|
Eifel-Exkursion der Hochschule für Forstwirtschaft
vom 29. Mai bis zum 03. Juni 2006
Mittwoch, 31.05.2006, Vormittags
Protokollanten: Steffen Obenhuber, Andreas Kreutz,
Arnold Renner, Stefan Michelberger
Am Mittwoch stand
die Fahrt ins Arenbergische Forstamt Eifel auf dem Programm. Nach der
Begrüßung auf der Mauerkrone der Oleftalsperre durch den Forstamtleiter,
FD Holger Hoffmann, und den zuständigen Revierleiter, Herrn Leduc, fuhren
wir entlang der Oleftalsperre und bekamen so einen ersten Eindruck vom
arenbergischen Wald. Dieser setzt sich zusammen aus dem Forstbetrieb der
Arenberg-Schleiden GmbH mit einer Fläche von 7.835 ha und dem Forstbetrieb
Arenberg-Recklinghausen GmbH mit einer Fläche von 480 ha. Um übermäßige
Flächenverringerung durch Realerbteilung zu verhindern, hat sich die
Familie Arenberg für eine Gesellschaftsgründung entschieden.
Geologisch gehört
die Nordeifel zum Unterdevon und Trias mit Tonschiefer, Grauwacke und
Sandstein, die Südeifel zum Trias mit überwiegenden Oberen Buntsandstein
und in geringem Umfang Devon. Die Höhenlagen erstrecken sich von 185 bis
698 m ü. NN, die jährlichen Niederschläge reichen von 700 mm bis 1.150 mm.
Die Leitung des
Gesamtunternehmens hat einen Geschäftsführer, der mit drei Fachdirektoren
die firmenpolitische Ausrichtung festlegt. Der Forstbetrieb wird von 3
Revierleitern bewältigt, wobei diese von jeweils einem
Forstwirtschaftsmeister unterstützt werden. Daneben gibt es noch 2
Maschinenführer und 7 betriebseigene Waldarbeiter.

Die Fichte ist mit 62
% am stärksten vertreten. Douglasien und Kiefern nehmen jeweils 5 % ein.
Der Laubholzanteil von 28 % setzt sich zusammen aus 23 % Rotbuche und 5 %
Eiche.
Aus dieser Verteilung
ist die für einen Privatwald typische Ausrichtung am Markt offensichtlich
erkennbar. Der Gesamtbetrieb hat momentan einen Einschlag von 10,9 EFm pro
ha, was absolut gesehen 82.862 EFm entspricht. Damit wird der Bestand, der
einen Zuwachs von 7,7 EFm pro Jahr und ha aufweist, momentan übernutzt,
was durch die schwachen Preise für das Starkholz (ab L4) begründet wird.
In der direkten
Nachbarschaft des Forstbetriebes liegt der Nationalpark Eifel. Durch
geschickte Verhandlungen zur Arrondierung des Nationalparks konnten
arenbergische Flächen gegen Staatswaldflächen so getauscht werden, dass
Arenberg einen Flächengewinn von 90 Hektar ohne Aufwendung eigener
finanzieller Mittel realisieren konnte.
Waldbild 1
Beim ersten
Bestand handelte es sich um ein lichtes angehendes Buchenbaumholz im Alter
74, dessen wirtschaftliches Alter mit 40 Jahren angeschätzt wurde. Die
Schäfte wiesen eine astfreie Schaftlänge von 9 - 12 Metern auf, der auf
einen langen Dichtschluss zurückzuführen ist. Dieser resultiert zum einen
aus der üblichen Orientierung an veralteten Ertragstafeln und zum anderen
die Entwicklung der Marktpreise. Als Sortimente werden Industrieholz,
Palettenholz und Brennholz aufgearbeitet, wobei letzteres eine deutlich
stärkere Nachfrage Dank der steigenden Ölpreise erfahren hat. Somit ist
der Brennholzeinschlag innerhalb der letzten drei Einschlagsphasen von
2.500 EFm über 4.000 EFm auf 8.000 EFm angestiegen. Ein weiterer Faktor,
der seinen Einfluss auf die Brennholznachfrage ausgeübt hat, ist der
Nationalpark Eifel, der zum Großteil nicht mehr bewirtschaftet wird und
somit als Konkurrent ausfällt.
