Protokoll vom Freitag, den 11.06.2004, Vormittag

Geologie:

Der Truppenübungsplatz Lieberose gehört zur nördlichen Niederlausitz und ist Bestandteil des norddeutschen Flachlandes.

Die Oberflächenbildung ist im wesentlichen der Eis- und Nacheiszeit zu verdanken. Geschiebelehme und - sande sowie Kiese herrschen vor. Auf der Lieberoser Hochfläche ist der Geschiebemergel meist stärker übersandet. Nahezu überall liegen unter den nacheiszeitlichen Bildungen Braunkohleflöze. Das Gebiet ist ostwestlich durch Urstromtäler und nord- südlich durch Erosionsrinnen gegliedert. Das Wasser fließt nach Norden ab. Innerhalb des Warschauer Berliner Tales als Nordgrenze der Niederlausitz bildet das Lieberoser Höhenland mit 112 m ü. NN eine der größten Erhebungen. Als Ergebnis der Eiszeit ist die Landschaft  vor allem durch Sumpf und Sand gekennzeichnet. Anfang des 20. Jahrhunderts bildete Sand ca. 2/3 der Oberfläche der Niederlausitz. Mit diesem Reichtum an sandigen Flächen hängt der Reichtum an Wald, an weiten Kiefernheiden zusammen, da die Wald-Kiefer als "Pionierbaumart" kostengünstig und einfach zur Wiederaufforstung der Landschaft nach Jahrhunderte langer Übernutzung der Wälder benutzt werden konnte. 1929 zählte die Niederlausitz mit ca. 40 % Wald zu den waldreichsten Gebieten Deutschlands. Das Klima befindet sich im Übergang vom niederschlagsreichen Seeklima mit ausgeglichenen Temperaturen zum trockenen, an Extremen reichen Landklima. Innerhalb des ostdeutschen Binnenklimas wird hier ein Jahresmittel von 8- 9° Celsius verzeichnet. Im Südosten der Niederlausitz werden die größten Jahresschwankungen Ostdeutschlands gemessen. In der Lieberoser Heide finden sich Schmelzwasserablagerungen in Form von Kegelsandern. Nach ihnen sind unter anderem der Lieberoser und der Schönhöher Sander benannt.

 

Fauna und Flora auf dem TÜP Lieberose:

Alle TÜP in Brandenburg sind so genannte Sonderstandorte. Durch die militärische Nutzung entstand ein Mosaik von intensiv genutzter Fläche (Schießbetrieb, Panzerketten) und Räumen, in denen keine Nutzung im herkömmlichen Sinne stattfand. Im dicht besiedelten Mitteleuropa konnten insbesondere im Osten Deutschlands Arten, die diese offenen Lebensräume bevorzugen (sandige Böden, warme bzw. heiße Sommer = subkontinental) trotz Schießbetriebs überleben. Eine intensive (forstliche) Nutzung fand nur im Randbereich statt. Bedingt durch den ständigen Schießbetrieb und zahlreiche Waldbrände sowie das Aufreißen des Bodens mit anschließender Winderosion konnte sich kein Humus anreichern. Infolgedessen konnten sich auf diesen großen Sanderflächen Wärme liebende Arten erhalten, die in Kulturlandschaften bereits ihre Lebensräume verloren hatten. Größere Flächen sind mit Flechten und Moosen, Silbergras und Besenheide bedeckt und bilden ein Eldorado für Wirbellose, wie Spinnen und Insekten. Die letzt genannten Arten sind wiederum wichtige Nahrungstiere seltener Vögel, die offene und halboffene, warme Lebensräume bevorzugen. Hierzu zählen: Heidelerche, Brachpieper, Ziegenmelker, Steinschmälzer, Turteltaube, Wiedehopf, Raubwürger und andere. Bisher sind 109 Brutvogelarten aus dem Gebiet bekannt. In Mooren, Heiden, Resten naturnaher Wälder und in den sich entwickelnden Wäldern können viele bemerkenswerte Pflanzenarten und Pilze gefunden werden. Zum Beispiel Sumpfweichwurz, geflecktes Knabenkraut, Sonnentau, Schnabelried und Rosmarinheide, Sumfporst, Bärnetraube, Astlose Graslilie, Stroh- und Sandblume, Haarginster, Heide- Keule sowie eine größere Anzahl verschiedener Erd- und Krustenflächen. Die Flächen des ehemaligen TÜP Lieberose stellen gegenwärtig einen unersetzbaren Wert als Lebensräume für seltene und heute vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten dar. Auf dem TÜP Lieberose kommen mehr als 400 Schmetterlingsarten, 55 Arten von Libellen, 36 Heuschrecken- und Grillenarten sowie Kriechtiere wie die Schlingnatter, Zauneidechse und Waldeidechse vor.

