Eifel-Exkursion der Hochschule für Forstwirtschaft

vom 29. Mai bis zum 03. Juni 2006

 

 

 

 

DOnnerstag, 01.06.2006, Vormittag

 

Protokollanten: Kristin Schmoock, Emilie Merkel, Gabriel Reichert, Regina Kurschat

 

 

Forstamt Elsenborn / Belgien

 

Das Forstamt Elsenborn gehört zum Wuchsgebiet der Ardennen. Der mittlere Jahresniederschlag liegt bei 1.400 mm und die mittlere Jahrestemperatur bei 6,5° C. Damit ist es das kälteste und feuchteste Gebiet der Ardennen. Die Vegetationszeit ist mit 140 Tagen im Jahr sehr kurz und in jedem Monat ist in Tallagen und Kahlschlägen mit Frost zu rechnen. Die Betriebsfläche von 9.224 ha setzt sich seit der Neugliederung im Jahre 1998 aus Staats- und Gemeindewald zusammen, einschließlich 272 ha staatliche Naturschutzgebiete und 1.935 ha Freiflächen im Militärgelände. Hauptbaumart ist die Fichte mit 82 % Flächenanteil. Laubhölzer spielen nur eine untergeordnete Rolle mit 15 %, hauptsächlich Rotbuche.

 

 

Das Forstamt liegt im Naturpark Hohes Venn-Eifel. Zahlreiche Flächen befinden sich in den Natura-2000-Listen.

 

 

Verwaltungsstruktur

 

 

 

Belgien ist in drei Sprachgebiete aufgeteilt: Im Norden das holländischsprachige Flandern, in der Mitte das bilinguale Brüssel und im Süden das französischsprachige Wallonien, zu dem verwaltungstechnisch auch das deutschsprachige Ostbelgien gehört, dem das Forstamt Elsenborn angehört. Die Forstämter sind zugleich untere Jagdbehörde (Abschusspläne, Genehmigungen, Polizeiaufsicht) und untere Naturschutzbehörde (Gründung neuer staatlicher Naturschutzgebiete, Bewirtschaftung, polizeiliche Aufgabe bezüglich Naturschutzgesetzgebung). Zum Personal des Forstamtes Elsenborn gehören ein Forstamtsleiter, René Dahmen, welcher uns kompetent und humorvoll führte, ein Büroleiter, eine (halbe) Büroangestellte, 12 Revierleiter und fünf Waldarbeiter.

 

 

Jagd

 

Überhöhte Rotwildbestände haben in den letzten 40 Jahren dazu geführt, dass auf großer Fläche die Verjüngung der Hauptbaumarten ausgeblieben ist. Viele Bestände sind geschält, über 2.000 ha Fichtenbestände sind zu 80 bis 100 %. Im Jahre 1987 wurden hohe Reduktionsabschüsse eingeleitet, welche ab 1994 eine Verbesserung der Situation herbeiführten. Dies war möglich durch hohe Mindestabschusspläne (7 Stück Rotwild pro 100 ha Wald in manchen Gebieten) und flankierende Maßnahmen wie körperlicher Nachweis, Geldstrafe bei Nichterfüllung des Mindestabschussplanes (bis zu 8.000 € pro nicht erlegtes Stück Wild) und letztendlich Polizeijagden in den verpachteten Staats- und Gemeindejagden. Seit 1996 verjüngen sich in vielen Revieren wieder die Hauptbaumarten. In vielen Bereichen kann eine Explosion der Begleitvegetation (Eberesche, Himbeere) beobachtet werden. Parallel zur Reduktion des Rotwildbestandes wurde der Rehwildabschuss verdreifacht. Außerdem gibt es grenzüberschreitende Vereinbarungen zur Reduktion des Wildes, um ein Abwandern in benachbarte Wälder zu vermeiden. Bemerkenswert ist, dass die Regiejagd den Revierleitern im eigenen Revier untersagt ist, um Korruption vorzubeugen.