Den Verkauf des
Brennholzes erläuterte Revierleiter Leduc. Das von Ihm verkaufte Brennholz
gliedert sich in Holz für 2 Großkunden und rd. 140 private Kunden. Die
privaten Abnehmer stehen im Wald vor der Wahl, das geschätzte Holzvolumen
des Revierleiters zu akzeptieren, oder Ihr Brennholz zu spalten und direkt
im Wald messbar aufzusetzen. Außerdem verkauft der Forstbetrieb Arenberg
auch ofenfertiges abgelagertes Brennholz für 60 Euro pro Raummeter, was
umgerechnet auf den Brennwert einem Betrag von 32 Cent pro Liter Heizöl
entspricht. Derzeit überlegt die Betriebsleitung, ob sie sich einen
Brennholzprozessor anschaffen soll, um eine zusätzliche
Veredelungswertschöpfung zu erzielen. Dagegen wird die
Hackschnitzelproduktion kaum in Erwägung gezogen.
Waldbild 2
Hierbei handelte
es sich um ein räumiges Buchenaltholz im Alter von 149 - 185 Jahren mit
einer Oberhöhe von rund 32 Metern, hervorgegangen aus Naturverjüngung. Auf
einer Fläche von 170 ha mit einem Vorrat von 50.000 EFm Holz gibt es im
Forstbetrieb Arenberg Rotbuchen mit einem Alter über 160 Jahren. Leider
sind viele kleinere Abnehmer für Buchenstammholz aus der Region
verschwunden und bei einer Abgabe des Holzes an das Furnierwerk Danzer
wurden 50 % der Lieferungsmasse als unbrauchbar bewertet. Der Hauptgrund
für die schlechte Einschätzung ist der mit zunehmendem Alter häufiger
auftretende Rotkern. Dazu kommt der hohe Anteil an Holz mit eingewachsenen
Metallsplittern aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges.
Nicht nur der
Verkauf des Buchenwertholzes macht dem Forstbetrieb Sorgen, sondern auch
eine Krankheit, die durch eine Pilzinfektion ausgelöst wird. Die ersten
erkrankten Bäume wurden erst vor kurzer Zeit im westlichen, an Belgien
angrenzenden Teil des Betriebes entdeckt. Der Verlauf der Krankheit ist
bislang nur wenig erforscht. Sicher scheint aber zu sein, dass mehrere
Faktoren zusammenspielen müssen, damit die Krankheit auftritt. Sobald die
ersten Fruchtkörper an den Schäften vorzufinden sind, sollte das Holz
innerhalb von 2 Monaten entfernt werden. Die hierdurch angefallene
Schadholzmenge betrug letztes Jahr 1.500 EFm im Revier von Herrn Leduc.

Waldbild 3
Hier handelte es
sich um ein geschlossenes bis lichtes Fichtenbaumholz. Es wurde erneut auf
die Starkholzproblematik eingegangen. Dazu gibt es folgende
Stärkeklassenverteilung in der Fichte:
L1 200.000 VFm
L2 461.000 VFm
L3 245.000 VFm
L4 64.000 VFm
L5 7.000 VFm
Der Preis über der
Stärkeklasse L 3b sinkt enorm. Zum Preisverfall kam es erst durch den
Orkan Lothar, der zwar in der Eifel keine direkten Schäden verursachte,
doch durch die großen Nasslager südlich von Karlsruhe den Starkholzpreis
langfristig bis heute dämpft. Hinzu kommt die heutige Ausstattung vieler
Sägewerke mit Profilzerspanern, die noch nicht in der Lage sind, Starkholz
zu verarbeiten. Insofern hat sich der Forstbetrieb, der ursprünglich
Starkholz produzieren wollte, eher auf die Produktion von Stammholz mit
Zieldurchmesser BHD 50 mit dementsprechend geringeren
Produktionszeiträumen ausgerichtet. Die Holzernte wird teilweise mit einem
Saumschlag gegen die Hauptwindrichtung von Osten mit einer Breite von 35 m
durchgeführt. Ein Kahlschlag größer als 2 ha kommt aufgrund des
Landeswaldgesetztes und der Zertifizierung nicht in Frage. Die Ästung der
Fichte wird kaum in Betracht gezogen, da der hohe Rotwildbestand und die
dadurch auftretenden Schälschäden diese Investition nicht rechtfertigen.
Anders sieht es bei der Douglasie aus, die wir dann bei dem 4. Waldbild
sahen.
