Mittwoch, 9. Juni 2004, 2. Exkursionstag
Schwerpunktthema Geologie und Bodenkunde
Um 8.15 fuhren wir zur FH nach
Eberswalde, um uns dort mit Prof. Dr. Riek (Bodenkunde) und Prof. Dr. Endtmann
(Geologie) zu treffen, welche
uns in die standörtlichen Gegebenheiten einführen
sollten.
Nach einer kurzen Begrüßung wurde die Exkursionsroute von ihnen kurz vorgestellt und grundlegende Informationen dazu geliefert.
Der Waldanteil in Brandenburg beträgt 1,09 Mio. ha, dies macht ca. 37 % der Landesfläche aus.
Ungefähr 80% der Waldfläche sind Kiefernreinbestände. Rund um die FH Eberswalde stellt die Buche die Hauptbaumart dar, jedoch ergaben Pollenanalysen, dass ihre Einwanderung erst sehr spät erfolgte. Des Weiteren wurde sie durch die Entstehung des Bauerntums von 5000 Jahren noch begünstigt.
Tanne und Fichte sind hier keine autochtonen Baumarten. Durch ihre Einführung wurden hier andere Konkurrenzverhältnisse geschaffen.
Brandenburg liegt im Grenzgebiet zwischen ozeanischem und kontinental geprägtem Klima: Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 8,9°C, das Niederschlagsmittel bei 570 mm. (Eberswalde 8,5°C, 580mm).
Geologisch herrschen in
Nord-Ost-Deutschland starke kleinräumige Unterschiede. Rund um die
Fachhochschule reichen die Böden von Braunerden bis zu podsolierten Braunerden.
Für die Bildung von Podsol ist jedoch vielerorts die Sickerwasserrate zu gering.
Nur auf Nordhängen, auf denen die Verdunstung geringer ist, ist gelegentlich
Podsol zu finden. Norddeutschland ist quartärgeologisch geprägt. Elster-, Saale-
und Weichseleiszeit haben die Landschaft geprägt und Grundmoräne, Endmoräne,
Sander und Urstromtal hinterlassen.
Prof. Dr. Riek führte uns zu einem Bodenaufschluss in einem benachbarten Bestand der Fachhochschule. Hier hat noch keine Bodenbildung stattgefunden, weil der Standort durch Lehmabbau anthropogen beeinflusst ist (Fachwerkbau, Ofenbau, Ziegelherstellung). Es handelte sich um Beckensedimente, die durch unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten abgelagert wurden: im Sommer Sandschichten, im Winter Tonschichten. Somit entstand eine chronologische Abfolge – Tonwarven.
In unmittelbarer Nähe befand sich ein anderes Bodenprofil: Podsolige Braunerde auf Sand. Wir fanden einen Ah, Ae, Bsh, Bv1 und Bv2 Horizont vor. Bei Letzterem handelt es sich bereits um das Grundgestein (Mittel- feinsandige Sande) Der PH-Wert liegt zwischen 4,5 und 5. Verglichen mit Süddeutschen Bedingungen ist er hier bedeutend besser, was durch Pufferung durch Flugasche bedingt ist. Diese Entstand durch Verbrennung der Braunkohle die in der DDR zur Energiegewinnung verwendet wurde. Die nutzbare Feldkapazität liegt bei 133 mm im effektiven Wurzelraum von 1m. Die Durchwurzelungstiefe der Buche reicht auf diesen Böden bis zu 4 m.
Mit dem Bus ging es weiter in Richtung Chorin, wo das 2. Bodenprofil auf uns wartete. Während der letzten beiden Tage wurden wir mehrfach auf die Niederschlagsarmut der Region hingewiesen. Jedoch hatten wir einen der wenigen niederschlagsreichen Tage erwischt. Während es in Strömen regnete, erklärte uns Herr Prof. Dr. Riek ein weiteres Bodenprofil. Es handelte sich um eine Parabraunerde (Ah, Alh, Al, Bt, IIC).
Die letzte Bodenprofilerläuterung fassten wir kurz, da wir mittlerweile ziemlich nass waren. Hier sahen wir wiederum eine podsolige Braunerde (Ah, Bv, C).
Weiter ging es zu einem Kesselmoor mit einem Durchmesser von 300-400 m. Toteis hat sich in einer Senke gehalten und wurde überschüttet. So konnte es sich wie in einem Kühlschrank länger vor dem Schmelzen schützen. Die Sedimentation vollzog sich hier nur langsam. Vorerst schwamm eine Vegetationsschicht auf der Wasseroberfläche (Schwingmoor) mit zunehmender Sedimentation wurde vom Rand ausgehend ein Standmoor geschaffen. Die Sedimentmächtigkeit beträgt hier über 5,5 m. Typisch anzutreffen ist hier eine Braunmoosvegetation (Braunmoostorf).
