Exkursionsbericht Mecklenburg – Vorpommern

Freitag, 31. Mai 2002

Granitz, Waldnaturschutzgebiet im Biosphärenreservat Südost – Rügen:

Die Granitz ist ehemaliges fürstliches Waldgebiet des Fürsten  zu Garnitz.
Heute gehört das Waldgebiet dem Landschaftspflegeverband Ostrügen e.V., der sich aus den unmittelbar anliegenden Gemeinden zusammensetzt. Die Granitz ist somit das zweitgrößte geschlossene Waldstück auf der Insel Rügen und hat ungefähr 1200 ha.
Zur Bewirtschaftung der Granitz besteht ein Bewirtschaftungsvertrag mit dem
Forstamt Rügen.
 

Stieleiche mit Wasserreißern
Stieleiche (Querqus robur) mit Wasserreißern

Auch hier wird unterschieden zwischen Zone 1 und Zone 2, dabei ist die Zone 1 Kernzone oder auch Totalschutzzone und aus der gesamten Bewirtschaftung ohne jeglichen Eingriff herausgenommen und die Zone 2 Entwicklungszone oder Pflegezone, die noch so lange naturnah und nachhaltig bewirtschaftet und gepflegt wird, bis die Bestände auch hier in die Zone 1 überführt werden können.
Dabei haben der Landschaftspflegeverband und das Bundesamt für Naturschutz am Anfang gefordert, alle Reinbestände mit nicht heimischen Baumarten wie Douglasie oder Japanische Lärche sofort zu entfernen. Das hätte zu so großen Kahlflächen geführt, dass man sich von dieser Forderung wieder schnell entfernte, sich aber einigte, nicht heimische Bestände als Zone 2 auszuweisen und diese Baumarten dann langsam zu entnehmen.
Allerdings findet man auch heute noch in der Zone 1 etliche nicht heimischen Baumarten, die als Mischbaumart toleriert werden. Ursprünglich muss man davon ausgehen, dass auf Rügen ungefähr vor 800 – 2000 Jahren die Rotbuche (Fagus sylvatica) die dominante Baumart war, was nicht zuletzt mit den flachen und ertragreichen Böden der Insel Rügen zusammenhängt.
Zu diesen vielen nichtheimischen Nadelholzbeständen und Mischbeständen kam es erst nach dem 2. Weltkrieg. Auch die Granitz ist gekennzeichnet durch Reparationszahlungen an Frankreich, Russland und England. Damals wurden die dicksten Buchen herausgeschlagen und die Kahlflächen mit schnellwachsenden und ertragreichen Nadelbäumen wie Fichte, Lärche und Douglasie aufgeforstet.
Eine weitere Forderung des Landschaftspflegeverbandes ist, dass die Bewirtschaftung der Granitz keine roten Zahlen schreiben soll, was soviel heißt, dass sich das Waldnaturschutzgebiet selbst tragen soll.
Ein wichtiges Schlagwort in der Kernzone eines Naturschutzgebietes ist der Prozessschutz. Als Beispiel dienen die Buchenaltholz – Bestände auf Rügen, die durchaus schützenswert sind (sei es aus ästhetischen Gründen oder aus Gründen einer besonderen Flora und Fauna, die sich eingestellt hat).
 

FA-Leiter Klötzer, FA Rügen
Herr Klötzer, Leiter des FA Rügen

Dieses Bestandesbild wird und hat sich aber auch schon verändert, durch Windwurf oder Absterben alter Bäume und Einstellen von Buchen – Naturverjüngung. Bei Diskussionen, wie dem Altholz nun zu helfen sei, darf dieser Prozessschutz nicht vergessen werden. In solchen Fällen muss der Natur in einem Naturschutzgebiet ihren freien Lauf gelassen werden, der Mensch kann und darf nur zusehen ( weiteres Beispiel: Käferholzbefall im Bayerischen Wald ).
Durch dieses Absterben von Altholz, was durchaus aus waldästhetischen Gründen und der Erholungsfunktion gewollt ist, müssen ausgeschilderte Wege und Strassen einer strengen Verkehrssicherungspflicht unterliegen. Bald jedes Jahr gehen Schadensersatzforderungen durch herabfallende Aste und umstürzende Bäume an das Forstamt Rügen. Dem entsprechend groß ist der Anteil am Haushalt für die Wahrnehmung der Pflicht zur Verkehrssicherung.
Ein weiterer wichtiger, schon oben genannter Punkt für die Granitz aber auch für das gesamte Forstamt Rügen ist die Waldästhetik. Abgeleitet wird sie aus den drei Funktionen, die der Wald bieten muss, nämlich Nutz-, Schutz-, und Erholungsfunktion, wobei letztere als Hauptmotiv gilt. Man sieht auf Rügen eine besonders hohe Zahl an alten, knorrigen und bizarr geformten Bäumen, die nur durch eine besondere Verbindung aller drei Funktionen des Waldes entstehen konnten und so dem Besucher ein besonderes und einzigartiges Waldbild zeigen.

 

(Christian Schröter)

 

Rundgang mit Forstamtsleiter Gerd Klötzer im Nationalpark Jasmund.

Zu Beginn des Rundganges besichtigten wir den ältesten Bestand auf Rügen, bei dem das Alter genau ermittelt wurde, die Naturwaldparzelle Schlossberg.