Waldbild 4
In einem
geschlossenen bis gedrängten Douglasienbaumholz im Alter von 34 Jahren
wurde die Douglasienbewirtschaftung diskutiert. Langfristig wird im
Forstbetrieb Arenberg ein Douglasienanteil von 5 - 6 % angestrebt. Solch
einen Anteil hatte der Forstbetrieb früher auch schon in seinem Besitz
aufzuweisen, doch aufgrund des Nationalparks, an den einige
Douglasienbestände verloren gingen, liegt der Anteil heute bei nur noch 3
- 4 %. Die konkrete Zielvorstellung auf den recht wüchsigen Beständen sind
60 geästete Z-Bäume pro ha.
Waldkapelle
Hellenthal
Auf dem Weg zum 5.
Waldbild legten wir einen kurzen Halt an der Waldkapelle Hellenthal ein.
Hier ereignete sich am 7. Mai 1897 ein tragischer Jagdunfall, bei dem der
nur 26 Jahre alte Graf Eduard de Briey sein Leben ließ. Ein Förster des
Herzogs Engelbert-Marie von Arenberg ging bei einem Pürschgang hinter dem
Grafen, strauchelte über einen Ast, worauf sich das geschulterte und
geladene Gewehr, das er für den Grafen trug, entlud und die Ladung in den
Rücken des Grafen drang. Am nächsten Tag verstarb der junge Graf.
Zum Gedenken an
den Grafen wurde 1899 jene Kapelle errichtet, die von der Bevölkerung aus
Hellenthal regelmäßig besucht wird und in der jeweils am 1. Mai eine Messe
gelesen wird. Der Verein der Kapellenfreunde kümmert sich leidenschaftlich
um die von 1991 bis 1992 unter Federführung des damaligen Forstamtsleiters
Gerhard Ruge restaurierte Kapelle. Sein Nachfolger, Holger Hoffmann,
schloss dort 2002 den Bund fürs Leben.
Waldbild
5
Hier standen wir vor einigen mächtigen Douglasien.
Diese ragten über 40 m in die Höhe und hatten eine
sehr eindrucksvolle Dimension. Interessenten an diesem Holz wären in
ausreichender Zahl vorhanden, und auch die Landespflege hat die sehr alten
Bäume noch nicht entdeckt. Aber dadurch, dass sie als die ältesten
Douglasien Deutschlands einen besonderen Status genießen, wurden sie
bisher nicht vollständig geerntet. Einige dieser Riesen wurden für einen
Holzbrückenbau bei Bad Münstereifel verwendet.
Im Allgemeinen sollen die angestrebten 5 - 6 %
Douglasienanteil nicht nur durch Reinbestände, sondern auch in Fichten und
Buchenbeständen beigemischt werden. Probleme gibt es beim Anbau der
Douglasie auf den Standorten über Grundgebirge (variszisches Gebirge) und
bei einem Niederschlag über 700 mm im Prinzip keine, wenn auf die
nachgewiesenen Herkünfte geachtet wird (Küstenherkünfte).
Nachmittags
Protokollanten: Achim Kettnacker, Bernd Kaiser, Jan
Wußler, Patrick Linse
Narzissenwiesen im Quellbereich der Olef als
deutsch-belgisches Naturschutzgebiet
Exkursionsführer: FD Gerhard Ruge, a.D., angestellt im
Arenbergischen Forstamt von 1960 - 1993
Nach einem hervorragendem Grill, zu dem uns Arenberg
eingeladen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für uns zubereitet
hatten, ging es zu den Narzissenwiesen im Quellbereich der Olef in ein
deutsch-belgisches Naturschutzgebiet.
Ihre Entstehung
verdanken die Narzissenwiesen der extensiven Bewirtschaftungen seit etwa
dem 16. Jahrhundert. Zur Standortverbesserung wurden damals im Oberhang
der Wiesen so genannte Flucksgräben gezogen. In diesen wurden während der
Wintermonate Wasser gespeichert, welches während der trockeneren
Frühjahrs- und Sommermonate in die Wiesen geleitet wurde. Der Aufwuchs
wurde einmal jährlich nach der Blütezeit zur Heugewinnung gemäht. Diese
Nutzungsform in Kombination mit den standörtlichen Gegebenheiten war
förderlich für die Ausbreitung v. a. der Gelben Narzisse oder Osterglocke
(Narcissus pseudonarcissus L.), aber auch von Bärwurz (Meum
athamanticum Jacq.) und Arnika (Arnica montana L.).
Nach Kriegsende
verloren diese Flächen in ihrer ursprünglichen Nutzungsform an Bedeutung.