Brandenburg ist seit jeher das Land von Einwanderern gewesen und auch  Spätheimkehrer hat das Land nach den Weltkriegen zu Genüge gesehen. Doch nicht von Menschen soll an dieser Stelle die Rede sein, sondern von Tierarten, die oft unerkannt den Lebensraum mit uns teilen. Zu den Einwanderern zählen die oft verwechselten Arten Waschbär und Marderhund sowie die amerikanische Form des in Europa heimischen Edelmarders (Nerz) der Mink.

Stiftungsfläche

Das Land Brandenburg ist im Besitz ehemaliger TÜPs mit einer Gesamtfläche von rund 100.000 ha. Dies entspricht 3,3% der Landesfläche. Der TÜP Lieberose ist mit 26.500 ha der zweitgrößte ehemalige TÜP im Land Brandenburg. Das Land Brandenburg besitzt 15 weitere Flächen, die jeweils mindestens 3.000 ha groß sind. All diese Flächen bilden eine tragende Säule im Biotopverbundsystem Europas. Fast die Hälfte der Fläche ist Naturschutzfläche. In diesen unter Schutz gestellten Flächen gehören auch die von der Brandenburgischen Bodengesellschaft für Grundstücksverwaltung und - Verwertung mbH (BBG) verwalteten 10.800 ha Konversionsfläche die durch Kabinettsbeschluss durch die Stiftung "Naturlandschaften Brandenburg" erworben werden können. Ausgewählt werden die aus Naturschutzsicht bedeutsamsten und mit großen Totalreservaten ausgestatteten Flächen. Es handelt sich dabei um die folgenden drei ehemaligen TÜPs:

1. Jüterbog-West, Größe des TÜP: 9.280 ha davon Stiftungsfläche 6.940 ha

2. Jüterbog-Ost, Größe des TÜP: 11.940 ha davon Stiftungsfläche 660 ha

3. Lieberose, Größe des TÜP: 26.673 ha davon Stiftungsfläche 3.200 ha

Diese drei TÜPs bilden mit südlichen Großschutzgebieten ein großräumiges Biotopverbundsystem, welches Vernetzung der Lebensräume für Fauna und Flora garantieren soll.

Forstgeschichte von Lieberose seit 1990

Die Bewirtschaftung des Landeswaldes geschieht durch neu organisierte Oberförstereien und Reviere. Eine zentrale Aufgabe ist neben der Rückabwicklung des kollektiven Eigentums die Neuaufforstung. Seit 1990 wurden über 300 ha Erstaufforstungen und Aufbau/Umbau in naturnähere gemischte Wälder durchgeführt. Im Bereich des Landeswaldes geschah dies unter dem Gesichtspunkt der ökologischen Waldbewirtschaftung, im Privatwald oft über durch das Land geförderte Anpflanzungen der fehlenden Mischbaumarten. Ein wesentliches Problem in Lieberose ist die Verseuchung von 2/3 der Flächen mit verschiedenen Kampfmitteln. Dadurch ist eine uneingeschränkte Nutzung dieser Flächen nicht möglich.

Matthias Reis, Stefan Weissinger, Jens Frey

 

Waldbauliche Behandlung der Kiefernbestände im

Naturschutzgebiet

"Ehemaliger Truppenübungsplatz Lieberose"

 

Bereits während unserer Anreise fiel uns auf, dass es in Brandenburg sehr viele Kiefernbestände gibt.

Wir waren richtiggehend erschlagen von dieser monotonen Stimmung. Dem Reisenden bietet sich auf fast jeder Straße das gleiche Bild. Dadurch wird teilweise sogar die Orientierung schwerer. Der oftmals einzige Unterschied der sich gelegentlich bot, war das Alter der Kieferbestände.

Man sieht den Wäldern die Folgen der DDR-Planwirtschaft und der damit verbundenen intensiven Nutzung jeder Fläche an.

Ein gutes Beispiel für das eben beschriebene bietet das Revier Byhlen mit einer Baumartenzusammensetzung von 88% Wald-Kiefer, 4% Sand-Birke, 3% Eiche, 2% Fichte und Douglasie und 3% Weichlaubhölzer. Nun versucht die Forstverwaltung zu einem vielfältigeren Gesamtbild zurückzukommen.

Revierverhältnisse:    - Südost Brandenburg

                                - Geologisch vor allem Sander und Lieberoser Endmoränenbogen, punktuell Schluff

                                - Das Klima ist sub-kontinental, der Jahresdurchschnittsniederschlag beträgt 400-450 mm, konzentriert auf Frühling und Herbst.

                                 - 48% Privatwald, 10% Treuhand, 8% BBG, 6% Kommunalwald, 28% Landeswald

                                - ein großer Teil des Reviers ist NSG mit Totalreservat

 

Geschichtlich ist vor allem zu erwähnen, dass das Revier zunächst adelige Besitzer hatte, welche ausschließlich von der Forstwirtschaft lebten. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet durch das Militär stark beeinflusst. Erst waren es die Gefechte, später die Übungsmanöver der sowjetischen Armee und die Errichtung des Truppenübungsplatzes Lieberose, was dem Wald stark zusetzte.

