|
Siedlungsgeschichte
Nachdem
die Gruppe das Forstamtsgebäude Sellhorn gestreift hatte, ging es weiter zum Sellhornbach. Dort angekommen erläuterte Herr Engelke die Siedlungsgeschichte
der Lüneburger Heide. Vorraussetzung für die Niederlassung der Menschen waren
zwei Faktoren: Erstens das Vorhandensein von Wasser, also kleine Bäche oder
Gräben, zweitens angrenzende Wiesen und Felder in der Nähe der Höfe.
Später, im
18. Jahrhundert, kam es dann zu einer Rodungsperiode. Grund dafür waren die
Salzgewinnung, Waldweide, Streunutzung und der steigende Brennholzbedarf. Die
verbleibenden Waldstücke waren meist im Besitz der königlichen Herrscher und
dienten der Jagd.
Da sich
die Landwirtschaft auf Grund der ausgelaugten Böden und geplünderten Wälder
nicht mehr lohnte, verließen viele Bauern ihre Höfe. Die Ländereien wurden vom
Staat aufgekauft und zu großen Teilen aufgeforstet, andere Teile wurden offen
gehalten, liegen aber heute oft brach weil sich kein Landwirt findet, der diese
Flächen bewirtschaftet.
Totengrund
Vom
Sellhornbach ging es weiter zum „Totengrund“, einer Stauch-Endmoränen-Landschaft,
deren Namensherkunft bis heute nicht geklärt ist. Dieses
Wald-Heide-Übergangsgebiet ist eines der letzten Habitate für Birkhühner, von denen es
hier nur noch ca. 250 Exemplare in drei
Metapopulationen gibt.
Der
„Totengrund“ war auch der Entstehungsort des NSG Lüneburger Heide. An dieser
Stelle sollte Anfang des 19. Jahrhundert eine
Feriensiedlung entstehen, aber 1906 kaufte der Pastor Bode mit finanzieller
Unterstützung des Futtermittelherstellers Alfred Töpfer etwa 2.000 ha Land auf und
verhinderte so den Bau der Ferienwohnungen. 1909 wurde dann der „Verein
Naturschutzpark Lüneburger Heide“, nach Vorbild der amerikanischen Nationalparks, von Herrn Töpfer gegründet und die Fläche des Parks wuchs auf 3.800 ha an.
Aber das Konzept amerikanischer Nationalparks kann hier nicht angewendet
werden, da die Entstehung der Landschaft durch Nutzung geprägt wurde, somit kann
dieses Landschaftsbild nur durch Fortführung der Nutzung erhalten werden. 1922
wurde dann aufgrund des erhöhten Verkehrsaufkommens eine Polizeiverordnung zur
Verkehrsberuhigung eingeführt. Zu dieser Zeit umfasste das NSG bereits 20.000
ha. 1993 schließlich wurde die Naturschutz-Verordnung erlassen. Heute umfasst das
Naturschutzgebiet Lüneburger Heide etwa 26.000 ha, davon 5.000 ha reine
Heidefläche.
Buchen Niederwald
Wenige
Meter abseits des „Hermann-Löns-Wanderweg“ führte Herr Engelke die Gruppe weiter
in einen durchgewachsenen Buchenniederwald. Dieser fast 200jährige Bestand in
der terminalen Phase war nur wenige Meter vom „Totengrund“ entfernt und bot ein
deutlich unterschiedliches Erscheinungsbild. Die terminale Phase ist definiert
als ein Bestand, der das übliche Wirtschaftsalter überschritten hat. Hier war
ein solcher Bestand in Absprache mit der Forsteinrichtung in einer Größe von
4,7 ha als Bannwald ausgewiesen worden. Die Bedenken aus der Gruppe bezüglich
der Verkehrsicherheit der Besucher konnten mit Hinweis auf das zwingende
Wegegebot ausgeräumt werden. Vorausgegangen war eine Diskussion über
Nutzungsalternativen dieses Bestandes, wie Räumung der Fläche und
Wiederbestockung mit Fichte (Picea abies (L.) H.Karst), Buche (Fagus
sylvatica L.) oder Douglasie (Pseudotsuga menziesii (Mirb.)
Franco).
Mittagspause
In dem
kleinen Dorf Wilsede wurde die Mittagspause eingelegt. Das Dorf ist geprägt von
reetgedeckten Bauernhöfen im Stil des 19.Jahrhunderts. Der weitere Weg führte
am Heidemuseum und der lokalen Försterei vorbei. Die Funktion des Försters ist
in Wilsede mit dem Amt des Ortsvorstehers verknüpft, daher gilt für den Förster
Residenzpflicht in der Dienstwohnung in Wilsede.