Im Rahmen der großen Wiederaufforstungen nach dem zweiten Weltkrieg wurden
auch die nun ungenutzten Narzissenwiesen mit Fichten bepflanzt. Nur noch
kleine Restflächen v. a. auf belgischer Seite blieben erhalten.
Während der 60er
Jahre kam erstmals wieder ein Bewusstsein für dieses deutschlandweit
einmaligen Narzissenvorkommen auf. Jedoch war eine Wiederausbreitung und
langfristige Unterschutzstellung der Wiesen nur schwer zu realisieren,
denn das Biotop liegt sowohl auf deutschem als auch auf belgischem
Hoheitsgebiet. Zusätzlich sind mehrere Waldbesitzformen beteiligt. Auf
deutscher Seite ist der private Arenbergische Forstbetrieb mit 7 ha, auf
belgischer Seite v. a. Kommunalwald der Gemeinden Helling und Büllingen,
sowie Staatswald mit insgesamt ca. 14 ha betroffen. Zunächst galt es also,
alle Betroffenen für die Idee zu gewinnen. Vertraglich vereinbart wurde
eine 100-jährige Widmung dieser Flächen für den Schutz der
Narzissenwiesen. Im Gegenzug wurden diese wirtschaftlichen Einschränkungen
der Forstbetriebe mit Hilfe von Fördergeldern entschädigt.
1979 wurde
schließlich auf Gemarkung der Gemeinde Büllingen mit der Rodung der
Fichten begonnen. Auf weitere Fichtenaufforstungen wurde verzichtet. Die
Waldbesitzer bekmen für den Nutzungsverzicht monetäre Entschädigungen aus
öffentlichen und privaten Mitteln.
Für die notwendige
jährliche Mahd werden örtliche Landwirte beauftragt. Der Wiesenschnitt
wird bisher noch als Kompost entsorgt.
Die Narzissenwiesen
erreichten bis heute wieder eine Flächengröße von ca. 21 ha entlang des
Oberlaufs der Olef und sollen noch weiter ausgedehnt werden. Seit 1996
sind die Flächen als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Insgesamt wurde somit
einerseits ein grenzüberschreitendes, andererseits ein von einem
Privatwaldbesitzer mitgetragenes Naturschutzprojekt realisiert. Begleiter
dieses Prozesses sind überzeugt, dass nur der offene Dialog und die
Berücksichtigung aller Interessen zu diesem Erfolg führen konnten. Z.B.
wurden dem Arenbergischen Forstbetrieb in der Naturschutzgebietsverordnung
Zugeständnisse in seiner angrenzenden Waldwirtschaft gemacht, was auch als
Ergebnis der guten Zusammenarbeit gewertet werden kann.
Mittlerweile erfreuen
sich die Narzissenwiesen eines großen öffentlichen Interesses. Dies drückt
sich u. a. auch in dem jährlich an wechselnden Orten stattfindenden
Narzissenfest aus, welches sich zu einer weiteren touristischen Attraktion
in der Gegend entwickelt hat.
Reisiggewinnung
im Forstbetrieb Arenberg
Im Forstbetrieb
Arenberg wird Reisig als Nebennutzung wie auch in geringem Umfang als
Hauptnutzung erzeugt.
Erzeugung von
Fichtenreisig als Nebennutzung
Fichten werden auf
1,8 m Höhe mit Zieheisen geästet. Dies ist notwendig, um sie anschließend
durch Kratzen gegen das Schälen des Rotwilds zu schützen. Das somit
gewonnene Reisig wird für 0,6 € pro 10 kg ohne Werbekosten veräußert. Die
Ästung wird von Selbstwerbern, das Kratzen von eigenen Waldareitern
durchgeführt. Diese Arbeitsteilung hat den Vorteil, dass die Waldarbeiter
die Fichten kratzen können, ohne zuvor die schweißtreibende Ästung
durchzuführen. Somit kann diese Arbeit auch bei schlechtem Wetter
durchgeführt werden. Nach Angabe von Revierleiter de Leduc ist die
Kombination von schweißtreibender Arbeit und Nässe der Gesundheit äußerst
abträglich.
