Eifel-Exkursion der Hochschule für Forstwirtschaft

vom 29. Mai bis zum 03. Juni 2006

 

 

 

 

Dienstag, 30.05.2006, Vormittags

 

Protokollanten: Kay Reiff, Tobias Cerhak, Sylvia Spitz, Heike Seyboldt

 

Aufgrund des schlechten Wetters fand die theoretische Einweisung für den Tag im Besprechungsraum des Schullandheims statt. Die Nationalparke und Biosphärengebiete als Großschutzgebiete entsprechen den Internationalen Vorschriften, die im Bundesnaturschutzgesetz verankert sind. Folgende Ziele werden im Nationalpark (NP) Eifel verfolgt:

  • Schutz der Natur

  • Forschung

  • Umweltbildung

  • Strukturentwicklung

 

Zur Umweltbildung wies der Nationalparkleiter Herr Henning Walter auf das Problem des mangelnden Verständnisses für die Natur bei vielen Jugendlichen hin. Speziell hierfür wurde im NP ein Jugendwaldheim eingerichtet und 12 Mitarbeiter für diese Aufgabe geschult.

 

Die Eifel ist aufgrund ihrer geographischen Lage, ihrer Geschichte als Grenzland und ihrer geringen Wirtschaftskraft ein strukturschwaches Gebiet. Die Idee des NP soll deshalb neben dem Schutz der Natur neue wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnen, indem touristische Potenziale geschaffen werden. So stiegen beispielsweise seit der Eröffnung des NP die Übernachtungen in der Region erheblich an. Ebenso profitieren die lokale Gastronomie und Einzelhändler von der „Anziehungskraft“ des Nationalparks.

 

 

 

Gegründet wurde der 10.800 ha große NP am 01.01.2004. Beteiligt sind 3 Landkreise sowie 9 Kommunen. Der NP erstreckt sich von Nord nach Süd über annähernd 20 km. Die Meereshöhe schwankt von 600 m ü. NN mit 1.255 mm Jahresniederschlag bis 250 m ü. NN mit 690 mm Jahresniederschlag. Die größten Teile des NP sind zum einen der Kermeter, ein Höhenzug, sowie der ehemalige Truppenübungsplatz „Vogelsang“ mit rd. 3.000 ha.

 

Inmitten des 30 km² großen Gebietes liegt der denkmalgeschützte Bereich der ehemaligen „NS- Ordensburg“ Vogelsang, welche keine Nationalparkfläche ist. Der Urftsee, eine von drei Talsperren in der Region, dient dem Hochwasserschutz. An diesen grenzen unmittelbar der Obersee als Trinkwassertalsperre und der Rursee an, als eine der größten Talsperren Deutschlands.

 

 

Fast alle Mitarbeiter des früheren Forstamtes sind der Idee des NP gefolgt und wurden entsprechend für die zukünftigen Aufgaben geschult. Ehemals als Forstwirte tätige Mitarbeiter sind in einer halbjährigen Zusatzausbildung zu geprüften Natur- und Landschaftspflegern ausgebildet worden. Nun widmen sie sich vielfältigen Aufgaben wie der Verkehrssicherung, Monitoring, Holzbauwerkstatt und Waldentwicklungsmaßnahmen.

 

Dr. Michael Röös führte die Hauptaufgaben eines „Nationalpark-Rangers“ auf: Ziel soll es sein, das naturnahe Ökosystem zu erhalten, indem es nach einer Übergangs- und Regulierungszeit sich selber überlassen wird. Aufgrund der Definition „Entwicklungsnationalpark “ soll auf 75% der Fläche (Naturzone) kein Eingriff durch den Menschen erfolgen. Der Prozessschutz, die freie Entwicklung von Flora und Fauna, ist somit das Ziel des NP. Die restlichen 25% (Managementzone), die sich überwiegend aus Grünland bzw. Offenland zusammensetzen, erfordern das Eingreifen des Menschen, damit der Offenlandcharakter erhalten bleibt.