 

 

Holzeinschlag und -verkauf

 

Der Holzeinschlag und der Holzverkauf werden flächenmäßig und zeitlich auf der Ebene der „Serie“ organisiert. Die Nadelholzserien werden in 6 Pflegeblöcke aufgeteilt, diese entsprechen der Anzahl an Jahren der Umlaufzeit. Die Serie wird in verschiedene Bewirtschaftungseinheiten (Compartiments) mit zeitlich unveränderten Grenzen eingeteilt. Jede Fläche des Distriktes wird wiederum, je nach Behandlung, einer Parzelle zugeschrieben. Dies entspricht der deutschen Aufteilung eines Distriktes in Abteilungen. Die Forsteinrichtung sieht in ihrem Holzeinschlagsplan für 20 Jahre zeitlich und flächenmäßig den Holzeinschlag vor. (Umlaufzeit: Nadelholz 6 (3) Jahre).

 

Im Oktober wird für das übernächste Wirtschaftsjahr der jährliche Hauungsplan ausgedruckt, gestaffelt nach Distrikten und Parzellen. Dieser Hauungsplan führt die Baumarten der Parzelle, das Alter, die zu durchforstende Fläche und ein Vorschlag der Entnahme auf. Die Revierförster begutachten diesen Hauungsplan, korrigieren evtl. die zu entnehmende Menge pro Parzelle und machen Angaben zum Wert des Holzes. Nach Überprüfung und Festlegung des Preises durch das Forstamt wird dieser Hauungsplan anschließend der Forstdirektion zur Billigung übermittelt. Im Frühjahr des darauf folgenden Jahres wird in jedem Forstrevier ausgezeichnet. Der Revierförster registriert pro Parzelle die für den Verkauf vorgesehenen und markierten Bäume mit königlichem Hammerzeichen nach Umfangkategorien. Diese Kluppzettel werden im Forstamt in den PC eingegeben, falls keine Aufnahmen mit der elektronischen Messkluppe erfolgten. Für jeden Kluppzettel werden Angaben (Qualität, Werbungsschwierigkeiten) zwecks Schätzung hinzugefügt. Anschließend erfolgt die Loseinteilung (Zusammenstellung verschiedener Kluppzettel nach Güte und/oder Lage) und das Drucken des Verkaufkataloges. Der Computer erstellt ein Hauptverzeichnis und vergleicht für jeden Bestand die ausgezeichnete Holzmenge mit der im Hiebsplan vorgeschlagenen Menge. Die Angaben der Holzlose sind im Internet abrufbar. Zusätzlich werden vom Forstamt Kataloge an die Stammkunden gesendet.

 

Das Holz wird öffentlich im Herbst und im Frühjahr auf dem Stock verkauft. Bis zum März des übernächsten Jahres muss das Holz vom Käufer selbst aufgearbeitet, gerückt und abgefahren sein. Zu unterscheiden ist:

  • Staatswald: Submission, der Verkaufspreis entspricht der geschätzten Menge in Fm (unabhängig von der tatsächlich geernteten Menge)

  • Kommunalwald: Submission, Angebot pro Festmeter; nach dem Fällen wird das Los nachgemessen und diese Menge in Rechnung gestellt

Eine Bankbürgschaft garantiert die Zahlung der Holzmenge. Ohne Bürgschaft wird kein Hauerlaubnisschein erstellt und somit ist kein Holzeinschlag legal möglich. Außerdem ist so die Zahlung von Rücke-, Weg- und Fällschäden gewährleistet. Zu erwähnende Besonderheit ist die „Tauwettersperre“, d.h. dass bei nasser Witterung die Befahrung der Bestände und Wege verboten ist. Bei Nichteinhaltung muss der Fuhrmann seine Holzladung abladen und 2.500 € Strafe zahlen.

