Exkursion nach Mecklenburg-Vorpommern

Donnerstag, 30. Mai 2002

Vormittag

Ahrenshooper Holz, Darß
Gem. Stechpalme unter Rotbuche im NSG Ahrenshooper Holz

Unser Exkursionstag begann im Naturschutzgebiet Ahrenshooper Holz auf der Halbinsel Darß. Das NSG ist 54,34 ha groß. Die Besonderheit dieses Gebietes besteht aus den autochtonen Stechpalmenbeständen (Ilex aquifolium L.). Die Gemeine Stechpalme oder Hülse befindet sich hier am östlichen Rand ihres Verbreitungsgebietes. Ilex benötigt atlantisches Klima. Östlich der Oder sind die atlantischen Einflüsse so gering, dass sie dort kaum noch vorzufinden ist. Wegen politischer Gründe in verschiedenen Epochen, wie zum Beispiel nach dem Ersten

Weltkrieg (vor allem Reparationsleistungen) verschwanden die hier ehemals vorherrschenden Buchenbestände und wurden durch die anspruchslose und schnellwüchsige Kiefer ersetzt.

Die Betreuung des Naturschutzgebietes liegt bei der gemeinnützigen GmbH „Darßer Arche“, die verschiedene Umweltbildungs- und Naturerlebnisprogramme anbietet (www.darsser-arche.de).

 

 

Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ist geprägt durch eine dynamische Küstenentwicklung, die sich durch Landablagerung und Landneubildung in kurzer Zeit und auf kleinem Gebiet auszeichnet. Er besteht aus unterschiedlichsten Landschaftsbestandteilen wie Steilufer, Flachküste, Landzungen und Strandseen, Bodden, Dünen, Wäldern, Mooren, Salzwiesen und Schilfgürtel. Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft wurde 1990 gegründet und besteht zu 85 % aus Wasser. Insgesamt beträgt er 805 km².

Ostsee auf  Darß
Ostseeküste auf Darß, westlich von Born
 
Prof. Dr. Klaus Aurada von der Uni Greifswald

Er besteht aus zwei Kernzonen. In der Kernzone 1 ist die Natur sich völlig selbst überlassen und in der Kernzone 2 versucht der Mensch, die Umwandlung zum ursprünglichen Landschaftsbild zu beschleunigen. Dies geschieht hauptsächlich durch Buchenpflanzung und Flächenzäunung, um Rotwildschäden zu vermeiden. Allerdings liegt das Augenmerk auf dem Erhalt der Küstendynamik, die typisch ist für diese Gegend. Diese zeichnet sich aus durch Landabtragung, in der Regel von West nach Ost. Jedoch bei unserem Exkursionspunkt Ahrenshoop von Süd nach Nord. Das abgetragene Material lagert sich hauptsächlich am Darßer Ort an, der jährlich dadurch um 10 m wächst. Dieses Phänomen ist so prägnant, dass im Französischen „Darßer Ort“ als Synonym für Landneubildung steht. Im Übrigen handelt es sich um Europas größte Ausgleichsküste, die unverbaut ist.

In Prerow wurden uns Einblicke in die geologische Entstehung der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst gegeben. Nach der letzten Eiszeit (Weichseleiszeit) vor ungefähr 12.000 Jahren ragten wenige Inselkerne aus Geschiebemergel in das damalige Süßwassermeer. Aufgrund von Gletscherschmelze und der damit einhergehenden Landhebung lief das Süßwassermeer etwa 6000 v. Chr. über, sodass der heutige Ostseebereich mit den Weltmeeren verbunden wurde. Es entstand eine Küstendynamik, die die Landschaft stark veränderte. Dass der Meeresspiegel früher tiefer lag, beweisen alte Siedlungsreste, die man unter Wasser gefunden hat. Wie vorher schon beim Darßer Ort erklärt, entstanden Landantragungen, die die Inselkerne miteinander verbanden. Diese Landantragungen, die aus Abtragungssand bestehen, nennt man Nehrungen. Durch diesen Prozess entstand somit die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, die in den letzten 300 Jahren 2,5 km vom Darßer Ort in Richtung Norden zugenommen hat. Ohne menschliches Einwirken würden Rügen, Hiddensee und Zingst innerhalb von 10-15 Jahren zusammenwachsen. Um ihren Inselstatus aber zu erhalten, wird die Schifffahrtsrinne zwischen Hiddensee und Rügen mit großem Aufwand freigehalten.

