Die Granitz ist ehemaliges fürstliches Waldgebiet des
Fürsten zu Garnitz.
Heute gehört das Waldgebiet dem Landschaftspflegeverband Ostrügen e.V., der sich
aus den unmittelbar anliegenden Gemeinden zusammensetzt. Die Granitz ist somit
das zweitgrößte geschlossene Waldstück auf der Insel Rügen und hat ungefähr 1200
ha.
Zur Bewirtschaftung der Granitz besteht ein Bewirtschaftungsvertrag mit dem
Forstamt Rügen.
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| Stieleiche (Querqus robur) mit Wasserreißern |
Auch hier wird unterschieden zwischen Zone 1 und Zone 2, dabei ist die Zone 1
Kernzone oder auch Totalschutzzone und aus der gesamten Bewirtschaftung ohne
jeglichen Eingriff herausgenommen und die Zone 2 Entwicklungszone oder
Pflegezone, die noch so lange naturnah und nachhaltig bewirtschaftet und
gepflegt wird, bis die Bestände auch hier in die Zone 1 überführt werden können.
Dabei haben der Landschaftspflegeverband und das Bundesamt für Naturschutz am
Anfang gefordert, alle Reinbestände mit nicht heimischen Baumarten wie Douglasie
oder Japanische Lärche sofort zu entfernen. Das hätte zu so großen Kahlflächen
geführt, dass man sich von dieser Forderung wieder schnell entfernte, sich aber
einigte, nicht heimische Bestände als Zone 2 auszuweisen und diese Baumarten
dann langsam zu entnehmen.
Allerdings findet man auch heute noch in der Zone 1 etliche nicht heimischen
Baumarten, die als Mischbaumart toleriert werden. Ursprünglich muss man davon
ausgehen, dass auf Rügen ungefähr vor 800 – 2000 Jahren die Rotbuche (Fagus
sylvatica) die dominante Baumart war, was nicht zuletzt mit den flachen und
ertragreichen Böden der Insel Rügen zusammenhängt.
Zu diesen vielen nichtheimischen Nadelholzbeständen und Mischbeständen kam es
erst nach dem 2. Weltkrieg. Auch die Granitz ist gekennzeichnet durch
Reparationszahlungen an Frankreich, Russland und England. Damals wurden die
dicksten Buchen herausgeschlagen und die Kahlflächen mit schnellwachsenden und
ertragreichen Nadelbäumen wie Fichte, Lärche und Douglasie aufgeforstet.
Eine weitere Forderung des Landschaftspflegeverbandes ist, dass die
Bewirtschaftung der Granitz keine roten Zahlen schreiben soll, was soviel heißt,
dass sich das Waldnaturschutzgebiet selbst tragen soll.
Ein wichtiges Schlagwort in der Kernzone eines Naturschutzgebietes ist der
Prozessschutz. Als Beispiel dienen die Buchenaltholz – Bestände auf Rügen, die
durchaus schützenswert sind (sei es aus ästhetischen Gründen oder aus Gründen
einer besonderen Flora und Fauna, die sich eingestellt hat).
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| Herr Klötzer, Leiter des FA Rügen |
Dieses Bestandesbild wird und hat sich aber auch schon verändert, durch Windwurf
oder Absterben alter Bäume und Einstellen von Buchen – Naturverjüngung. Bei
Diskussionen, wie dem Altholz nun zu helfen sei, darf dieser Prozessschutz nicht
vergessen werden. In solchen Fällen muss der Natur in einem Naturschutzgebiet
ihren freien Lauf gelassen werden, der Mensch kann und darf nur zusehen (
weiteres Beispiel: Käferholzbefall im Bayerischen Wald ).
Durch dieses Absterben von Altholz, was durchaus aus waldästhetischen Gründen
und der Erholungsfunktion gewollt ist, müssen ausgeschilderte Wege und Strassen
einer strengen Verkehrssicherungspflicht unterliegen. Bald jedes Jahr gehen
Schadensersatzforderungen durch herabfallende Aste und umstürzende Bäume an das
Forstamt Rügen. Dem entsprechend groß ist der Anteil am Haushalt für die
Wahrnehmung der Pflicht zur Verkehrssicherung.
Ein weiterer wichtiger, schon oben genannter Punkt für die Granitz aber auch für
das gesamte Forstamt Rügen ist die Waldästhetik. Abgeleitet wird sie aus den
drei Funktionen, die der Wald bieten muss, nämlich Nutz-, Schutz-, und
Erholungsfunktion, wobei letztere als Hauptmotiv gilt. Man sieht auf Rügen eine
besonders hohe Zahl an alten, knorrigen und bizarr geformten Bäumen, die nur
durch eine besondere Verbindung aller drei Funktionen des Waldes entstehen
konnten und so dem Besucher ein besonderes und einzigartiges Waldbild zeigen.
(Christian Schröter)
Zu Beginn des Rundganges besichtigten wir den ältesten Bestand auf Rügen, bei dem das Alter genau ermittelt wurde, die Naturwaldparzelle Schlossberg.
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Feuersteinband in Oberkreideschichten an Ostseekliff, Rügen
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| Kreidekliff
am Königsstuhl, Rügen
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| Kreidefelsen mit Rotbuchenwald beim Königsstuhl, Rügen |
Hierbei handelt es sich um ein 4 ha großes und 250 Jahre
altes Buchenaltholz, welches sich sei ca. 10 Jahren in der Zerfallsphase
befindet. Die Alterspanne dieses Bestandes bewegt sich in einem Bereich von ca.