Schmuckreisiggewinnung als Hauptnutzung
Der Forstbetrieb
Arenberg legt eigens zur Gewinnung von Schmuckreisig Kulturen an. Diese
Kulturen werden im Verband 1,5 m x 1,5 m begründet, wobei abwechselnd
Nordmannstanne (Abies nordmanniana) und Edeltanne (Abies
procera) gepflanzt wird. Nach 8 Jahren werden die Nordmannstannen
entnommen und als Christbäume direkt vom Forstbetrieb für 15 € pro lfm
vermarktet. Der hohe Preis soll sich durch die Frische der Ware
rechtfertigen. Im Alter von ca. 10 Jahren können die Edeltannen beerntet
werden. Die Äste werden dabei vom 4. obersten Quirl abwärts geschnitten,
wobei darauf zu achten ist, dass maximal 1/3 der Astquirle entnommen wird.
Die Ästung wird durch Selbstwerber durchgeführt. Der Forstbetrieb
Arenberg verzichtet auf die Düngung seiner Schmuckreisigkulturen, daher
werden nur Qualitäten der 3. und 4. Wahl erreicht. Der Erlös beläuft sich
auf 4,5 € pro 5 kg. Bei dieser Wirtschaftsweise wurden in den letzen 10
Jahren Erlöse von 55.000 € pro ha erzielt. Die Umtriebszeit solcher
Bestände beträgt ca. 45 Jahre. Dann erreichen sie eine Höhe, in der das
Ernten von Reisig unrentabel wird.
Nach Erreichen
dieses Alters werden die Bestande geschlagen und unter Gewährung von
Preisabschlägen anderen Losen beigemischt.
Jagdwirtschaft
im Arenbergischen Forstamt Eifel
Auf dem Standort
einer Wildäsungsfläche wurden Probleme und Eigenheiten des Arenbergischen
Forstamtes näher erläutert. An dieser Stelle wurde vor allem auf das
starke Rotwildvorkommen und seinen Einfluss auf die Betriebsverhältnisse
eingegangen. Um die sachgerechte Bejagung gewährleisten zu können, sind 2
% der Forstbetriebsfläche als Wildwiese angelegt. Diese sind für das
vorkommende Schalenwild besonders attraktiv und bieten den örtlichen
Jägern günstige Regulierungsmöglichkeiten. In einem zerstörten Bunker, aus
dem Zweiten Weltkrieg, welcher sich direkt am Rande der begangenen
Wildwiese befand, ist bereits des Öfteren ein hohes Vorkommen an
Wildkatzen beobachtet worden, die sich dort dem Anschein nach
niedergelassen haben.
Luchsvorkommen
im Forstamt Arenberg
Im Forstamt wurden
vor kurzer Zeit offenbar illegal Luchse ausgewildert. Die Initiatoren
dieser Aussetzung konnten nicht ermittelt werden, wobei wohl auf militante
Naturschützer oder rücksichtslose Tierparkbetreiber zu schließen ist.
Sieben Luchse wurden bei dieser Aktion im Bereich der unter Naturschutz
stehenden Narzissenwiese ausgesetzt und haben sich dann im Laufe der Zeit,
ihren territorialen Ansprüchen entsprechend, auf größere Fläche verteilt.
Vom Arenbergischen Forstamt sind diese Geschehnisse natürlich mit Argwohn
beobachtet worden, jedoch konnte man sich betriebsintern darauf einigen,
dem Luchs vorerst die Möglichkeit zur Ansiedlung zu gewähren und ihn nicht
aktiv zu bejagen. Der Luchs hat in seiner derzeitigen Ausbreitung keine
schadhafte Einwirkung auf die Rehwildbestände, vielmehr kann ihm die
Negativauslese von krankem und schwachem Wild zu Gute gehalten werden.
Fichtenbewirtschaftung
Am Beispiel eines
70 Jahre alten Fichten-Baumholzes sind die Bewirtschaftungsansätze für
diese und ähnliche Bestandeseinheiten anschaulich erklärt und auch
kontrovers diskutiert worden. In diesem speziellen Fall ist der
begutachtete Bestand zu annähernd 100 % durch Rotwild geschädigt.
Schälschäden, die sehr starken Rotfäulebefall nach sich ziehen, führen
hier zu einem immensen Wert- und Kapitalverlust, der auch durch die sehr
hohen Jagdpachteinnahmen bei weitem nicht kompensiert werden kann. Auch
eine positive
Z-Baumauswahl kann
in diesem Fall keine sehr guten Qualitäten erbringen. Es fallen bei
Maßnahmen in Beständen dieser Art bis zu 15 % nicht verwertbaren X-Holzes
an, für welches es keine Abnehmer gibt.