 

Der fortführende Prozess der Landantragung führt zur Dünenbildung. Man unterscheidet zwischen Primärdünen (Weißdünen), Sekundärdünen (Grau- und Gelbdünen) und Tertiärdünen (Braundünen). Die Farbveränderung entsteht durch die zunehmende Bodenentwicklung mit der einhergehenden Vegetationsbesiedlung. Als Pionierpflanze stellen sich Dünenquecken ein, die später vom Strandhafer abgelöst werden. Danach finden sich Krähenbeeren- und Calluna-Heiden ein. Das typische Waldbild der Braundünen wird von der Waldkiefer gebildet, da selbst die Sandbirke auf diesem Substrat suboptimale Bedingungen vorfindet.

 

Bis 1872 stellte der Prerow-Strom eine Verbindung zwischen dem Bodden und der offenen Ostsee her. Wegen der Gefährdung durch Sturmfluten wurde der Kanal zugeschüttet. Heute fordert die Tourismusbranche die Wiederöffnung des Kanals aus wirtschaftlichen Gründen. Dies ist jedoch aus Naturschutzgründen nicht zu verantworten.

 

(Falk Richter, Verena Gaiser, Claudia Kielwein, Achim Volkamer)

 

 

Nachmittag

Rügener Damm
 Rügen mit Rügendamm von Stralsund aus gesehen

Überfahrt Stralsund – Altefähr (Allgemeine Daten zu Rügen)

 

 

Anmerkungen während der Fahrt

Der Nonnensee wurde im Rahmen eines EXPO-Projektes von 1996 wiedervernässt. Das früher entwässerte Quellgebiet eines Baches wurde dadurch wieder ein für die Avifauna wichtiges Standgewässer.

 

Dabei handelt es sich um eine typische jungglaziale Landschaft, mit frischen Reliefs und Hohlformen. Diese Hohlformen entstanden durch liegen gebliebene Toteisblöcke.

 

Hohlformen aus der Glazialzeit sind hydrologisch nicht miteinender verbunden, sondern bilden kleine autarke Wasserhaushaltseinheiten, d.h. sie haben nur kleine Einzugsgebiete, eine eigenständige Binnenentwässerung und keinerlei Anschluss an ein größeres Gewässersystem.

 

Durch die Verbindungsstraße werden der Große und der Kleine Jasmunder Bodden bis auf eine kleine Schleuse voneinander getrennt. Der dadurch stark eingeschränkte Wasseraustausch führt zu einer Eutrophierung des Kleinen Jasmunder Bodden, da dieser keinerlei Anschluss/Verbindung zur offenen Ostsee besitzt.

 

Glowe – Kap Arkona – Nehrung Schaabe

Südlich von Jasmund schließt sich eine weitere Nehrung, die SCHMALE HEIDE, an. Sie verbindet Jasmund mit dem dritten Inselkern GRANITZ.

An der Ostküste Rügens verlaufen sie, entsprechend der Meeresströmung in Nord-Süd-Richtung.

 

Buchen-Küstenwald unterhalb des Königstuhls auf Rügen

Große Stubbenkammer – Königsstuhl (122 m über NN)

Bei der Kreide handelt es sich um ein mesozoisches Gestein. Zur damaligen Zeit erstreckte sich von Nordfrankreich bis in das heutige Ostseegebiet ein Schelfmeer. In diesem kam es zu Ablagerungen von Foraminiferen, deren Kalkschalen heute ca. 95 % der heutigen Kreideschicht auf Rügen ausmachen. Bekannte Fossilien aus dieser Zeit sind z. B. Donnerkeile und Seeigel.

