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NIEDERSACHSEN-Exkursion der
Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg
Dienstag,
27.05.08 Vormittag Stadtwald Lüneburg
Niclas Schmidt-Hieber und Steffen Obenhuber
An diesem
Tage trafen wir uns nach einer kurzen Anfahrt um 9 Uhr mit dem Revierförster
Meier des Stadtforstamtes Lüneburg. Hier gab es zunächst eine kurze Einführung
über das Forstamt.
Das
Forstamt umfasst eine Größe von 1.630 ha wovon 1.520 ha Holzboden sind. Die Fläche
teilen sich drei Waldbesitzer: Die Stadt Lüneburg, die Stiftung „Zum Großen
Heiligen Geist“ und die Stiftung „St. Niokolaihof“. Die Verwaltung erfolgt
zentral über das Stadtforstamt.
Die
Organisation erfolgt durch zwei Revierleiter, welche allerdings durch ein
Büroleiter unterstützt werden. Als Besonderheiten wurde erwähnt, dass das
Forstamt im Bereich Stadtgrün unter Grünplanung, Friedhöfe und Forsten
eingebunden ist. Das Forstamt hat in der Leitung kein Fachpersonal.
Eine
weitere Besonderheit ist die starke Parzellierung, wodurch ca. 150 km
Waldaußengrenzen vorhanden sind, von denen rund 50 km entlang von Verkehrswegen
verlaufen. Dies bedeutet einen hohen Aufwand für Verkehrsicherungsmaßnahmen.
Das
gesamte Forstamt liegt im Wuchsbezirk „Ostheide“. Die klimatischen Verhältnisse
wurden mit einer mittleren Jahresdurchschnittstemperatur von 8,8 °C und
mittleren Jahresniederschlägen von 540 – 630 mm angegeben.
Die
Standortsverhältnisse gliedern sich zu 2 % in Moorstandorte, 30 % in
Grundwasserstandorte, 5 % Stauwasserstandorte und zu 63 % in grundwasserfreie
Standorte.
Die
potentielle natürliche Waldgesellschaft ist bei grundwasserfernen Standorten
überwiegend Luzulo-fagetum. Auf grundwassernahen Standorten
Eichen-Hainbuchenwälder sowie Aue und Bruchwälder.
Nach der
Einführung begaben wir uns zum ersten Waldbild. Dort wurde uns folgendes
vorgestellt:
Es
handelte sich um einen Bestand der 1978 begründet wurde. Dazu wurde auf der
Fläche die Humusschicht abgeschoben. Auf die direkt folgende Frage nach der
Sinnigkeit der Maßnahme, wurde mit der Verhinderung aufkommender
Konkurrenzflora auf dem nährstoffarmen Standort argumentiert. Gepflanzt wurde
die Trauben-Eiche (Quercus petraea L.), die Waldkiefer (Pinus
sylvestris L.) und die Rotbuche (Fagus sylvatica L.). Allerdings war
von der Trauben-Eiche, die als Hauptbaumart auf der Fläche gepflanzt wurde,
nicht mehr viel zu sehen. Der Bestand wurde von der Kiefer dominiert. Dabei
waren auf einem Hektar Fläche 50 Kiefern geastet.
Die
nächste Station war ein Wohnhaus mitten im Wald. Dies konnte sich nur daher
etablieren, da an der Stelle zuvor eine militärische Schießanlage vorhanden war.
Kurz wurde noch die erweiterte Verkehrsicherung angesprochen, der erhöhte
Aufwand äußerte sich z. B. durch den Einsatz von Hubwagen.
Ein paar
Schritte weiter standen wir dann vor einem ehemaligen Bunker. Die Bunkeranlagen
wurden um 1930 herum errichtet. Heute werden sie zum Teil von Fledermäusen
bewohnt.
Um den
Bunkereingang herum befand sich ein wertvoller Laubholzbestand bestehend aus 146
Jahre alten Rotbuchen (Fagus sylvatica L.) mit vereinzelten Eichen (Quercus
spec. L.). Die Forsteinrichtung schätzte den Vorrat auf 260 EFm/ha
und den Zuwachs auf 3 VFm/ha, was von den meisten Teilnehmern der Gruppe als
deutlich zu wenig empfunden wurde.