Die Bestände
werden unter einem Alter von 70 Jahren bzw. einem BHD von < 50 cm mit dem
Harvester geerntet. Um dies zu realisieren, wurden alle Bestände mit einem
Rückegassennetz mit 20 m Gassenabstand überzogen.
Nach einer genauen
Einweisung und unter steter Kontrolle des Revierleiters werden die
Durchforstungen durch Unternehmer durchgeführt, was bedeutet, dass der
Harvesterfahrer eine Negativauslese zu treffen hat. Diese Vorgehensweise
erspart dem Revierleiter ein sehr zeit- und kostenaufwändiges Anweisen der
Bestände. Durch eine vorherige Positivauslese der Z-Bäume und die Vorgabe
der Entnahme von ein bis maximal zwei Bedrängern wird das angestrebte
Durchforstungsergebnis realisiert. In einer betriebsinternen Untersuchung
konnte nachgewiesen werden, dass sich kein signifikanter Unterschied in
Bezug auf die Durchforstungsqualität zwischen einem von einem
eingearbeiteten Harvesterfahrer eigenständig durchforsteten Bestand und
einer durch den Revierleiter zuvor positiv und negativ ausgezeichneten
Fläche besteht.
Bestände die einen
Zieldurchmesser von 50 cm BHD bzw. einen Mittendurchmesser von ca. 3b
überschritten haben, werden konventionell durch den Revierleiter
ausgezeichnet und motormanuell aufgearbeitet.
Allgemeiner
Betriebsaufbau und Personalwesen
In einer
Diskussion wurden verschiedene betriebsinterne Aspekte angesprochen. Es
sind Aspekte zur Personalführung, Waldarbeiter- und Angestelltenentlohnung
und Rationalisierungsmaßnahmen besprochen, sowie die deutlichsten
Unterschiede zu einem staatlichen Forstamt erläutert worden. Die
Mitarbeiter des Arenbergischen Forstamtes werden nach der
Landesbesoldungsordnung, gleich ihren Kollegen im Staatsdienst, entlohnt
und erhalten eine entsprechende Pension. Auch die Waldarbeiter werden an
den öffentlichen Tarif angelehnt im Monatslohn, mit einem
Bruttostundenlohn von 24,50 € (inkl. LNK), vergütet. In den Neunziger
Jahren wurden im Rahmen einer internen Betriebsreform die ursprünglichen
sieben Reviere zu drei Revieren zusammengelegt. Dies stellte eine
erhebliche Rationalisierung dar, bedeutete aber auch für die verbleibenden
Revierleiter ein erheblich größeres Arbeitsaufkommen. Um dieses bewältigen
zu können, wurden dem Personal die modernsten und hochwertigsten
technischen Hilfsmittel zur Verfügung gestellt. Natürlich ist auch das
Fehlen umständlicher bürokratischer Hürden ein wesentlicher Faktor, der
dem Betrieb einen bedeutend flexibleren Mitteleinsatz im Finanzbereich
erlaubt, und somit auch eine dynamischere Reaktionsfähigkeit auf
unvorhergesehene Ereignisse möglich macht. Der Einsatz der betriebseigenen
Waldarbeiter erfolgt hauptsächlich im Einschlag von wertvolleren
Sortimenten, im Bereich von Steilhängen oder bei Pflegemaßnahmen. Für
einfacher zu bearbeitende Bestände kommen aus Kostengründen prinzipiell
nur Unternehmer zum Einsatz.
Westwall
Der 1933 bis 1934
durch den Reichsarbeitsdienst errichtete Westwall tangiert das Gebiet des
Arenbergischen Forstbetriebes in verschiedenen Bereichen. Aufgrund seines
historischen Wertes und der mitunter für Fledermäuse wichtigen
Bunkeranlagen sollen in Zukunft Teile dieser Anlagen unter Naturschutz
gestellt werden. Auch der Abtrag von Teilen der Wallanlagen durch
finanzkräftige Ausländische Käufer soll damit unterbunden werden.
Insgesamt stellte
die Thematik dieses Tages ein starkes Kontrastprogramm zu den beiden Tagen
im Nationalpark Eifel dar. Der Forstamtsleiter Herr Hoffmann befand den
Exkursionstag als sehr positiv und begrüßte die, wie er sagte
„gegenseitige Befruchtung“ in Form einer regen Diskussion zu den gezeigten
Waldbildern und Betriebsverhältnissen.
|