Vegetation: - umgebender Wald (Rotbuche – Fagus sylvatica, Waldkiefer - Pinus sylvestris)
- umgebender Mineralrand (Sandbirke – Betula pendula)
- Nasse Randzone (Randsumpf, Lagg)
Reliefkarte: Deutsches Pädagogisches Zentralinstitut Berlin, VEB Dienst Potsdam, 1965
Kerstin Straub, Ines Bühler, Claudia Rebstock
Mittwoch, 09. 06. 2004, Nachmittag
Inhalt: Der Drumlin „Kleiner Rummelsberg“
Der „ Große Stein von Neuendorf“
NSG „Urwald Breitefenn“
Das Schiffshebewerk Niederfinow
Die Fachhochschule Eberswalde
Nachdem der verregnete Vormittag vorüber war, setzten wir unseren Exkursionstag bei recht angenehmen Wetter fort. Wir verließen für kurze Zeit das Endmoränengebiet und fuhren auf den typischen Kopfsteinpflasterstraßen durch Sandergebiete, welche durch endlose Kiefern-Reinkulturen geprägt sind. Die landwirtschaftlichen Flächen, welche vor der Wiedervereinigung von der LPG bewirtschaftet wurden, werden jetzt von Öko- Bauern extensiv genutzt. Die Kirchen in den zahlreichen Dörfern wurden im Neo-Gotik-Stil errichtet.
Exkursionsziel: Der Drumlin „Kleiner Rummelsberg“
Zur geologischen Situation:
Drumlins sind Ablagerungen der Grundmoräne in Eisrandlagen-Nähe. Einige der hier existierenden Drumlins sind evtl. Reste der Zwischenstaffeln im Parsteiner Becken. Sie sind aufgebaut aus Geschiebemergel und Sand.
Bei Brodowin am Parsteiner See befindet sich der Kleine Rummelsberg. Dieser Drumlin ist ein typischer Bestandteil der kuppigen Grundmoräne.
Durch anthropogene Einflüsse wurden die ehemals bewaldeten Kuppen landwirtschaftlich genutzt, allerdings nur in Notzeiten, denn die teils sehr steile
Hanglage erschwerte die Bewirtschaftung.
Aufgrund der schwierigen
Bewirtschaftung dieser Flächen wurden diese im Laufe der Zeit eingestellt. Der Drumlin wurde daher nur noch als Weidefläche genutzt. Dadurch entwickelten sich
günstige Bedingungen zur Entstehung von kontinentalen Trocken- bzw.
Halbtrockenrasen, abhängig von der Hangexposition. Dies hatte zur Folge, dass
sich eine Flora und Fauna bildete, die sich deutlich vom umliegenden Land
unterschied:
- nicht autochthone Pflanzen: Braunes Mönchskraut (Nonea pulla),
Quirl- Salbei (Salvia verticillata)
- autochtone Pflanzen: Sibirische Glockenblume (Campanula sibirica)
Sand- Fingerkraut (Potentilla arenaria)
- Fauna: Schmetterlinge, Grabwespen, Wildbienen, Schnecken …
Schutzmaßnahmen:
Wirtschaftsmaßnahmen wie in der historischen Kulturlandschaft. Bei Nutzungsauflassung: Verbuschung, Bewaldung, Aufforstung.
Nicht beackern, nicht düngen, nicht bewässern, nicht aufforsten !!!
Exkursionsziel: „Großer Stein von Neuendorf“
Hierbei handelt es sich um ein geologisches und technisches Denkmal der Steinsprengung aus porphyrischem bis grobkörnigem Biotitgranit (Großgeschiebe, erratischer Block). Der Biotitgranit ist in Skandinavien weit verbreitet und stellt kein Leitgeschiebe dar. Der noch bestehende „Große Stein“ hat eine Restmasse von etwa 200 Tonnen. Der andere Teil wurde in dem Zeitraum von 1825- 1828 abgesprengt. Die Spuren des Absprengens sind heute immer noch in Form von vielen Bohrlöchern, die sich fast über die gesamte Höhe des Steines ziehen, sichtbar. In die von Hand gebohrten Löcher wurden Holzstäbe geschlagen, welche mit Wasser zum Quellen gebracht wurden und den Stein zersprengten.
Exkursionsziel: NSG „Urwald Breitefenn“
Eigentlich kein Urwald sondern ein Hutewald-Gebiet. Geschützt seit 1938, heute als Totalreservat Teil des Biosphärenreservates Schorfheide- Chorin.
Waldschutzgebiet mit Altholzbeständen (200- 300 Jahre und noch ältere Überhälter): Trauben-Eiche, Rotbuche. Stehendes und liegendes, stark dimensioniertes Totholz.
Exkursionsziel: „Forstfachhochschule Eberswalde“
Nach dem anstrengenden Exkursionstag besichtigten wir als erste „Rottenburger Delegation“ die Fachhochschule in Eberswalde und den zugehörigen botanischen Garten. Unsere Gastgeber führten uns durch die Gebäude und überraschten uns anschließend im botanischen Garten mit einer Grillparty. Nochmals vielen Dank für die willkommene Abrundung eines anstrengenden aber auch gelungenen Tages!
Frank Hesse, Rainer Grimminger, Matthias Baur