Die
nächste Station war eine 2007 eingezäunte Fläche. Der Zaun schütze eine
Eichennaturverjüngung aus dem Jahre 2006. Allerdings wurden die Eichen innerhalb
des Zaunes von überwachsendem Adlerfarn (Pteridum aquilinum (L.) Kuhn) bedroht.
Dieser soll periodisch entfernt werden, bis die Naturverjüngung nicht mehr
durch ihn gefährdet sein würde.
Als
nächstes wurde die Jagd im Stadtforstamt erörtert. Es jagen nur die beiden
Förster im Stadtwald, außerdem werden kleine Gesellschaftsjagden veranstaltet.
Durch das
nächste Waldbild sollte der Gruppe die unterschiedliche Wüchsigkeit zweier
verschiedener Baumarten dargestellt werden.
Es
handelte sich um einen 37 jährigen Stieleichenbestand (Quercus robur L.)
und einen gleichaltrigen Küsten-Tannen-Bestand (Abies grandis (Dougl.)
Lindl.).
Wie uns
der Augenschein lehrte, erreicht die Küsten-Tanne deutlich höhere Dimensionen.
Allerdings bereitet die Küsten-Tanne den Angaben nach Probleme hinsichtlich ihrer
Vermarktung, da die Eignung als Bauholz und ihre statischen Eigenschaften nicht
geklärt seien.
Als
nächstes wurde ein 65 jähriges Lärchenbaumholz (Larix kaempferi (Lamb.)
Carr; Japanische Lärche),
welches in einen Buchenwald umgewandelt soll, vorgestellt. Ein Vorbau mit Buche
erfolgte im Alter von 42 Jahren. Dabei wurde darüber diskutiert, ob der
Zeitpunkt zu früh gewesen sei, denn die Gefahr besteht, dass die Buche in die
Lärchenkrone einwächst. Des Weiteren wurden nur 2.000 Buchen pro Hektar
gepflanzt, 4.000 wären Erfolg versprechender.
Daraufhin
besichtigten wir für das Revier typische Habitatbäume. Dabei handelte es sich um
zwei 300 Jahre alte imposante Eichen. Diese boten Lebensraum für viele Lebewesen
wie Steinmarder und andere Höhlenbewohner. Auch ein Waschbär wurde schon
gesichtet. Nicht viel weiter besuchten wir eine ca. 250 Jahre alte Heidebuche,
diese bestach durch ihre Schönheit und die Dimension ihrer Krone.
Die
kommende Station war eine ehemalige Reiterhofwiese mit einem intakten
Erlenbruchwald im direkten Anschluss. Hier lassen sich viele seltene
Straucharten und Kräuter nachweisen. Als einzige forstliche Maßnahme wurden
Baumarten zurückgedrängt. Die Wiese soll in ihrer jetzigen Form erhalten
bleiben, da sie zusammen mit den angrenzenden Waldrändern als ökologisch wertvoll
einzuschätzen sei.
Dienstag,
27.05.08 Nachmittag Stadtwald Lüneburg, Stadtführung Lüneburg
Michael Herwig, Philipp Böhringer
Wie am Vormittag wurden weiterhin Waldbilder
besichtigt und besprochen. Im Folgenden werden die einzelnen Eindrücke
wiedergegeben.
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Erlenbruchwald entlang eines kleinen,
morastigen Fließgewässers:

Ein kleiner Bach mit einer Breite von wenigen
Metern mäandriert durch das Waldgebiet Tierpark. Nur wenige Dezimeter tief, die
Sohle oft versandet und zum Teil mit Totholz versehen, weist er interessante
Strömungsbilder auf. Für aquatische Kleinlebewesen und Fische ist der Bach ein
wichtiger Lebensraum.
