An diesem denkwürdigen Tag begann unsere Tour um 9.30 Uhr mit einer Einführung in Boek, einem Tor zum Müritz-Nationalpark, der 1990 gegründet wurde. Er ist der größte Binnennationalpark Deutschlands mit einer Größe von 31.875 ha. Die Müritz ist ein 170 km² großer See von Trinkwasserqualität. Ingesamt befinden sich im Nationalpark 107 Seen, die größer als 1 ha sind. Zur Wasserfläche zählen neben den Seen auch die beiden Fließgewässer Havel und Peene.
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Fahrradtour durch den Müritz Nationalpark |
Eingeteilt ist der Nationalpark in folgende Zonen:
An der Fahrradverleihstation, wo jeder mit einem mehr oder weniger funktionsfähigen Drahtesel ausgestattet
wurde, trafen wir Frau Weinert, eine von 150 MitarbeiterInnen des Nationalparkamtes, die unsere Exkursionsleiterin für den Tag war. Sanfter Ökotourismus ist erwünscht, hierzu laden 400 km Rad- und Wanderwege, Wildgehege und Bootsverleihstellen ein.
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Blick vom Ostufer auf die Müritz |
Unser erster Stopp war ein Aussichtspunkt, „Doppelkieferngraben“ genannt. Hier erhaschten wir einen flüchtigen Blick auf einen Fischadler, der weite Kreise am Horizont zog. Dieser ernährt sich ausschließlich von Fischen und brütet im Nationalpark mit Vorliebe auf Elektrizitätsmasten, da einzeln stehende Bäume (Solitäre) sehr rar sind. Vorkommende Fischarten in den Seen sind Karpfen, Zander, Hecht, Forelle und Barsch u.v.m. Bemerkenswert ist, dass der Fischadler im Winter bis ins südliche Afrika zieht.
Neben dem Fischadler kann man auch den Seeadler beobachten, welcher mit einer Flügelspannweite von 2,40 m deutlich größer ist. Dieser ernährt sich nicht nur von Fischen, sondern auch von Aas und kleineren Säugetieren. Sein weißer Stoss ist das unverwechselbare Erkennungsmerkmal.
Unser Weg führte an einem, aus waldbaulicher Sicht sehr interessanten, Birkenbruch vorbei. Unser Blick vom nächsten angeradelten Aussichtsturm aus fiel auf die Binnenmüritz, ein See inmitten eines Versumpfungsmoores, das durch die Wasserspiegelabsenkung der Müritz vor 200 Jahren entstand. Grund für die Absenkung war einerseits das Bestreben Flächen für die Landwirtschaft zu gewinnen, Wassermühlen in den Ortschaften Boeck und Speck zu betreiben und andererseits die Wasserstraße Elde-Havel nutzbar zu machen.
Die Binnenmüritz ist durch den Flötergraben mit dem Specker See und der Müritz verbunden. Um die Binnenmüritz erstreckt sich eine der größten Flächen des Schneidrieds (Cladium mariscus) in Norddeutschland. Die Blätter dieser Pflanze haben feingezähnte Ränder und sind messerscharf.
Neben dem Turm verläuft der 1934 errichtete Herrmannsgraben, der bis 1989 zur Entwässerung der Niederungen am Ostufer der Müritz diente. Der Abraum dieses Grabens wurde zu dem Damm aufgeschüttet, auf welchem dieser Turm steht. Auch der Rad- und Wanderweg führt auf ihm entlang. Der befestigte Weg war Zufahrt zum nördlich gelegenen Specker Horst, wo sich, inmitten des Staatsjagdgebietes „Müritz“, das Jagdhaus des ehemaligen DDR Ministerpräsidenten Willi Stoph befand.
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Moor am Rande der Binnenmüritz |
Die zuvor erwähnte Wasserspiegelabsenkung teilte die ehemals große Wasserfläche in mehrere kleine Seen. Einige Radelminuten später konnten wir den Specker See, den Hofsee und den Priesterbäcker See entdecken. Diese Trockenlegung führte zum Absterben der Moorpflanzen und begünstigte den natürlichen Anflug der trockenertragenden Sand-Birke (Betula pendula).
Nachdem der künstliche Abfluss des Herrmannsgrabens 1989 verschlossen wurde, stieg der Wasserspiegel durch das Niederschlagswasser wieder an; ein Prozess, welcher der Moorzerstörung ein Ende bereitete. Dadurch ist es der dort angesiedelten Birke nun zu nass und sie stirbt großflächig ab (siehe Foto). Das langsam entstehende Niedermoor begünstigt eine Verbreitung der typischen Moorvegetation, wie das im Sommer gelbblühende Moor-Greiskraut (Senecio conguestus) und entsprechender Fauna, etwa den Wasser- und Wattvögeln.
Eine echte Rarität ist der Kranich, der hier mit 60 Brutpaaren vertreten ist. Während des Vogelzuges im Herbst ist das Gebiet für Besucher gesperrt, wenn tausende Kraniche es als Rast- und Ruheplatz auf ihrer Reise in den Süden benutzen. Sie schlafen im Wasser stehend in sicherer Entfernung zum Ufer. Uns war es vergönnt, zwei Exemplare über das Moor fliegen zu sehen.
