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Eifel-Exkursion der Hochschule für Forstwirtschaft vom 29. Mai bis zum 03. Juni 2006
Freitag, 02.06.2006 Vormittag
Thermophile Laubmischwälder ,Gebüsche und Säume, Biotopverbund und Restitution kolliner Kalkmagerrasen
Protokollanten: Fischer, Carina Mentel, Dominik Stehmer, Haiko Beisswenger
Begleitung/Leitung Prof. Dr. Wolfgang Schumacher, Uni Bonn, Abt. Geobotanik/Naturschutz FD Michael Tietmeyer, Leiter des Stadtforstamtes Bad Münstereifel und Revierleiter FOI Stefan Seifert
Standort
Höhenlage 250 - 400 m ü. NN Klima: 650 mm Jahresniederschlag, 8 - 9° C Jahresdurchschnittstemperatur
Wir begannen unsere Exkursion an einem Steinbruch auf einem basenreichen Kalkgestein aus dem Mitteldevon (Alter 350 Millionen Jahre). Die Böden sind Rendzinen oder Rendzina-Braunerden, sowie Terrae Fuscae mit Lösseinlagerungen. Die typischen Kalkmulden entstanden, als im Mitteldevon an dieser Stelle ein Flachmeer war, aus dem sich gleichmäßig Kalksedimente ablagerten. Auf den Höhen (Sätteln) wurden diese im Anschluss an die variszische Faltung wieder abgetragen, in den Mulden dazwischen dagegen erhalten. Ein Beispiel ist die bekannte Blankenheimer und die Sötenicher Kalkmulde. Der Steinbruch ist 50 m tief und ein wichtiger Lebensraum für den hier vor 70 Jahren ausgewilderten Uhu. Auf den flachgründigen Rendzinen kommen Magerkeitszeiger wie die Berg-Segge (Carex montana L.), das Gewöhnliche Kreuzblümchen (Polygala vulgaris L.) und die seltene Vogelfuß-Segge (Carex ornithopoda Willd.) vor.
Die hier vorkommenden natürlichen Waldgesellschaften sind Orchideen-Buchen Wälder (Carici Fagetum) , Eichen-Elsbeeren Wälder (Lithosphermo Quercetum), Wald-Labkraut Eichen Hainbuchen Wälder (Galio Carpinetum) und bodensaure Traubeneichen-Wälder (Luzulo Quercetum). Von jeder dieser Waldgesellschaften wurden jeweils einige Hektar als Nullfläche (Prozessschutzzone) aus der Bewirtschaftung herausgenommen, was dem Waldpflegeplan der Gemeinde entspricht. Die anderen Flächen werden extensiv naturnah bewirtschaftet Die Kommune hat sich durch den Waldpflegeplan an diese Vereinbarung mit Arten- und Naturschutz gebunden. Man überlegt, ob man die Hänge, die früher anthropogene Niederwälder waren, aufgrund der steigenden Nachfrage nach Brennholz wieder reaktiviert.
An den Südhängen steht das größte Speierlingsvorkommen (Sorbus domestica L.) Deutschlands. Er gehört hier zu der Potenziellen Natürlichen Vehetation mit rd. 250 Stück auf 100 ha. Diese Baumart wurde entweder durch die Römer hierher gebracht oder ist ein Relikt aus der Eichen-Mischwaldzeit (ca. 5.400 - 2.500 v. Chr.). Der Speierling benötigt sehr viel Licht und muss deswegen freigestellt werden. Er ist ein Frost- und Dunkelkeimer. Oft werden seine Samen von Wild oder Vögeln gefressen, so dass eine erfolgreiche Vermehrung nur über externe Samenstratifizierung stattfinden kann. Der Regelfall ist Wurzelbrut, die aber nicht nennenswert zur Ausbreitung beitragen kann. Die Früchte werden in einem Torf-Sandgemisch in einer Kühltruhe stratifiziert, um die Keimhemmung zu überwinden. Die Setzlinge pflanzt man in einen vorgelichteten Bestand. Sie sind auf Einzelschutzmaßnahmen (Fegol gegen Mäuse und Drahthose gegen Verbiss) angewiesen.