60 Jahren, was man erstaunlicherweise den Bäumen nicht ansieht.
Herr Klötzer erklärt das Phänomen anhand den unterschiedlichen genetischen
Vorraussetzungen, die jeder Baum besitzt . So gehören die dicksten Bäume
durchaus zu den Jüngeren, während eine Buche mit deutlich geringerer Masse
durchaus zu den Ältesten gehören kann.
Seit 80 Jahren fand in diesem Bestand nachweislich keine forstliche Nutzung mehr
statt.
Interessant hierbei ist, dass der Bestand nicht das typische Bild eines
Naturwaldes aufweist das jeder im Kopf hat -sprich massige tiefbekronte Bäume-
wenn er an einen Naturwald denkt. Hier finden wir auch schlanke lange astfreie
Buchen, bedingt durch den gegenseitigen Konkurrenzdruck.
Der ganze Bestand liegt sehr reizvoll auf einer ehemaligen slawischen
Fluchtburg, einem Relikt aus der Besiedelungsgeschichte von Rügen durch die
Slawen.
Auf dem weiteren Rundgang trafen wir immer wieder auf
kleine Moore und morastige Stellen, die im Nationalpark Jasmund z. T. prägend
für das Landschaftsbild sind.
Herr Klötzer erzählte uns, das es hier früher üblich war die Moore soweit wie
möglich trocken zu legen und in die Landnutzung mit einzubinden. Im Zuge der
Renaturierung spielen Moore allerdings eine sehr wichtige Rolle.
Moore sind in der Lage große Mengen Wasser zu speichern und damit regulierend in
den Wasserhaushalt eingreifen, besonders bei plötzlichen großen Mengen (Bsp.
Schneeschmelze).
Weiterhin beheimaten Moore auf Grund ihrer Besonderen Nährstoffverhältnisse eine
große Menge seltener Pflanzenarten.
Im Nationalpark Jasmund finden wir noch ca. 110 kleine und mittlere Moore. Ein
Großteil davon befinden sich im Wald und somit nur gering melioriert.
Der Nationalpark har sich zum Ziel gemacht diese Moore zu erhalten und soweit
noch nicht geschehen zu renaturieren.
Im Nationalpark trifft man immer wieder auf Relikte aus der frühen Besiedelungsgeschichte von Rügen. Besonders häufig finget man alte Großsteingräber errichtet mit riesigen bearbeiteten Steinblöcken. Diese Gräber entstanden ca. 2000 v. Chr. Über die Entstehung dieser Gräber weiß man wenig, sie dienten wahrscheinlich als Familiengräber. Wie genau die Menschen es damals geschafft haben diese Steinmassen zu bewegen wissen wir nicht, zur Bearbeitung der Steine kann man nur sagen, das sie mit Hilfe von Holzpflöcken und Wasser Gespalten wurden. Leider wurden viele Gräber zerstört, da die Steine für den Straßenbau verwendet wurden. Diese Pflasterstraßen findet man noch in großem Maße auf der Insel z. T. wurden sogar Waldwege gepflastert was landschaftlich sehr reizvoll ist.
Immer wieder trafen wir auf unserem Rundgang auf Bodeneinschläge, die auf kleinsten Flächen ganz verschiedene Bodentypen präsentierten. Aus standortskundlicher Sicht ist Rügen auf Grund seiner kleinflächigen Bodentypenvielfalt sehr interessant.
Auf unserem Rundgang hatten wir immer wieder Gelegenheit Dammwild von Nahem zu beobachten. Was den Besucher freut stellt für den Nationalpark ein nicht ganz unwichtiges Problem dar. Gerade das Dammwild ist nur durch intensivster Bejagung unter Kontrolle zu bringen, da sonst die Schälschäden überhand nehmen würden. Der Mensch muss hier als Ersatz für die Ausgerotteten Raubtiere regulierend eingreifen. Trotz Verdopplung des Abschusses breitet sich vor Allem das Dammwild immer noch aus und gefährdet die Bestände (Stellungnahme des Ökologischen Jagdvereins Mecklenburg-Vorpommern zur Jagd in Nationalparks hier).
Am Ende unseres Rundganges durften wir den Nationalpark von
seiner schönsten Seite erleben. Trotz einiger Regenschauer beeindruckte der
Spaziergang entlang der Kreidefelsen zum Königsstuhl. Die Buchenwälder reichen
hier bis an die Hangabbruchkante der Kreidefelsen, unterbrochen durch schmale
tiefe Einschnitte in der Kreide, entstanden durch Bäche die sich oft in kleinen
Wasserfällen zum Meer ergießen. Das Zusammenspiel zwischen Meer, weißer Kreide
und Wald ist noch schöner wie man es von den Bildern Caspar David Friedrich
kennt. Jener Maler hat sich allerdings nicht an die genauen Vorgaben der Natur
gehalten, sondern hat viele eigene Ideen in die Gemälde mit einfließen lassen.
Jetzt gilt es diese herrliche Landschaft weiterhin zu schützen und sie durch
einen sanften Tourismus weiterhin zu erhalten.
(Daniel Krauss, Thorsten Mundenast)