 

 

Exkursion

 

 

Bei der anschließenden wissenschaftlichen Exkursion führte uns unser Weg auf minenfreien Pfaden nach Wollseifen. Dieses Dorf wurde um ca. 1200 n. Chr. gegründet und verarmte im Zuge der Realteilung, Dreifelderwirtschaft und durch die Besatzung der Franzosen. Dadurch kam es Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer Auswanderungswelle. Die im Ort Verbliebenen wurden 1946 auf die umliegenden Dörfer zwangsumgesiedelt, da die Briten einen Truppenübungsplatz errichteten. Heute sind nur noch drei bauliche Relikte vorhanden. Die anderen historischen Bauten wurden zerschossen und durch Funktionsbauten für Kampfübungen ersetzt.

 

 

Jagd im Nationalpark

 

Folgende Schalenwildarten kommen im NP vor:

  • Rotwild

  • Muffelwild

  • Rehwild

  • Schwarzwild

 

Die Leittierart Rotwild nimmt hier eine Sonderstellung ein, weil es die letzte große frei lebende Tierart ist. Im Nationalpark sowie im Grenzgebiet von Belgien ist eine der letzten großen Rotwildpopulationen anzutreffen. Sie bevorzugt halboffene Landschaftsstrukturen/Steppen, auf denen die gesamte Biomasse tierverfügbar ist.

 

Die Jagd wird nur als regulative Maßnahme eingesetzt, um ein Übergreifen von Wildschäden auf benachbarte Flächen zu vermeiden. Eine rotwildregulierungsfreie Zone soll auf Vogelsang zu Forschungszwecken eingerichtet werden. Um die Verjüngung der Rotbuchen zu sichern, wird das Rehwild momentan noch reguliert, doch die Bejagung soll zukünftig an Bedeutung verlieren. Die Bejagung aller Tierarten erfolgt möglichst störungsarm, indem große Phasen der Jagdruhe eingeräumt werden. Gejagt wird zwischen Oktober und Dezember an sechs Gemeinschaftsansitzen zu je zwei Tagen. Dadurch konnte erreicht werden, dass das Wild tagaktiver wurde und die Besucher nun öfter mit ihrem Anblick erfreut.

 

Die Ansiedlung des Luchses in der Nord-Eifel wäre möglich, ist jedoch bis 2009 nicht vorgesehen, da vereinzelt Luchse bzw. Anzeichen für ihr Vorkommen in den angrenzenden Gebieten gesichtet wurden. Ein weiteres Problem ist, dass von Seiten der Jägerschaft, Politik und der Bevölkerung eine ablehnende Haltung gegen die Wiederansiedlung ausgehen könnte.

 

 

Naturschutz

 

In den dreizügigen Bunkerlinien des Truppenübungsplatzes kommen 16 von 18 in Deutschland heimische Fledermausarten vor. Unter anderem die sehr selten gewordene Mopsfledermaus, bedauerlicherweise jedoch nicht die Bechsteinfledermaus.

 

In der Managementzone sollen durch extensive Landwirtschaft auch einige Sukzessionsflächen entstehen. Dies stieß zunächst auf großen Widerstand von Seiten der Landwirte, da diese für die Offenhaltung der Flächen hohe Prämien erhalten. Die Offenhaltung wird zusätzlich durch extensive Schafbeweidung sichergestellt. Eine Vorschrift auf diesen Flächen ist das strikte Verbot der Düngung und Einsatz umweltgefährdender Mittel.

 

 

Die Mahd erfolgt grundsätzlich nicht vor dem 15. Juli, um die Bodenbrüter nicht bei der Aufzucht der Jungen zu stören und zu gefährden. Hier sind im Besonderen die Feldlerche und die Wachtel zu erwähnen.

 

 

Urftseestaumauer

 

Den Abschluss des Vormittags bildetet die Urftseestaumauer. Diese trennt den Urftsee vom Obersee. Während des II. Weltkriegs wurde versucht, sie mit Hilfe von Zehn-Zentner Bomben zu zerstören. Aufgrund der massiven Bauweise hielt sie jedoch stand.