Die Kreidefelsen werden von Feuersteinbändern durchzogen. Feuersteine entstanden durch Ansammlung/ Anlagerung von Kieselsäure um absterbende Organismen. Die Kieselsäure stammt aus organischen Resten abgestorbener Kieselalgen.

Das homogene Kreidepaket wurde durch Hebungen während des Pleistozäns und den Druck eines von Norden kommenden Gletschers zerbrochen und teilweise schräg gestellt. Die Schrägstellung ist besonders gut anhand der Feuersteinbänder zu erkennen. Während der Eiszeiten gelangten Geschiebemergel auf und zwischen die Kreideschichten.

Die Geschiebe sind nordischen Ursprungs z.B. Granit mit rötlichem Orthoklas, Quarz und Glimmer; weitere Plutonite, Vulkanite wie der Ostseeporphyr (präkambrisch entstanden), Sedimentgesteine aus gelblichem Hämatit und rötlichem Sandstein.

 

Der Untergrund besteht aus Kreide (Kalkstein, Kalkgehalt über 90 %). Es besteht jedoch eine kleinräumige Differenziertheit, die sich beispielsweise durch unterschiedliche Humusdecken (Rohhumus, Moder, Mull) auszeichnet. Darauf entstandenen unterschiedlichen Pflanzengesellschaften.

 

Hierbei handelt es sich nicht um eine Karstquelle, sondern um eine glazial geprägte Quelle. Diese ständig schüttende Quelle wird unterhalb des Felsens gefasst, hochgepumpt und dient dadurch der Trinkwasserversorgung des oben anliegenden Ortes. Für die Quelle charakteristisch ist die Eisensulfit- Verwitterung, d. h. Eisen wird freigesetzt und oxidiert an der Oberfläche. Dies wird in Form von „rostiger Farbe“ an den Steinen sichtbar.

Feuersteinfelder bei Mukran, Rügen
Feuersteinfelder mit Vogelbeere bei Mukran, Rügen

Feuersteinfelder bei Neu Mukran

Hierbei handelt es sich um fossile Strandwälle aus einer Meereshöchststandzeit vor ca. 3.500 Jahren. Das Material stammt vermutlich aus einer durch Gletscher aufgearbeiteten Kreidescholle aus dem Ostseebecken.

Der dortige Küsten-Kiefern-Wald ist z.T. natürlich aber auch teilweise durch Aufforstungen um 1835 herum entstanden. Jetziges Ziel ist es, die vorhandenen offenen Flächen im Bereich der Feuersteinfelder zu erhalten (durch Wildgatterung) und dadurch die speziell angepasste Trockenflora zu fördern.

Bodenentwicklung im eigentlichen Sinn findet hier nicht statt, es kann lediglich von einem Rohhumusboden gesprochen werden.

 

 

 

PRORA

1935 begann Hitler, ein Erholungsheim für Arbeiter („Kraft durch Freude“) an der Ostküste von Rügen bei Binz errichten zu lassen. Auf einem Areal von 3,5 km² Grundfläche sollte ein Gebäudekomplex mit über 4,5 km Länge und einer Wohnfläche von 211.000 m² entstehen. Im Zwei- Wochen- Takt sollten darin 20.000 Personen ihre Ferien verbringen.

Davon wurden vor Kriegsbeginn 3 km Gebäudelänge fertig gestellt.

 

Für den Entwurf dieses „Monumentes“ erhielt der Architekt Clemens Klotz auf der Weltausstellung 1937 in Paris eine Auszeichnung.

 

Nach Kriegsende versuchte die russische Besatzung, Teile des Gebäudes zu sprengen, was jedoch misslang.

Später wurden die verbleibenden Gebäude militärisch genutzt.

 

(Katja Deckert, Cordula Kieferle, Tanja Kuske)