(Achim Schlosser, Christoph Straub, Katja Thoma)
Unsere Mittagspause verbrachten wir auf dem Müritzhof. Dieser wird von 12 Behinderten bewirtschaftet. Außerdem ist in ihm ein kleines Museum untergebracht, das über den Ostteil des Nationalparks informiert.
Die folgende Übersicht soll die Vielfalt an Biotopen und Arten aufzeigen:
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Biotopvielfalt und Pflanzenarten |
Vielfalt der vorkommenden Tierarten (Bsp.) |
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Waldbiotope |
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Bruch- und Mischwälder (Rotbuche, Hainbuche, Eichen, Kiefer, Esche, Birke, Wacholder) |
Waldspitzmaus, Waldeidechse, Hohltaube, Kleinspecht, Dachs, Wespenspinne, Eulenfalter |
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Am östlichen Müritzufer befinden sich die größte zusammenhängende Wacholderheide Mecklenburg-Vorpommerns. |
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Grünlandflächen |
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Pfeifengras- und Kleinseggenrasen, Kammgras-, Wiesenschwingel- Feuchtweiden (Wolliges Honiggras, Zittergras, Baltischer Enzian, Kleines Knabenkraut) |
Kreuzkröte, Erdkröte, Kreuzotter, Feldhase, Großes Mausohr, Rohrweihe, Rotmilan, Braunkehlchen |
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Moore |
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Riede, Schneide- Schilf- Röhrichte, Naturbelassene Niedermoore (Sumpf-Enzian, Fettkraut) |
Moorfrosch, Kranich, Große Rohrdommel |
Ein weiteres Thema war die Landschaftsentwicklung am Ostufer der Müritz, wo wir folgende wichtigen Punkte darstellen möchten:
Zu dieser Zeit lebten nomadisierende Sammler, Jäger und Fischer in diesem Gebiet. Sie gründeten später die ersten Siedlungen. Der Wasserspiegel der Müritz lag vermutlich noch unter dem heutigen Niveau.
Die Rot-Buche stellte die dominierende Baumart dar ( Eichenreiche Buchenwälder, Wald-Kiefer nur auf Sonderstandorten). Die Slawen besiedelten das inzwischen wieder verlassene und verwaldete Müritzgebiet.
Es fanden durch die Kolonisation von deutschen Siedlern Waldrodungen im großen Umfang statt. Die Seen wurden für Mühlen, Seefahrt, usw. angestaut. Damit stieg der Wasserspiegel der Müritz um ca. 2 m an.
Es erfolgten weitere drastische Uferveränderungen durch künstliche Überstauung. Die weiteren Absenkungen der Müritz ab dem 19 Jh. wurden bereits beschrieben. Ein weiterer wichtiger Faktor für die Landschaftsentwicklung stellte die Viehweide dar. Der Verbiss durch die Weidetiere verzögerte die Waldentwicklung. Nach und nach entstanden typische Hutelandschaften mit ausgedehnten Wiesenlandschaften und einzelnen Baumgruppen und Büschen (Weißdorn, Wacholder,…). Um die Landschaft auch nach Rückgang der Viehhaltung als Biotop für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten zu erhalten, wurden unter anderen Fjällrinder eingesetzt. Es sind widerstandsfähige, kleinwüchsige, hornlose Tiere mit weisem Fell, die auch mit feuchten und sogar nassen Standorten zurechtkommen.
Nach dem Besuch des Museums und einer kleinen Stärkung fuhren wir dann weiter nach Federow, wo wir im Infocenter eine Lifevideoübertragung eines Fischadlerhorstes ansehen konnten. Eine Besonderheit bei Fischadlern ist die strikte Arbeitsteilung. Das Männchen ist für den Fang der Fische verantwortlich, während das Weibchen die Fütterung der Jungvögel übernimmt. Stirbt einer der Altvögel, ist die Nahrungskette für die Jungen unterbrochen, so dass diese sterben müssen. Kein Partner übernimmt die Rolle des anderen. Im Herbst fliegt als erstes das Weibchen, anschließend das Männchen und als letztes erst die Jungen nach Afrika.
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| Blick vom Käflingsberg-Turm über den Müritz-Nationalpark |
Die letzte Station auf unserer Radtour war der Käflingsberg-Turm. Dieser befindet sich auf der mit 100,2 m höchsten Erhebung der Umgebung. Von der auf 31 m Höhe gelegenen Aussichtskanzel hatte man einen tollen Rundblick auf die Gegend. Unter anderem sahen wir einen ehemaligen Truppenübungsplatz, der sich von einer Sandwüste nach und nach in einen Wald entwickelt. Im Sommer wird der Turm zur Waldbrandüberwachung benützt.
Angemerkt werden müssen unbedingt noch zwei Dinge:
Zum einen unsere zahlreichen kleineren Pausen, die durch das „Vortäuschen“ von Fahrradpannen entstanden und uns Gelegenheit zum Verschnaufen und unseren Professoren zur Wissensvermittlung gaben. Zum anderen das Wiederauffinden unserer „Vorhut“, die zu dritt beschlossen, eine kleine Abkürzung zur nächsten Station zu machen.
(Marion Ottmüller und Göran Spangenberg)