An dem Hang, der FFH-Gebiet ist, gibt es infolge der Unterdevoneinschübe in die mitteldevonischen Kalke eine große Standortsvarianz. Aus diesem Grund und wegen der staufeuchten lehmig-schluffigen Böden kommt es zu keiner Rotbuchen-(Fagus sylvatica) Dominanz. Es werden in nächster Zeit keine forstlichen Eingriffe durchgeführt, um die natürliche Waldentwicklung nicht zu unterbinden. Neben dem Speierling kommt auch die Elsbeere (Sorbus torminalis Crantz.), Trauben-Eiche (Quercus petraea Liebl.), Stiel-Eiche (Quercus robur L.) und der Feld-Ahorn (Acer campestre L.) vor. Von der Elsbeere, die sich meist über Wurzelbrut verbreitet, gibt es ca. 3.000 Stück. Die Gemeinde besitzt 30 ha Kalkmagerrasen mit Orchideenvorkommen, welche teilweise jährlich gemäht bzw. durch einen Schäfer mit 750 Mutterschafen beweidet werden. Dadurch werden die Flächen freigehalten und die Nährstoffe durch die Beweidung und beispielsweise die Mahd und die Ausfuhr des Heues ausgetragen. Die Hauptorchideenarten sind das Purpurrote Knabenkraut (Dactylorhiza purpurella) und das Stattliche Knabenkraut (Orchis mascula L). Ebenso kommen auf den Flächen die Gewöhnliche Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris Mill.), die Grünliche Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha),
Färber-Ginster (Genista tinctoria L.) und die Feld-Mannsstreu (Eryngium campestre L.) vor. Eine Besonderheit weist die Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera L.) die ein spezielles System zur Bestäubung aufweist: Die Lippen der Blüten sehen wie Bienen aus und locken diese somit an . Ebenso kommt der Drüsige Klappertopf (Rinanthus rumelnicus Vel.) vor, welcher ein Halbschmarotzer ist und sich mit seinen Wurzeln auf andere Wurzeln setzt. Sie lockt mit ihrem Duft die männlichen Grabwespen an, die dann von Pflanze zu Pflanze fliegen und sie bestäuben. Oft entstehen durch Wildschweine Schäden an den Knollen der Orchideen.
Im Schutzgebiet befindet eine Mischung aus Roggen/Weizen (Triticalis) Äckern, die nicht gespritzt werden, Die Landwirte bekommen dafür eine Entschädigung. Im Mittelalter wurde durch den Ackerbau und die Offenhaltung der Landschaft der Gebräuchliche Erdrauch (Fumaria officinalis L.) eingeführt. Auf der gegenüberliegenden Seite entstand auf Ackerflächen und intensiv genutzten Wiesen ein Golfplatz. Dort wurde Anfang der 50er Jahre das erste deutsche Radioteleskop errichtet, das zur Hälfte der Forschung und zur Hälfte dem Militär diente. An der letzten Station des Vormittags zeigte man uns eine Wachholderheide (Juniperus communis L.) welche einmal im Jahr beweidet wird. Früher war diese Fläche mit Wald-Kiefern bestockt und wurde künstlich wieder geöffnet. Hier kommen unter anderem seltene Orchideenarten wie der Ohnsporn (Aceras anthropophorum L.), das Brand-Knabenkraut (Orchis ustulata L.) und der Wiesen-Aalbei (Salvia pratensis L.) vor. Das Brand-Knabenkraut hat hier sein größtes Vorkommen im nördlichsten Verbreitungsgebiet. Über 1.000 Stück wachsen auf einer Fläche, die früher durch Kühe beweidet wurde; diese Beweidung wurde jetzt eingestellt und somit ist das Vorkommen in Zukunft gesichert.
Zum Abschluss fuhren wir in das Natur- und Umweltzentrum der Stadt Bad Münstereifel, die von RL Stefan Seifert neben seiner Revierleitertätigkeit mit großem Engagement und Erfolg geführt wird. Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Umweltpädagogik. Nebenbei zieht er auch erfolgreich Speierlinge nach, von denen wir ein Exemplar als Erinnerung und für unser Arboretum als Geschenk bekamen.
Freitag, 02.06.2006 Nachmittag
Naturnaher Waldbau, Stadtforstamt Bad Münstereifel, FAL Michael Tietmeyer
Martin Steinbrenner, Patrick Kauschwitz, Zarah Hohl, Teresa Hansel
Die Führung übernahm FAL Michael Tietmeyer, der zunächst Angaben zum Personal und zum Stadtwald machte: 2,5 Reviere, 0,5 Naturschutzstelle, 3,5 Angestellte, kein Büroleiter. Der Stadtwald Bad Münstereifel umfasst rd. 4.000 ha, davon 3.200 ha Holzbodenfläche, der Rest besteht aus Heide und Magerrasen. 1.600 ha sind FFH-Gebiete. Die 4.000 ha sind nicht auf einer zusammenhängenden Fläche, sondern auf viele hundert Liegenschaften verteilt. Die Bestockung der Holzbodenfläche setzt sich aus je etzwa einem Drittel Eiche, Rotbuche und Fichte zusammen.
