NIEDERSACHSEN-Exkursion der

Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg

 

 

Montag, 26.05.08 Vormittag NSG Lüneburger Heide

Kristin Schmook, Carola Conrad, Arnold Renner

 

Der Referent der vormittäglichen Wanderung durch die Lüneburger Heide war der Leiter des Forstamts Sellhorn, Herr Köpsell (Niedersächsische Landesforsten), nachmittags führte uns Herr Engelke.


I. Niedersächsisches Forstamt – Kenndaten

Holzbodenfläche:
Landeswald (13.217 ha), Betreuungswald (578 ha)

Wuchsgebiet und Besonderheiten:
Hohe Heide (Ostheide), ein Teil liegt im NSG Lüneburger Heide (5200 ha).

Baumartenverteilung:
46% Kiefer, 19% Fichte, 4% Lärche, 6% Douglasie, 9% Eiche, 9% Buche, 7% sonstige

Holzvorrat: 273 Vfm/ha

Holzzuwachs: 8,7 Vfm/ha

Hiebsatz nach Forsteinrichtung: 5,8 Fm/ha/a bzw. 75.000 Fm/a

Organisation:
9 Revierförstereien, 4 Funktionsstellen WIN (Waldinfo- und Naturschutz), WÖN (Waldökologie und Naturschutz), JWH (Jugendwaldheim), TÖB (Träger öffentlicher Belange)

 

Allgemeine Daten zur Lüneburger Heide

Die Lüneburger Heide ist eines der größten (24.000 ha) und ältesten NSG´s Deutschlands. Davon sind 5.000 ha zusammenhängende Heidefläche. Darüber hinaus ist die Heide eine der größten Offenlandflächen Europas. 1921 wurde das NSG durch eine preußische Polizeiverordnung begründet, da man die wenigen Heideflächen schützen wollte. Seit 1925 dürfen Kraftfahrzeuge dort nur mit Sondergenehmigung fahren. Berittene Polizisten erheben bei Verstoß ein Bußgeld von 75€.
Das NSG wurde seither ständig vergrößert und wird von einem 3-mal größeren Naturpark umgeben.
Wichtige Wirtschaftsfaktoren für die Heide sind der Tourismus und die Bienenhaltung (Honig). Ferner gibt es ein 200km-Reitwegenetz und 50 km ausgewiesene Kutschenwege. Dies ist eine alte Tradition und daher geduldet.
Früher herrschten auf den Heideflächen karge Sandböden und Dünenaufwehungen vor. Dies bedeutete schwierige landwirtschaftliche Bedingungen und unfruchtbare Böden. Viele Bauern waren gezwungen, ihren Hof aufzugeben. Ein Hof musste zu dieser Zeit 400 ha Betriebsfläche aufweisen, um eine Familie ernähren zu können.

Die Lüneburger Heide liegt hier auf 100 m ü.NN. Die höchste Erhebung ist der Wilseder Berg mit 169 m ü.NN. Die Ortschaft Wilsede findet man auch auf dem alten 10 DM-Schein.
Das Klima ist subatlantisch geprägt mit kühl-feuchten Sommern und milden feuchten Wintern. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 7,5° C. Die Niederschläge betragen im Jahresmittel 850 mm auf der Luv-Seite des Wilseder Bergs und 600 mm auf der Lee-Seite.
Der Boden ist eiszeitlich geprägt. Charakteristisch ist das Vorkommen von Findlingen, die während der Eiszeit von Gletschern aus Skandinavien in die Heide transportiert wurden. Aufgrund der Standortskartierung lässt sich erkennen, dass die überwiegend sandigen Böden stellenweise lehmig durchsetzt sind. Dies ist wichtig für den Wasser- und den Nährstoffhaushalt.

Da die Heide eine Kulturlandschaft ist, muss diese heute mit aggressiven Mitteln freigehalten werden: Plaggen, Brennen, Beweidung.


Der Wald im NSG Lüneburger Heide

Die natürliche Waldgesellschaft entspricht einem Buchenwald mit beigemischter Eiche und Kiefer.

Um 1700 wurden die wenigen vorhandenen Waldteile im Besitz der Königshäuser streng bewacht, um die königliche Jagd vor Vieheintrieb und Holzdiebstahl zu sichern. Diese Bestände werden heute als königliche Holzungen bezeichnet, in denen man noch ursprüngliche Waldvegetation mit Buche und Eiche findet. Aus ihnen kann heute zugelassenes Saatgut gewonnen werden.
Die Buche bildet auf den Heidestandorten keinen Rotkern aus.

Im 19. Jahrhundert kaufte der Staat Land und Häuser auf und begann die Wüstungen mit Wald-Kiefer (Saat und Pflanzung) aufzuforsten. Heute wird im Zuge der naturgemäßen Forstwirtschaft der Waldumbau mit überwiegend Buche und Eiche angestrebt.
In den 70er Jahren traten Schadereignisse durch Sturmwurf (FA Sellhorn auf 5.000 ha 150.000 Fm Sturmholz) und Waldbrand auf.
Durch die momentan gute Holzmarktsituation wird trotz der strengen Auflagen durch den Naturschutz und der hinzukommenden Öffentlichkeitsarbeit ein Plus von 10 €/ha/a erwirtschaftet.
 