Wilseder Berg
Auf
dem Weg zum Aussichtspunkt Wilseder Berg wurde ein Zwischenstopp am
Feuerwachturm eingelegt, dieser wird aufgrund des mangelhaften baulichen
Zustandes aber bald abgerissen. Das System der Waldbrandüberwachung mit Feuerwachtürmen
wird in Zukunft durch Kameraüberwachung abgelöst.
Der
Wilseder Berg ist mit einer Höhe von 169,2 m über N.N. die höchste Erhebung der
Lüneburger Heide und des nordwestdeutschen Tieflandes. Auf dem Gipfel wurden die
Konzepte zur Offenhaltung der Heideflächen erörtert. Die Varianten sind die
Folgenden:
1.
Beweidung mit Heidschnucken und
Ziegen, die Beweidung mit
Heidschnucken führte zur eintönigen „Töpferheide“ und zur Abnahme der
Artenvielfalt. In dieser Phase überalterte die Heide und immer mehr Sträucher
und Bäume wie Wacholder (Juniperus communis L.) und Birke (Betula
pendula Roth) wuchsen durch, auch die Birkhuhnpopulation ging zurück.
2.
Abbrand
führte oft zu unkontrollierten Flächenbränden
3.
Mähen und Mulchen
mit Unterstützung von Schülern und Studenten
4.
Abplaggen
Entfernung der Vegetation inklusive der Humusschicht.
Früher wurde dieses Material mit Dung vermengt
und als Dünger auf die Felder verbracht. Heute wurde diese Materialverwendung
wieder mit ortsansässigen Bauern vereinbart, nachdem jahrelang die Plaggen
kostenaufwändig deponiert werden mussten. Das Plaggen wurde zeitweise mit
Raupenfahrzeugen großflächig betrieben. Aufgrund des erhöhten touristischen
Interesses wird wieder auf die alte händische Methode zurückgegriffen.
Bodeneinschlag
Die
Podsolierung der Heideböden wurde von Herrn Irslinger anhand eines Bodenprofils
in einer Sandgrube veranschaulicht. Die Böden der Heide wurden über 2.000 Jahre
intensiv genutzt, was zu einer Verarmung und Versauerung führte. Der erste
Versauerungsschub wurde durch die Rodung der ursprünglichen Buchenwälder
verursacht. Das Fehlen des bodenbeschattenden Bestandes führte zu einer
Erwärmung des Bodens und somit zu einer Steigerung der Aktivität des
Bodenlebens. Der erhöhte Umsatz der Biomasse im Oberboden setzte große Mengen
Stickstoff frei, die in Form von Nitrat ausgewaschen wurden. Jedes weitere
Abplaggen der Vegetation verursachte weitere Versauerungsschübe. Die Böden
befinden sich mittlerweile im Eisenpufferbereich bei einem pH-Wert unter 3,8. Das
Bodenprofil zeigte folgenden Horizonte:
·
Rohhumus: 5cm
·
Ahe-Horizont: 3cm
·
Ae-Horizont (Bleichungshorizont): 15cm
·
Bhs-Horizont
(Humus-Eisen-Anreicherungshorizont: 10cm
·
Ausgangsgestein (glaziale Sande)
Heidebäche
Typisch
für die Lüneburger Heide sind kleinere Fließgewässer wie der Sprengebach, ein
wertvoller Lebensraum für Bachneunauge, Elritze, Bachforelle, Bachflohkrebs,
Eintagsfliegen und Köcherfliegen. Der Zustand des Baches ist dennoch von seinem
ökologischen Optimum weit entfernt, da in der Uferzone keine Gehölze stehen. Die
Versandung des Bachbettes durch Einschwemmung von Wegebaumaterial ist das
Hauptproblem für die auf kiesigen Untergrund angewiesenen aquatischen
Lebensformen. Anhand des Beispiels einer Dole mit einer lichten Weite von 80cm
wurde die Zerschneidung des Lebensraumes verdeutlicht. Der Sprengebach ist in
seiner Form schützenswert, da es in Norddeutschland nur noch einen weiteren
Bach dieser Art gibt.
Besuch des Walderlebniszentrums Ehrhorn
Am Abend besuchten wir das Walderlebniszentrum (WEZ) in
Ehrhorn. Dieses befindet sich in einem alten Heidebauernhof, der 1850 von
seinen damaligen Besitzern aufgegeben und von der Staatsforstverwaltung
aufgekauft wurde. Im Rahmen der Expo 2000 (Hannover) wurde der Hof restauriert
und als externer Ausstellungspunkt ein Informationszentrum über die regionale
Wald- und Landschaftsgeschichte geschaffen. Dieses Konzept ging zu Zeiten der
Expo wegen der nicht unerheblichen Anfahrtszeit nicht auf. Jedoch kann das WEZ
derzeit etwa 20.000 Besucher pro Jahr verzeichnen. |