Zusätzliche Einrichtungen des Forstamtes sind 35 Wanderparkplätze, 11 Waldspielplätze, 300 km Wanderwege und 100 km Reitwege. Diese Einrichtungen werden außerhalb des Forsthaushaltes abgerechnet. Aus Kostengründen gibt es weder eine Betriebskarte, noch eine Forsteinrichtung oder Standortskartierung. Dies wurde im Gemeinderat beschlossen und wird trotz anderer gesetzlicher Regelungen durchgeführt und von den höheren Stellen nach Absprache geduldet. Die letzte Forsteinrichtung war vor 22 Jahren, der letzte Kontrollgang vor 14 Jahren. Seit 2 Jahren wird in dieser Richtung nichts mehr unternommen.
Geschichte zum Stadtwald Bad Münstereifel
Schenkung der Gebiete durch die Eltern Karls des Großen an das Kloster Prüm, mit der Auflage, eine Stiftskirche zu errichten. Starkes Stadtwachstum durch Einrichtung einer Pilgerstätte. Entstehung eines Marktfleckens. Ansiedlung verschiedener Dörfer. Im Rahmen einer Gebietsreform wurden die Einzeldörfer zu einer Großgemeinde zusammengeschlossen. Jedes Dorf brachte seinen Gemeindewald ein und so entstand der Stadtwald. Zusätzlich kamen 800 ha durch Flurbereinigungsmaßnahmen hinzu.
Durch die Stürme 1990 Vivian/Wiebke verlor das Forstamt den größten Teil seiner Nadelstammholzvorräte. Seit 1993 wird eine Strategie der Reduktion von Stammholzeinschlägen um 2/3 bei allen Baumarten verfolgt. Dies führt zu einer am Markt orientierten Zielstärkennutzung, vor allem Nadelholz 2b bis 3a. Betriebsziel: Gewinn erwirtschaften und trotzdem Laubholzanteil erhöhen. Dies bedeutet, mit minimalem Mitteleinsatz den maximalen Ertrag zu erwirtschaften.
Eingesetzte Mittel betragen jährlich 100.000 €. Vorausgesetzt wird ein Gewinn von mindestens 200.000 € pro Jahr. Da das Waldeigentum in der Hand der Kommune liegt, werden jegliche Entscheidungen und Budgethöhen im Gemeinderat, bzw. Forstausschuss diskutiert und beschlossen. Der Gemeinderat setzt sich aus allen Bevölkerungsgruppen und Fachrichtungen zusammen. Hierdurch wird die Entscheidungsfindung im waldbaulichen Bereich sehr erschwert.
Jagd
Die Rotwildpopulation beträgt 10 Stück/100 ha, beim direkt angrenzenden Nachbarn 15 Stück/100 ha. 100 % der Fläche sind verpachtet und auf 130 Pächter verteilt. Die Jagdpacht trägt bedeutend zum Erreichen des Betriebszieles bei. Der Pachtzins beträgt durchschnittlich 50 € je ha, allerdings werden auch Spitzenpreise bis 150 € erzielt. Als neues Projekt wurden 600 ha als Pirschbezirke ausgewiesen. Verträge haben eine Laufzeit von 1 Jahr. Ist die Abschusshöhe aus waldbaulichen Gesichtspunkten ausreichend, kann der Vertrag verlängert werden.
Naturverjüngung
Vor 10 Jahren, nach der Umstellung von Kahlschlag auf naturnahen Waldbau, erstes Aufkommen von Naturverjüngung. Früher wurden 250.000 DM für Kulturbegründungen eingesetzt, das ist rund die Hälfte des heute zu erwirtschaftenden Gewinnes. Heute werden jährlich nur noch 10.000 € in Kulturen, hauptsächlich Eiche, investiert.
Waldbild 1
Fläche: 0.6 ha Kahlfläche mit ursprünglich geplanter Eichennesterpflanzung (20 Pflanzen pro Nest). Die nicht in dem Umfang natürlich vorkommende Eiche wurde noch vor 100 Jahren zur Gerbsäuregewinnung im Mittelwald genutzt. Ursprünglich natürliche Baumarten sind Rotbuche und Hainbuche, daher ist auch reichlich Buchennaturverjüngung in den Eichenflächen vorhanden. Gefahren für die gepflanzte Eiche auf Freiflächen sind Brombeeren und Frost.