 

 

 

 

 

 

 

Nachmittags:

 

Protokollanten: Alexander Götz, Alexander Kröker, Seliena Nübel, Oliver Schuhmacher

 

 

Mauereidechsen an der Urfttalsperre

 

Die Mauereidechsen, die in dem Gebiet der Steilhänge leben, welche aus verschiefertem Ton bestehen und teilweise sehr schroff in Richtung Urfttalsperre abfallen, bilden das nördlichste natürliche Vorkommen dieser Art in Europa. Lediglich in Maastricht ist ein nördlicheres, anthropogen entstandenes, Vorkommen zu verzeichnen. Sie sind, wie auch einige Amphibienarten (z.B. der Feuersalamander) gefährdet, beim Sonnenbad auf der geteerten Straße, die um die Talsperre führt, überfahren zu werden.

 

 

Spechtarten im Nationalpark

 

Der speziell an das Vorkommen in Eichenalthölzern angepasste Mittelspecht kommt im Nationalpark in 90 Revieren vor. Die Eichenbestände, die ca. 1.600 ha umfassen, gingen hauptsächlich aus ehemaligen Niederwäldern hervor. Diese entstanden durch die intensive Nutzung der Eichenrinde zur Gerbsäuregewinnung und der Oberhölzer zur Bauholzproduktion sowie Schweinemast. Der Grauspecht hingegen ist besonders auf einen hohen Totholzanteil in lichten Laubwäldern angewiesen. Die darin lebenden Ameisen bilden seine Hauptnahrung. Alle anderen einheimischen Spechtarten mit Ausnahme des Dreizehenspechts und des Weißrückenspechts sind im Nationalpark nachgewiesen worden. Der Dreizehenspecht ist im Entwicklungsnationalpark Eifel bisher noch nicht beobachtet worden, da er ein ausgesprochener Urwaldspezialist ist. Die typischen Spuren des Weißrückenspechts konnten bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beobachtet werden.

 

 

Wald-Hundszunge (Cynoglossum germanicum Jacq.)

 

Sie gehört zu den Borretschgewächsen und hat ihr einziges Vorkommen in NRW im Nationalpark Eifel. Vorwiegend ist sie am Wegrand zu finden, da dort ein erhöhter Nährstoffeintrag vorhanden ist. Ihre klettenartigen Blütenstände ermöglichen eine Verbreitung ihrer Samen mit Hilfe des Schwarzwildes über größere Strecken hinweg. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet liegt im submediterranen Raum. Ihr immer nördlicheres Vorkommen gilt als Indikator für immer trockenere, wärmere Sommer.

 

 

Anthropogene Störfaktoren

 

Mitten durch den Nationalpark verläuft die oberirdische Stromversorgung zur „Ordensburg“ Vogelsang. Alleine die Präsenz der Oberleitungen im Landschaftsbild stört neben der Nationalparkverwaltung auch viele Besucher. Eine unterirdische Verlegung über die Zufahrtsstraße zum Komplex Vogelsang wurde bisher aufgrund erheblicher Kosten und deren unklarer Verteilung nicht verwirklicht. Im Gegensatz dazu ist die unterirdische Verlegung der Stromzuleitungen für die Anlagen der Urftseetalsperre bereits in Planung und soll demnächst verwirklicht werden. Dies wird möglich, da die Betreiber eine dauerhafte und garantiert störungsfreie Stromzufuhr zur Talsperre gewährleisten müssen. Das ist notwendig, da die Stauanlage über kein Notstromaggregat verfügt. Umstürzende Bäume sind deshalb eine Gefahr für die Sicherheit des Staudamms. Ein Überlaufen des Staubeckens in das angrenzende Trinkwasserreservoir (Obersee) sollte nach Möglichkeit verhindert werden. Durch den erhöhten Besatz mit Karpfen und Brachsen im Urftsee ist das Wasser dort mit Phytoplankton stark belastet. Das vermehrte Algenwachstum ist auf das Gründeln der Cypriniden zurückzuführen, wodurch der im Bodensediment gebundene Phosphor wieder in die Freiwasserzone aufgewirbelt wird. Die dadurch einsetzende Algenblüte führt zu einer toxischen Belastung des Gewässers.

