlich vorgelagert ist der sogenannte Japsand, eine Sandbank, auf der Muschelschalen, Bernstein und Strandgut angeschwemmt werden.

 

 

 

Wirtschaftszweige

 

 

Die Landwirtschaft auf der Hallig war früher durch ganzjährige Überflutung außerhalb der Warften gekennzeichnet. Winterstürme führten dazu das dass Land immer wieder abbrach. Deshalb gehörte das Land allen Hallig Bewohnern (Allmende) und wurde jedes Frühjahr anteilig neu zu gewiesen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde ein Strukturwandel eingeleitet. Deiche wurden ausgebaut, Straßen, Fähranleger und Ställe für das Vieh wurden gebaut. Heute ist die Hallig Hooge geprägt durch die Milchviehhaltung, Weideviehhaltung, Krabbenfischerei und Tourismus. Ackerbau war zu keiner Zeit möglich bedingt durch den hohen Salzgehalt sowie die starke Erosionsgefahr.

 

Beim anschließenden Rundgang, der uns zum Fähranleger zurück brachte, konnten wir die praktische Umsetzung des Küstenschutzes (Deichbau aus Basalt und Granit) begutachten.

 

Um 17.15 Uhr legte die Hauke Haien mit uns an Bord Richtung Festland ab, welches wir nach ca. einer Stunde erreichten. Beim anschließenden Abendessen in Husum lernten wir im Gasthaus „Tante Jenny“ die regionale Fischküche kennen.

 

 

Saskia Lange, Tim Eickenscheidt, Robert Reichert

 

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