Entlang des Baches wachsen langschäftige
Rot-Erlen (Alnus glutinosa (L.) Gaertn.). Diese werden, wenn sie ihren
Zieldurchmesser erreicht haben, einmal im Jahrzehnt genutzt. Die
Eingriffsstärke mit nur 40 fm/ha ist gering. Zuweilen gefährdet ein Pilz der
Gattung Phytophtera angehende Erlen-Baumhölzer. Eine genaue Abgrenzung der
Gefahr ist heute noch schwierig, so der Revierförster.
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Gegenüber befindet sich ein
Fichten-Altersklassenwald, der vor 40 Jahren mit dem Ziel der Erlösmaximierung
gepflanzt wurde. Die Qualitäten sind nur durchschnittlich. Die Artenvielfalt
ist ebenfalls gering.
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Am nächsten Exkursionspunkt wurde die
Zieldurchmesserernte am Beispiel von starken Wald-Kiefern (Pinus sylvestris
L.) erläutert. Dass die Bienenrosigkeit -
eine von Pilzen verursachte Braunfäuleerkrankung des unteren Stammabschnitts -
hier eine wichtige Rolle spielt, wurde an zwei Kiefern-Erdstämmen deutlich.
Diese waren bis in ca. zwei Meter Höhe im inneren Bereich braunfaul. Diese
Erscheinung, so der Förster, beobachtet er gehäuft auf feuchten Standorten.
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Im Anschluss daran besichtigten wir einen ca.
120 Jahre alten Fichten- Bestand, der im Jahre 1997 mit Buchen (Fagus
sylvatica L.) und Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus L.) unterpflanzt
wurde. Dieser Laubholzvorbau ist heute ca. 5 Meter hoch und soll das
bestehende Fichten-Altholz in Zukunft ersetzen.
Gegenüber war ein bereits zum Laubholz
überführter Bestand zu sehen. Heute stehen hier nur noch wenige Kiefern (Pinus
sylvestris L.), die ihren Zieldurchmesser von 60-80 cm noch nicht erreicht
haben innig gemischt mit Buche im Alter von 60-100 Jahren.
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Weiterhin betrachteten wir ein
Douglasien-Kiefern-Baumholz, in welchem im Jahre 1989 502 Stämme geastet
wurden. Herr Ruge
merkte hier an, dass die Douglasie (Pseudotsuga menziesii (Mirb.)
Franco) in
diesem Bestand die Oberhand gewinnen würde, da sie der Kiefer (Pinus
sylvestris L.) im Wachstum überlegen ist. Die hohe Anzahl an geasteten
Bäumen ist durch Fördergelder für Wertastungen in früheren Jahren zu erklären.
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Im weiteren Verlauf des Nachmittags zeigte
Revierförster Meier ein weiteres Feld seines Schaffens: Besonders wertvolle
Habitatbäume werden im Revier dem natürlichen Verfall überlassen. So entstehen
wertvolle Habitate für Hohltauben, Bilche, Insekten und andere Tier- und
Pflanzenarten. Für den Waldbesucher bleiben so Bäume mit einer ganz besonderen
Ästhetik erhalten. Dicke, knorrige Stämme, riesige Äste mit Höhlen und Winkeln
entstehen so ganz natürlich.
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Das Highlight des Nachmittags war ein sehr
naturnaher Laubwald, in dem fast alle einheimischen Baumarten, wie
Traubeneiche (Quercus petraea L.), Buche (Fagus sylvatica L.),
Esche (Fraxinus excelsior L.), Hainbuche (Carpinus betulus L.)
und Flatter-Ulme (Ulmus laevis Pall.) vorkommen. Bedingt durch den
frischen, meso- bis eutrophen Standort (hoher Lehmanteil) ergibt sich dieses
vielfältige Waldbild.
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Nächster Exkursionspunkt war das Ilmenautal,
in welchem der Forst zwar nur Angrenzer, jedoch in Naturschutzaufgaben involviert
ist. Die Ilmenau, ein hier ca. 5-8 Meter breiter Fluss, verläuft hauptsächlich
durch Weide- und Grasland, teils waldnah. Das Management des Flusstales
gestaltet sich sehr schwierig, da Erholungssuchende zum Teil störend
auftreten.