 

 

Naturwaldzellen / Forschung

 

Naturwaldzellen sind vergleichbar mit der baden-württembergischen Bezeichnung Bannwald. Diese dienen ausschließlich der Forschung und nicht dem Naturschutz. Im Nationalpark gibt es vier solcher Flächen mit einer Ausdehnung von insgesamt 25 ha. Die Aufnahmen finden alle zehn Jahre statt, wobei lediglich 1 ha gezäunte und 1,5 ha ungezäunte Fläche begutachtet werden. Die Fläche vor Ort gehört zur Waldgesellschaft Luzulo-Fagetum. Der Bestand ist seit 30 Jahren eine Naturwaldzelle. Zuvor wurde dieser Bestand über 80 Jahre hinweg regelmäßig durchforstet. Auf der ungezäunten Fläche konnte wenig bis keine Verjüngung festgestellt werden, wogegen im Kontrollzaun keine Verbissbelastung die natürliche Verjüngung störte.

 

 

Köhlerei in der Eifel

 

Durch den historisch bedingten hohen Bedarf an Rotbuchenholzkohle zur Eisenverhüttung war die Dichte an Meilerplatten in der Eifel sehr hoch. Allein im Gebiet des Nationalparks wird geschätzt, dass circa eine Meilerplatte pro Hektar Wald betrieben wurde. Diese kreisrunden Flächen weisen aufgrund ihres höheren Nährstoffgehaltes eine 10 - 20-fach höhere Dichte an Kellerasseln und anderen Spinnentieren auf. Vor Allem die Kellerasseln nutzen den im Boden gelösten Kalk und das Magnesium zum Aufbau ihres Außenskeletts. Ein weiteres Merkmal der Meilerplatten ist ein pH-Wert, der um eine Stufe höher liegt, als in der angrenzenden Umgebung.

 

 

Hypothesen zur Borkenkäferausbreitung

 

Die Frage der verstärkten Ausbreitung des Borkenkäfers auf nördlich exponierten Hanglagen wird kontrovers diskutiert. Eine Variante zur Erklärung dieses Phänomens ist, dass Fichten (Picea abies Karst.) an Südhängen eher an Trockenstress angepasst sind, als Fichten an Nordhängen. Diese Bestände reagieren wesentlich empfindlicher auf plötzlich auftretende Trockenereignisse und sind deshalb fängischer. Eine andere Erklärung geht davon aus, dass auf Südlagen die Temperatur unter der Rinde ein tödliches Niveau für die Borkenkäfer erreichen kann.

 

 

Douglasien (Pseudotsuga menziesii Mirb.)

 

Das Ziel der Nationalparkverwaltung ist es, innerhalb der nächsten zehn Jahre die Douglasie aus den Beständen zu entnehmen. Bei der Entnahme werden zuerst die Althölzer geschlagen, um das Verjüngungspotential zu verringern. Dies geschieht vornehmlich mit Harvestern.

Das Stammholz wird vor dem Hieb auf dem Stock verkauft. Danach erst wird der Jungbestand eliminiert. Dieses konsequente Vorgehen ist notwendig, da die Douglasie ein besseres Konkurrenzverhalten gegenüber anderen Baumarten hat und invasis ist, d.h. sich subspontan verjüngt und damit ausbreitet. Die ältesten Douglasienbestände wurden 1862 auf dem Gebiet des Entwicklungsnationalparks mit Herkünften aus Oregon begründet. Sie sind die letzten genetischen Originalherkünfte in Deutschland. Deshalb sollen diese Einzelbäume erhalten werden. Wie viele Altbestände in der Eifel, sind auch diese Douglasien stark durch Splittereinwirkung belastet.

 

Schifffahrt auf dem Rursee

Einen landschaftlich und kulinarischen wunderschönen Abschluss fand der Tag bei einer zweistündigen Schifffahrt auf dem Rursee. Selbst 50 Studenten, Dozenten und Kollegen vom Nationalpark schafften das opulente Buffet nicht ganz, was uns für die magere Kost in unserer Unterkunft etwas entschädigte.

 

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