 

Bei diesem System werden die staatlichen Waldarbeiter nicht mehr für den Holzeinschlag gebraucht, sondern nur noch für Kulturbegründungen, Pflege von Wegen und Erholungseinrichtungen sowie den Naturschutz eingesetzt.

 

 

Nachmittag:

 

Protokollanten: Christiane Busche, Carola Conradi, Maria Jäger, Philipp Weig

 

 

Hohes Venn - Renaturierungsmaßnahmen in Mooren

 

Die Exkursion fand im Bereich des Forstamtes Eupen II statt. Dieses untersteht der wallonischen Regierung, erstreckt sich über eine Fläche von 6.000 ha und ist in 9 Forstreviere unterteilt. Das Forstamt befindet sich im äußersten Osten Belgiens, zum Großteil in der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens.

 

Aufgrund der relativ hohen Bevölkerungsdichte (ca. 330 Bewohner/Quadratkilometer) hat das Naturschutzgebiet Hohes Venn einen sehr hohen Stellenwert in der Bevölkerung. Das Naturschutzgebiet erstreckt sich insgesamt über 4.500 ha, von denen 1.500 ha im Bereich des Forstamtes Eupen II, die restlichen 3.000 ha in Malmedy liegen. Geologisch liegt das Hohe Venn auf dem Eifel-Ardennen-Massiv auf einem Sockel aus dem Kambrium (650 Mio. Jahre alt).

 

Gesteinsarten aus dieser Zeit sind: Quarzite, Phylladen und Quarzo-Phylladen. Durch Verwitterung der Phylladen entstanden die kompakten und wasserundurchlässigen tonigen Gley-Böden. Diese, sowie niedrige Temperaturen, hohe Niederschläge (1.200-1.400 mm) und die Hochplateaulage (550 - 650 ü. NN) sind Voraussetzung für die Bildung der Hochmoore (Regenmoore). Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei

6,7° C, Fröste sind praktisch in jedem Monat des Jahres möglich.

 

Zum Forstamt Eupen II gehört eine Waldfläche von 4.500 ha auf vorwiegend staunassen Böden mit einem Fichtenanteil von ca. 80 %. Grund für den hohen Fichtenanteil sind intensive Aufforstungen durch die Preußen um 1830. Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde weiter intensiv mit Fichte gewirtschaftet, erst in den 90er Jahren fand ein Umdenken statt und man leitete Renaturierungsmaßnahmen ein. Die ehemaligen mehrere hundert Hektar umfassenden Moorbereiche wurden insbesondere durch den Torfabbau zum Ende des 18. bis Anfang des 20. Jahrhunderts und dem damit verbundenen Anlegen von Entwässerungsgräben zerstört. Bis heute erhalten ist einzig das „Königliche Torfmoor“ (ca. 65 ha) als eines der letzten aktiven Hochmoore Belgiens.

 

     

 

Der Unterschied zwischen einem Hoch- und einem Niedermoor besteht im Wesentlichen im Fortschritt der stattgefundenen Entwicklung. Während in einem Niedermoor noch Staueffekte und das Grundwasser für die andauernde Vernässung verantwortlich sind, erfolgt auf einem Hochmoor die Wasserversorgung ausschließlich durch Niederschläge. Die ehemaligen Torfabbauflächen sowie die Feuchtheiden, deren allmählich zuwachsende Entwässerungsgräben auch heute noch einen relativ großen Teil des Wassers abfließen lassen, sind zudem sehr stark vom Blauen Pfeifengras (Molinia caerulea L.) bedeckt. Aus dieser Problematik entstanden systematische Renaturierungsgedanken seit Anfang der 90er Jahre. Durch die ganzjährig hohen Niederschläge, die sehr viel größer als die Verdunstung sind, ist die Grundvoraussetzung für die Entstehung und die Erhaltung des Hochmoores gegeben. Unter diesen Bedingungen können Torfmoose (Sphagnum spec.) alles überwachsen, wodurch Aufwölbungen entstehen. Diese Moose, die sich durch ein extremes Wasserspeichervermögen auszeichnen, erhöhen ihre Konkurrenzfähigkeit durch eine fortwährende Abgabe von H+ Ionen im Austausch gegen Basen, die sie aus dem Wasser aufnehmen, was die Versauerung erhöht (Protonenpumpe). Auf den Flächen, wo bereits Torfabbau erfolgte, kann als Störungszeiger eine Vielzahl Ericaceaen gefunden werden, wie z.B. Rauschbeere (Vacciniuim uliginosum L.), Preiselbeere (Vaccinium vitis idaea L.), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus L.), Moosbeere ( Oxycoccus oxycoccus L.), Heidekraut (Calluna vulgaris (L.) Hull), die zum Überleben in dem extrem nährstoffarmen und versauerten Milieu auf eine Mykorrhiza angewiesen sind.