Besonders die Kontaminierung der Flächen durch Altlasten wie Munition, Diesel, Öle und andere Kampfstoffe ist heute noch ersichtlich. Die Giftstoffe und Schwermetalle stellen durch die drohende Grundwasserverschmutzung ein besonderes Problem dar. Man kann nicht einschätzen, ab wann und ob das Grundwasser (und damit auch das Trinkwasser) verseucht sein wird. Außerdem nimmt die Vegetation die Schadstoffe auf.

Des weiteren gab es aufgrund der militärischen Aktivitäten mit scharfer Munition bis zu 300 Waldbrände im Jahr. Aus diesem Grund wurden damals allein 100 Waldarbeiter für die Brandbekämpfung eingesetzt. Jede abgebrannt Fläche wurde sofort mit Kiefer bepflanzt.

Natürlich hat die flächigen Befahrung mit schweren Geräten wie Panzern sogar auf den Sandböden eine gewisse Veränderung der Standorte bewirkt

Waldbauliche Betrachtungen:.

Wie bereits erwähnt sind 88% der Flächen mit Kiefer bestockt. Dabei kommt die Kiefer autochthon nur auf einer Fläche von 7% vor. Diese große Diskrepanz bestimmt das heutige waldbauliche Geschehen.

Hierzu zeigt uns Revierleiter Hr. Bruder einige Beispiele. Er führte uns zu großen Freiflächen, welche jetzt durch die Sukzession geprägt sind. Auf diesen Freiflächen wächst natürlich vor allem die Pionierbaumart Sand-Birke. Doch in manchen Gebieten ist ein artenreiches Auflaufen der Verjüngung aufgrund des hohe Wilddrucks nur in Zäunen möglich. Auf den Freiflächen wird inzwischen gar beobachtet, dass sich einzelne Eichen und Buchen ansamen konnten.

Auffällig ist allerdings, dass sich die natürliche Entwicklung hin zu einem gemischten Bestand als schwierig gestaltet. Die Birken werden aufgrund des Trockenstresses nur selten älter als 40 Jahre. Die Kiefern ertragen die Trockenheit besser und überleben länger. Aus diesem Grund hofft man, dass sich auf lange Sicht genügend Eichen und Buchen behaupten können, um die Kiefern mehr auszudunkeln.

Außerdem zeigt uns Hr. Bruder zu dem Thema artenreicher Bestände eine durch Blattwespen und Prachtkäfer ausgedünnten 75 Jahre alten Kiefernbestand, unter welchem vor 8 Jahren Winter-Linden und Trauben-Eichen (2 + 0) im Gatter gepflanzt wurden. Der Wuchs der Winter-Linde ist für den Revierleiter unbefriedigend, was nach einiger Überlegung in der Gruppe dann allerdings sogar als positiv bewertet wurde. Die Winter-Linde kann so besser ihre Funktion zur Schaftbeschattung ausführen. Außerdem kommt es auf jeden Fall zu einer Verbesserung der Streu und eine Vergrasung wird unterbunden.

Auf sehr trockenen Standorten, wo die Buche nur kümmerlich wächst, kann diese eventuell gar die Funktion der Winter-Linde übernehmen.

Die Eichen habe hier eine Umtriebszeit von 200-250 Jahren. Ab einem Alter von 70 Jahren soll die Eiche keinen Bedränger haben. Das Pflanzen der Eichen unter den Kiefern soll einen besseren Schaft zur Folge haben, wobei dann die Kiefern vorsichtig ausgelichtet werden müssen.

 Insgesamt ist das Einbringen von Laubbäumen auch nötig um das Calamagrostis epigejos (Land-Reitgras) einzudämmen um Naturverjüngung zu erreichen.

Die Kiefern werden hier je nach Standort im Alter zwischen 80-120 Jahren geerntet. Einen Zieldurchmesser gibt es nicht.

Der Absatz des Kieferholzes ist zur Zeit kein Problem, da die Firma Klenk einen starken Bedarf an Fixlängen hat. Dort werden jährlich etwa 400.000 - 450.000 Fm eingeschnitten. Das Schwachholz bis 2a geht allerdings in die Spanplattenindustrie.

In anderen Beständen setzt man auf Douglasienweitverbände, die geästet werden. Grundsätzlich ist durch die hohen Wildbestände ein Zaun aufgrund von Verbiss- Schäl- und Fegeschäden zwingend.

Naturschutz

Im Naturschutzgebiet Lieberose gibt es Luchse. Selbst der Wolf wird manchmal gesichtet. Außerdem entdeckt man oft junge Seeadler, die die Thermik der großen Freiflächen für Flugübungen nutzen.

Nachdem wir nun einen umfassenden Einblick in dieses komplizierte Gefüge erhalten haben, hoffen wir ganz besonders, dass diese Gegend in Zukunft noch mehr ein Lebensraum für seltene Arten wird. Außerdem wünschen wir dem Revierleiter viel Erfolg bei seinen Bemühungen die monotonen Kiefernforste in struktur- und artenreiche Wälder umzuwandeln.

Elias Hettler, Lydia Bantle, Mathias Geisler, Aurelien Moreau