 

Montag, 26.05.08 Nachmittag NSG Lüneburger Heide

Emilie Merkel, Jan Peter Krämer, Friedrich Gohde, Alexander Kroeker

 

Siedlungsgeschichte

Nachdem die Gruppe das Forstamtsgebäude Sellhorn  gestreift hatte, ging es weiter zum Sellhornbach. Dort angekommen erläuterte Herr Engelke die Siedlungsgeschichte der Lüneburger Heide. Vorraussetzung für die Niederlassung der Menschen waren zwei Faktoren: Erstens das Vorhandensein von Wasser, also kleine Bäche oder Gräben, zweitens angrenzende Wiesen und Felder in der Nähe der Höfe.

Später, im 18. Jahrhundert, kam es dann zu einer Rodungsperiode. Grund dafür waren die Salzgewinnung, Waldweide, Streunutzung und der steigende Brennholzbedarf. Die verbleibenden Waldstücke waren meist im Besitz der königlichen Herrscher und dienten der Jagd.

Da sich die Landwirtschaft auf Grund der ausgelaugten Böden und geplünderten Wälder nicht mehr lohnte, verließen viele Bauern ihre Höfe. Die Ländereien wurden vom  Staat aufgekauft und zu großen Teilen aufgeforstet, andere Teile wurden offen gehalten, liegen aber heute oft brach weil sich kein Landwirt findet, der diese Flächen bewirtschaftet.

 

Totengrund

Vom Sellhornbach ging es weiter zum „Totengrund“, einer Stauch-Endmoränen-Landschaft,  deren Namensherkunft bis heute nicht geklärt ist. Dieses Wald-Heide-Übergangsgebiet ist eines der letzten Habitate für Birkhühner, von denen es hier nur noch ca. 250 Exemplare in drei Metapopulationen gibt.

Der „Totengrund“ war auch der Entstehungsort des NSG Lüneburger Heide. An dieser Stelle sollte Anfang des 19. Jahrhundert eine Feriensiedlung entstehen, aber 1906 kaufte der Pastor Bode mit finanzieller Unterstützung des Futtermittelherstellers Alfred Töpfer etwa 2.000 ha Land auf und verhinderte so den Bau der Ferienwohnungen. 1909 wurde dann der „Verein Naturschutzpark Lüneburger Heide“, nach Vorbild der amerikanischen Nationalparks, von Herrn Töpfer gegründet und die Fläche des Parks wuchs auf 3.800 ha an. Aber das Konzept amerikanischer Nationalparks kann hier nicht angewendet werden, da die Entstehung der Landschaft durch Nutzung geprägt wurde, somit kann dieses Landschaftsbild nur durch Fortführung der Nutzung erhalten werden. 1922 wurde dann aufgrund des erhöhten Verkehrsaufkommens eine Polizeiverordnung zur Verkehrsberuhigung eingeführt. Zu dieser Zeit umfasste das NSG bereits 20.000 ha. 1993 schließlich wurde die Naturschutz-Verordnung erlassen. Heute umfasst das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide etwa 26.000 ha, davon 5.000 ha  reine Heidefläche.    

 

Buchen Niederwald

 Wenige Meter abseits des „Hermann-Löns-Wanderweg“ führte Herr Engelke die Gruppe weiter in einen durchgewachsenen Buchenniederwald. Dieser fast 200jährige Bestand in der terminalen Phase  war nur wenige Meter vom „Totengrund“ entfernt und bot ein deutlich unterschiedliches Erscheinungsbild. Die terminale Phase ist definiert  als ein Bestand, der das übliche Wirtschaftsalter überschritten hat. Hier war ein solcher Bestand in Absprache mit der Forsteinrichtung in einer Größe von 4,7 ha als Bannwald ausgewiesen worden.  Die Bedenken aus der Gruppe bezüglich der Verkehrsicherheit der Besucher konnten  mit Hinweis auf das zwingende Wegegebot ausgeräumt werden. Vorausgegangen war eine Diskussion über Nutzungsalternativen dieses Bestandes, wie Räumung der Fläche und Wiederbestockung mit Fichte (Picea abies (L.) H.Karst), Buche (Fagus sylvatica L.) oder Douglasie (Pseudotsuga menziesii (Mirb.) Franco).

 

Mittagspause

In dem kleinen Dorf Wilsede wurde die Mittagspause eingelegt. Das Dorf ist geprägt von reetgedeckten Bauernhöfen im Stil des 19.Jahrhunderts. Der weitere Weg führte am Heidemuseum und der lokalen Försterei vorbei. Die Funktion des Försters ist in Wilsede mit dem Amt des Ortsvorstehers verknüpft, daher gilt für den Förster Residenzpflicht in der Dienstwohnung in Wilsede.