Pflanzverfahren: Es wurde eine Gruppenpflanzung durch AWO (Arbeiterwohlfahrt; Forstwirtschaftsmeister und 8 ungelernte Jugendliche) durchgeführt. Durch zu späte nachträgliche Zauninstallation als Ausbildungsmaßnahme, mussten vorher chemische Verbissschutzmittel eingesetzt werden. Boden: entstanden aus Grauwacke und Sandstein, basenarm. Die Grauwacken sind im Devonmeer sedimentiert worden. Es handelt sich um eine sandige Variante des Tonschiefers, mit einer deutlich versauerten Decklehmüberlagerung. Abhängig vom Untergrund ist der Boden gut durchwurzelbar.
Waldbild 2
Qualifikations- und Dimensionierungsphase der Eiche: Ausgewähltes Netz von Z-Bäumen mit einem Abstand von 13 m. Am Schluss sollen deutlich unter 100 Bäume/ha auf der Fläche stehen. Die Abstände zwischen den Z-Bäumen dürfen überrschritten werden, wenn keine qualitativ guten Bäume vorhanden sind. Es sollte keine Beeinflussung durch zu viele gute Bäume auf der Fläche erfolgen. Die Abstände sollten wann immer möglich eingehalten werden, da sich die Kronen sonst bald wieder berühren und sich nicht richtig ausbilden können. Weiterhin sollte auf eine regelmäßige Kronenfreistellung geachtet werden, z.B. durch Entnahme von Bedrängern, die in die Kronen einwachsen. Vor der Dimensionierungsphase wird kein Eingriff, z.B. Jungbestandspflege, vorgenommen. Der maximale Zeitaufwand pro Hektar und Jahr beträgt 10 Stunden. Ausnahmen hiervon sind Schneebruch, Protzenbeseitigung und Minderheitenschutz.
Waldbild 3
Buchen Fläche, 13 m Abstand: Auf dieser Fläche wurde die Auswirkung der konsequenten Z-Baum-Auswahl deutlich. Dies führt zwingend zu einer Ausformung vitaler Kronen. Es ist darauf zu achten, dass der Unterstand nicht in den grünen Kronenbereich einwächst. Dadurch kann eine Ausdunklung der Äste erfolgen, diese sterben dann ab und bilden Totäste. Diese sind u.a. Eintrittspforten für Pilze/Fäulnis und können Rotkern fördern. Durch die konsequente Förderung des Kronenraumes verkürzt sich der Produktionszeitraum von 150 auf ca. 90 Jahre. Somit wird ein Zuwachsgewinn von 30 bis 40% erreicht. Diese Strategie ist politisch schwer durchsetzbar, da der Vorwurf der Waldplünderung entsteht. So werden Fotos mit Beschwerden an die Stadtverwaltung geschickt.
Friedwald
Vor anderthalb Jahren entstand die Idee, im Stadtwald einen Friedwald anzulegen. Aufgrund der Pflegebelastung, anderer Wohnort (Ausland) der nachfolgenden Generation, wünschen sich viele Personen eine unkomplizierte Bestattung in einem Friedwald. Lizenzgeber ist die Schweizer Firma Friedwald. Der Vertrag läuft 99 Jahre. Betreiber des Friedwaldes ist die Gemeinde. Als Standort wurde ein alter Eichenbestand gewählt, mit nahem Aussichtspunkt auf die Kölner Bucht und einem Vulkankegel (Maar) im Bestand. Die Größe des Gebietes beträgt 45 ha. Die Bäume werden vom Forstamt aufgrund ihrer Vitalität ausgewählt. Falls Bäume unerwartet ausfallen sollten, werden diese durch Heisterpflanzungen ersetzt. Bäume die erkranken oder absterben werden allerdings immer noch wirtschaftlich genutzt, d.h. sie werden entnommen und dem verkauft. Im gesamten Gebiet besteht Verkehrssicherungspflicht, allerdings nicht nur auf den Waldwegen, sondern auch im Bestand, da dieser von Besuchern begangen werden kann. 25 Jahre vor Vertragsende sind Bestattungen einzustellen, da die gesetzliche Ruhezeit eingehalten werden muss. Dies gilt natürlich nicht, wenn der Vertrag verlängert wird. Pro Baum gibt es bis zu 10 Gräber. Die Bäume werden ausgewählt und kartiert. Der Kunde kann zwischen Familien-, Freundschafts- oder Gemeinschaftsbäumen wählen. Die Bäume werden mit verschiedenfarbigen Bändern markiert. Diese werden weggenommen sobald der Baum „verkauft“ ist. Die Beisetzung ist eine urnenlose Bestattung. Die Asche wird in ein Baumwollsäckchen umgefüllt und in ein mit Douglasiengrün dekoriertes Grab gelegt. Das Ganze wird von einer Baumscheibe bedeckt. Auf Wunsch kann der Baum mit einem Schildchen gekennzeichnet werden. |