 

Feuersteinband
Feuersteinband in Oberkreideschichten an Ostseekliff, Rügen

 

Kreidekliff am Königsstuhl, Rügen

 

Kreidefelsen, Königsstuhl, Rügen
Kreidefelsen mit Rotbuchenwald beim Königsstuhl, Rügen

Hierbei handelt es sich um ein 4 ha großes und 250 Jahre altes Buchenaltholz, welches sich sei ca. 10 Jahren in der Zerfallsphase befindet. Die Alterspanne dieses Bestandes bewegt sich in einem Bereich von ca. 60 Jahren, was man erstaunlicherweise den Bäumen nicht ansieht.
Herr Klötzer erklärt das Phänomen anhand den unterschiedlichen genetischen Vorraussetzungen, die jeder Baum besitzt . So gehören die dicksten Bäume durchaus zu den Jüngeren, während eine Buche mit deutlich geringerer Masse durchaus zu den Ältesten gehören kann.
Seit 80 Jahren fand in diesem Bestand nachweislich keine forstliche Nutzung mehr statt.
Interessant hierbei ist, dass der Bestand nicht das typische Bild eines Naturwaldes aufweist das jeder im Kopf hat -sprich massige tiefbekronte Bäume- wenn er an einen Naturwald denkt. Hier finden wir auch schlanke lange astfreie Buchen, bedingt durch den gegenseitigen Konkurrenzdruck.
Der ganze Bestand liegt sehr reizvoll auf einer ehemaligen slawischen Fluchtburg, einem Relikt aus der Besiedelungsgeschichte von Rügen durch die Slawen.

 

Auf dem weiteren Rundgang trafen wir immer wieder auf kleine Moore und morastige Stellen, die im Nationalpark Jasmund z. T. prägend für das Landschaftsbild sind.
Herr Klötzer erzählte uns, das es hier früher üblich war die Moore soweit wie möglich trocken zu legen und in die Landnutzung mit einzubinden. Im Zuge der Renaturierung spielen Moore allerdings eine sehr wichtige Rolle.
Moore sind in der Lage große Mengen Wasser zu speichern und damit regulierend in den Wasserhaushalt eingreifen, besonders bei plötzlichen großen Mengen (Bsp. Schneeschmelze).
Weiterhin beheimaten Moore auf Grund ihrer Besonderen Nährstoffverhältnisse eine große Menge seltener Pflanzenarten.
Im Nationalpark Jasmund finden wir noch ca. 110 kleine und mittlere Moore. Ein Großteil davon befinden sich im Wald und somit nur gering melioriert.
Der Nationalpark har sich zum Ziel gemacht diese Moore zu erhalten und soweit noch nicht geschehen zu renaturieren.

 

Im Nationalpark trifft man immer wieder auf Relikte aus der frühen Besiedelungsgeschichte von Rügen. Besonders häufig finget man alte Großsteingräber errichtet mit riesigen bearbeiteten Steinblöcken. Diese Gräber entstanden ca. 2000 v. Chr. Über die Entstehung dieser Gräber weiß man wenig, sie dienten wahrscheinlich als Familiengräber. Wie genau die Menschen es damals geschafft haben diese Steinmassen zu bewegen wissen wir nicht, zur Bearbeitung der Steine kann man nur sagen, das sie mit Hilfe von Holzpflöcken und Wasser Gespalten wurden. Leider wurden viele Gräber zerstört, da die Steine für den Straßenbau verwendet wurden. Diese Pflasterstraßen findet man noch in großem Maße auf der Insel z. T. wurden sogar Waldwege gepflastert was landschaftlich sehr reizvoll ist.

 

Immer wieder trafen wir auf unserem Rundgang auf Bodeneinschläge, die auf kleinsten Flächen ganz verschiedene Bodentypen präsentierten. Aus standortskundlicher Sicht ist Rügen auf Grund seiner kleinflächigen Bodentypenvielfalt sehr interessant.

 

Auf unserem Rundgang hatten wir immer wieder Gelegenheit Dammwild von Nahem zu beobachten. Was den Besucher freut stellt für den Nationalpark ein nicht ganz unwichtiges Problem dar. Gerade das Dammwild ist nur durch intensivster Bejagung unter Kontrolle zu bringen, da sonst die Schälschäden überhand nehmen würden. Der Mensch muss hier als Ersatz für die Ausgerotteten Raubtiere regulierend eingreifen. Trotz Verdopplung des Abschusses breitet sich vor Allem das Dammwild immer noch aus und gefährdet die Bestände (Stellungnahme des Ökologischen Jagdvereins Mecklenburg-Vorpommern  zur Jagd in Nationalparks hier).

 

Am Ende unseres Rundganges durften wir den Nationalpark von seiner schönsten Seite erleben. Trotz einiger Regenschauer beeindruckte der Spaziergang entlang der Kreidefelsen zum Königsstuhl. Die Buchenwälder reichen hier bis an die Hangabbruchkante der Kreidefelsen, unterbrochen durch schmale tiefe Einschnitte in der Kreide, entstanden durch Bäche die sich oft in kleinen Wasserfällen zum Meer ergießen. Das Zusammenspiel zwischen Meer, weißer Kreide und Wald ist noch schöner wie man es von den Bildern Caspar David Friedrich kennt. Jener Maler hat sich allerdings nicht an die genauen Vorgaben der Natur gehalten, sondern hat viele eigene Ideen in die Gemälde mit einfließen lassen.
Jetzt gilt es diese herrliche Landschaft weiterhin zu schützen und sie durch einen sanften Tourismus weiterhin zu erhalten.

 

(Daniel Krauss, Thorsten Mundenast)