 

Wilseder Berg

Auf dem Weg zum Aussichtspunkt Wilseder Berg wurde ein Zwischenstopp am Feuerwachturm eingelegt, dieser wird aufgrund des mangelhaften baulichen Zustandes aber bald abgerissen. Das System der Waldbrandüberwachung mit Feuerwachtürmen wird in Zukunft durch Kameraüberwachung abgelöst.

Der Wilseder Berg ist mit einer Höhe von 169,2 m über N.N. die höchste Erhebung der Lüneburger Heide und des nordwestdeutschen Tieflandes. Auf dem Gipfel wurden die Konzepte zur Offenhaltung der Heideflächen erörtert. Die Varianten sind die Folgenden:

 

1.      Beweidung mit Heidschnucken und Ziegen, die Beweidung mit Heidschnucken führte zur eintönigen „Töpferheide“ und zur Abnahme der Artenvielfalt. In dieser Phase überalterte die Heide und immer mehr Sträucher und Bäume wie Wacholder (Juniperus communis L.) und Birke (Betula pendula Roth) wuchsen durch, auch die  Birkhuhnpopulation ging zurück.

2.      Abbrand führte oft zu unkontrollierten Flächenbränden

3.      Mähen und Mulchen mit Unterstützung von Schülern und Studenten

4.      Abplaggen Entfernung der Vegetation inklusive der Humusschicht.

Früher wurde dieses Material mit Dung vermengt und als Dünger auf die Felder verbracht. Heute wurde diese Materialverwendung wieder mit ortsansässigen Bauern vereinbart, nachdem jahrelang die Plaggen kostenaufwändig deponiert werden mussten. Das Plaggen wurde zeitweise mit Raupenfahrzeugen großflächig betrieben. Aufgrund des erhöhten touristischen Interesses wird wieder auf die alte händische Methode zurückgegriffen.

 

Bodeneinschlag

Die Podsolierung der Heideböden wurde von Herrn Irslinger anhand eines Bodenprofils in einer Sandgrube veranschaulicht. Die Böden der Heide wurden über 2.000 Jahre intensiv genutzt, was zu einer Verarmung und Versauerung führte. Der erste Versauerungsschub wurde durch die Rodung der ursprünglichen Buchenwälder verursacht. Das Fehlen des bodenbeschattenden Bestandes führte zu einer Erwärmung des Bodens und somit zu einer Steigerung der Aktivität des Bodenlebens. Der erhöhte Umsatz der Biomasse im Oberboden setzte große Mengen Stickstoff frei, die in Form von Nitrat ausgewaschen wurden. Jedes weitere Abplaggen der Vegetation verursachte weitere Versauerungsschübe. Die Böden befinden sich mittlerweile im Eisenpufferbereich bei einem pH-Wert unter 3,8.  Das Bodenprofil zeigte folgenden Horizonte: 

·        Rohhumus: 5cm

·        Ahe-Horizont: 3cm

·        Ae-Horizont (Bleichungshorizont): 15cm

·        Bhs-Horizont (Humus-Eisen-Anreicherungshorizont: 10cm

·        Ausgangsgestein (glaziale Sande)

 

Heidebäche

Typisch für die Lüneburger Heide sind kleinere Fließgewässer wie der Sprengebach, ein wertvoller Lebensraum für Bachneunauge, Elritze, Bachforelle, Bachflohkrebs, Eintagsfliegen und Köcherfliegen. Der Zustand des Baches ist dennoch von seinem ökologischen Optimum weit entfernt, da in der Uferzone keine Gehölze stehen. Die Versandung des Bachbettes durch Einschwemmung von Wegebaumaterial ist das Hauptproblem für die auf kiesigen Untergrund angewiesenen aquatischen Lebensformen. Anhand des Beispiels einer Dole  mit einer lichten Weite von 80cm wurde die Zerschneidung des Lebensraumes verdeutlicht. Der Sprengebach ist in seiner Form schützenswert, da es in Norddeutschland  nur noch einen weiteren Bach dieser Art gibt.

 

Besuch des Walderlebniszentrums Ehrhorn

Am Abend besuchten wir das Walderlebniszentrum (WEZ) in Ehrhorn. Dieses befindet sich in einem alten Heidebauernhof, der 1850 von seinen damaligen Besitzern aufgegeben und von der Staatsforstverwaltung aufgekauft wurde. Im Rahmen der Expo 2000 (Hannover) wurde der Hof restauriert und als externer Ausstellungspunkt ein Informationszentrum über die regionale Wald- und Landschaftsgeschichte geschaffen. Dieses Konzept ging zu Zeiten der Expo wegen der nicht unerheblichen Anfahrtszeit nicht auf. Jedoch kann das WEZ derzeit etwa 20.000 Besucher pro Jahr verzeichnen.