   

       

 

Der Torf ist das Ergebnis einer fehlenden Zersetzung in einem undurchlässigen, sauren Milieu, das nicht viele Destruenten enthält, die Biomasse aus dem abgestorbenen Torfmoos wird nur teilweise mineralisiert. Unter dem Gewicht der jeweils oben aufliegenden Schichten wird die Masse zu Torf. Diese Torfschichten können an gewissen Stellen Dicken von bis zu sieben oder acht Metern erreichen, wobei sich etwa ein Meter Torf in ca. 1.000 Jahren bildet. Im Bereich unserer Exkursionsroute sahen wir ein ca. 1.000 m2 großes, künstlich zum Ziel der Renaturierung angelegtes Wasserrückstaubecken zur Verminderung der ständig erfolgenden Entwässerung des Hochmoores durch die zahlreichen  vorhandenen Gräben, die im Zusammenhang mit dem Torfabbau zur Gewinnung von Heizmaterial und Blumenerde entstanden sind. Ein weiterer Zweck besteht darin, das Pfeifengras durch Überflutung zurückzudrängen, damit sich die Torf bildende Vegetation wieder einstellen kann. Gelingt dieses, können sich die verschiedenen Torfmoosarten wieder ansiedeln und der Torfbildungsprozess wird wieder einsetzen. Die Kosten für diese Renaturierungsmaßnahme beliefen sich auf etwa 8.000 €.

 

Grundsätzlich laufen solche Renaturierungsmaßnahmen mehr oder weniger in drei Phasen ab:

 

1.Phase: seit etwa 1990 erfolgte eine systematische Entfichtung und Entbuschung, sowie das bereits genannte Zurückdrängen des Pfeifengrases.

 

 

 

2.Phase: Schaffen von Pufferzonen (bis zu 100 m breite Laubholzgürtel um das Naturschutzgebiet herum)

 

3.Phase: Bisher zum Teil Bestandsaufnahme und Kartierung besonderer Flächen; anschließend detaillierte Studien zur Erstellung der Ausführungserlasse für Natura 2000.

 

Eine erwähnenswerte Besonderheit des hohen Venn ist die letzte hier vorkommende Birkhuhnpopulation, die man mit allen Mitteln zu erhalten und zu sichern versucht. Dazu ist eine unbedingte Bekämpfung der Prädatoren, z.B. des Fuchses notwendig.

 

Stadtführung Aachen

 

m Abend dieses nasskalten, hochinformativen Tages fand eine sehr interessante Stadtführung durch die alte Kaiserstadt Aachen statt. Dankenswerterweise übernahm der ehemalige Leiter des Stadtforstamtes Aachen, Herr Rainer Kerz, diese Aufgabe. Mit viel Wissen, Lokalkolorit und immer wieder aufblitzendem rheinischen Humor gelang es ihm, uns seine Heimatstadt und ihre Besonderheiten näher zu bringen. Abgerundet wurde der Tag durch ein köstliches Essen in einem türkischen Restaurant.

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