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Seit ein bis zwei Jahren wird der so genannte
Trinkwasserwald von der Landwirtschaftskammer forciert. Hierbei spielt der
Aspekt, dass Laubholzbestände mehr Trinkwasser von besserer Qualität
liefern, eine wichtige Rolle. Bisher lief dieses Projekt nur im Privatwald
und begrenzt im Stadtwald an. Die CORENA, der örtlich ansässige
Wasserversorger, hat für die Stadtwaldfläche von 1,3 ha in Sachen
Trinkwassergewinnung die Verantwortung übernommen. Das Laubholz, hier Buche, welches den Wald nachhaltig verbessert, wurde unter
Bürgerbeteiligung gepflanzt. Es entstehen künftig keinerlei negative
Beschränkungen in der Bewirtschaftung.
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Gegen Ende der Wanderung durch den Tierpark
erläuterte Herr Meier einige betriebswirtschaftliche Kennzahlen: Heute
besteht das Altholz im Tierpark zu 70% aus Nadelholz und 30% Laubholz. Dieses
Verhältnis ist beim heutigen Jungbestand gerade ungekehrt.
Interessant ist auch, dass seit 30 Jahren keine
Kiefern mehr gepflanzt wurden. Bei näherer Betrachtung des potentiellen
künftigen Klimas und Holzmarktes, stellte sich uns die Frage, ob der Verzicht
auf Kiefer der richtige Weg ist.
Stadtführung Lüneburg
Am
Spätnachmittag gegen 16 Uhr führte uns Herr Wilhelm Lohmar durch die Hansestadt Lüneburg.
Mit 72.000 Einwohnern ist die ehemalige Salzstadt heute ein bedeutendes
Oberzentrum.
Wichtigster Wirtschaftszweig ist heute die
Lebensmittelindustrie. Milchprodukte aller Art, Fisch und Cerealien treten hier
ihren langen Weg in die ganze Welt an.
Der Elbe-Seiten-Kanal bildet eine Schlagader
für die Wirtschaft Lüneburgs. Am Binnenhafen erstreckt sich heute ein großes
Industriegebiet. Auch die Wissenschaft kommt hier nicht zu kurz. An der
Universität Lüneburg studieren etwa 10.000 junge Menschen in den Bereichen
Wirtschaftswissenschaften, Umwelttechnologie und Lehramt.
Des Weiteren erläuterte der Stadtführer
geschichtliche Aspekte der Stadt. Schon 795 wurde Lüneburg erstmals urkundlich
erwähnt. 952 wurden ein Kloster, eine Burg und auch schon die Salzproduktion in
den Geschichtsbüchern erwähnt. Das Siedesalz, auch weißes Gold genannt, führte
die Stadt zu Ruhm und Reichtum. Das 1230 erstmals erbaute Rathaus veränderte
seine Form, Gestalt und Größe mehrmals, bis es im Jahre 1380 seine endgültigen
Ausmaße erreichte.
Der Salzabbau war hier möglich, weil ein
Salzstock nur ca. 40 m unter der Oberfläche anstand. Die Nutzung des Salzes und
die damit entstandenen Hohlräume führten zu einer immensen Absenkung der
Altstadt, bis zu 2 cm/Jahr, und zu Erdfällen im Boden. Das Ergebnis ist heute noch
sichtbar: Die Altstadt liegt in einer Mulde, die Häuser stehen schief, die Wände
weisen Risse auf. Noch heute ist der Untergrund nicht zur Ruhe gekommen. Auch in
der Nikolaikirche sind die Auswirkungen am Gemäuer deutlich sichtbar. Das 30 m
hohe Hauptschiff drohte damals wie heute einzustürzen. Gegenmaßnahmen zur
Stabilisierung sind immer noch unerlässlich.
Ein weiterer erlebnisreicher Tag neigt sich dem
Ende entgegen. Bei individuellem Abendessen in Lüneburg und anschließendem
Kneipenbesuch war ausreichend Gelegenheit, die Eindrücke zu verarbeiten. Fazit:
Wunderschön.
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