Exkursion in das Biosphärenreservat Schorfheide

 

Entstehung der Schorfheide

 

Die Landschaft der Schorfheide ist durch die jüngste Eiszeit,

 vor 15000 Jahren endete, geprägt. Nach dem Rückzug der Gletscher, blieb eine Jungmoränenlandschaft mit Grundmoränen, Endmoränen und Sandergebieten.

 

 

Boden

 

Beeinflusst durch die unterschiedlichen Oberflächenformen, welche durch die Eiszeit entstanden waren, entwickelten sich über die Zeit verschiedenste Bodentypen.

Auf den Grundmoränen wechseln Sandbraunerden, Tiefenlehm, Fahlerden, Parabraunerden und Sand- bzw. Lehmrendzina mit unterschiedlichen Steingehalten. Auf den Kuppen wurden durch Wassererosion Geschiebemergel freigelegt. In den Endmoränen wechseln Sande und Lehme, es handelt sich hierbei um Braunerden mit unterschiedlichen Ausprägungen und Kalkanteilen. Auf den Sanderflächen sind podsolige Braunerden verbreitet.

Bei Grundwassernähe sind im oligotrophen Bereich Gley-Podsole und im mesotrophen und endotrophen Bereich Sand-Gleye und Flachmoore vorhanden.

 

Eine weitere Besonderheit durch eiszeitliche Bildung sind Sölle.

Sölle sind temporär wasserführende Flachwasserseen, welche durch das Abschmelzen von Gletscherabbrüchen und der an dessen Rande sedimentierten, wasserundurchlässigen Minerale zur Aufstauung von Regenwasser führen.

 

Klima

 

Das Biosphärenreservat Schorfheide hat eine stark subkontinentale Prägung, die sich durch relativ rasche Frühlingserwärmung, heiße Sommer und kalte Winter auszeichnet.

Der Ostteil des Reservats liegt in einem der trockensten Gebiete Deutschlands mit weniger als 500mm Niederschlag pro Jahr.

Die durchschnittlichen Niederschläge liegen zwischen 500 und 560mm pro Jahr.

Aus dieser extremen Trockenheit und Hitze in den Sommermonaten resultiert eine erhöhte Waldbrandgefahr.

 

Landschaftliche Entwicklung

 

Ursprünglich prägten große Eichen- und Buchenwälder das Landschaftsbild, das natürliche Verbreitungsgebiet der Kiefer, war lediglich auf vereinzelte Binnendünen mit ca. 10% der Waldfläche beschränkt.

Die meisten Ortschaften wurden im 14. Jahrhundert gegründet, der Wald wurde zunächst durch Hutewaldwirtschaft genutzt, hierbei wurde Vieh zur Mast in den Wald getrieben.

Das heutige Waldbild ist zu 60% von Nadelhölzern geprägt, bei dem die Kiefer 55% von der Gesamtbestockung einnimmt.

Das gesamte Gebiet ist schwach besiedelt, im gesamten Reservat leben 35.000 Menschen, dies entspricht ca. 25 Menschen pro km².

 

 

 

Aufbau des Biosphärenreservats

 

Das Biosphärenreservat Schorfheide erstreckt sich über eine Fläche von 129.000 ha, davon entfallen 79% auf Landschaftsschutzgebiete und 21% auf Naturschutzgebiete, welche in Pflegezonen und Kernzonen unterteilt sind.

Pflegezonen erlauben die Bewirtschaftung unter Auflagen, Kernzonen, die auf 2,8% der Naturschutzgebietsfläche ausgewiesen sind, beinhalten lediglich die jagdliche Nutzung, die auf einen naturnahen Wildbestand abzielt und einer Wildkonzentration in den Kernzonen vorbeugen soll.

Das Biosphärenreservat wurde 1990 gegründet, es ist Bestandteil des UNESCO Programms „Man and the Biosphere“.

Aufgaben des Biosphärenreservats sind:

-         Kulturlandschaften durch naturverträgliche Bewirtschaftung bewahren.

-         Bewahrung der vorhandenen Flora und Fauna

-         Forschung

Zur Erfüllung dieser Aufgaben wird ein Pflege- und Entwicklungsplan erstellt.

 

Anlaufstellen für die Öffentlichkeit sind gut organisierte Informationszentren bei denen einige der 19 Naturwächter engagierte Öffentlichkeitsarbeit leisten, Finanzträger ist die Stiftung für Naturschutz Brandenburg.

Aufgabenbereiche der Naturwächter sind:

-         Kartierung von FFH-Gebieten

-         Öffentlichkeitsarbeit

-         Bieber und Ottermonitoring

 

Probleme im Reservat bereiten unter anderem die Senkung des Grundwasserspiegels, sowie der zu hohe, unnatürliche Kiefernanteil.

Der Senkung des Grundwassers wird durch die Anlage von Staustufen in Entwässerungsgräben entgegengewirkt.

Die hohen Kiefernanteile sollen schonend in gesunde Eichen- Buchenmischwälder überführt werden.

 

Pflanzen

 

Die strukturreiche Landschaft des Biosphärenreservats bedingt eine üppige Vielfalt in der Flora. So konnten bisher 1024 Pflanzenarten nachgewiesen werden, dies bedeutet das im Biosphärenreservat 64% der in Brandenburg vorkommenden Pflanzenarten siedeln.

301 der genanten Pflanzenarten finden sich auf der Roten Liste Brandenburgs und 145 Arten auf der Roten Liste Deutschlands wieder.

 

Tiere

 

Die Vielzahl an Gewässern begünstigt seltene Tierarten wie Fischotter und Biber, See-, Fisch- und Schreiadler sowie Schwarzstorch, Weisstorch und Kranich.

Außerdem kommen Amphibien und Reptilien, die in gesamt Deutschland bestandesbedroht sind, vor.

Beispiel hierfür wäre die Europäische Sumpfschildkröte, für die ein Artenschutzprogramm läuft.

 

 

Des Weiteren finden sich seltene Fischarten und mehr als 2000 Insektenarten, von denen 16 als ausgestorben galten.

Probleme stellen die Zahl von Waschbären und Marderhunden dar, welche oftmals den Gelegen brütender Vögel nachstellen.

 

Charakterisierung einzelner Lebensräume

 

Werbellinsee

Der Werbellinsee erstreckt sich über eine Fläche von über 750 ha und eine Länge von 10 km, er ist an seiner tiefsten Stelle ca. 60m tief.

Auf Grund seiner Nährstoffarmut können seltene Fischarten wie Maränen überleben.

Diese Nährstoffarmut erlaubt nur eine extensive Nutzung durch Fischerei. Weitere Bedeutung hat der Werbellinsee als Bundeswasserstraße und Erholungsgebiet.

 

Grimnitzsee

Die Fläche des Grimnitzsees beträgt über 800 ha, im Gegensatz zum Werbellinsee ist er extrem Flach, mit durchschnittlich 2m und maximal 6 m Tiefe gehört er zu den Flachwasserseen.

Durch intensive Karpfen- und Entenmast mit Mais wurde der See stark eutrophiert und hat sich nach der Aufgabe der Nutzung, begünstigt durch das flache Wasser, wieder etwas erholt.

Da der See ein überregionales Brut- und Rastgewässer von Wasservögeln darstellt war eine Aufteilung in Ruhezonen und Touristikzonen unabdingbar.

Des Weiteren ist der See einem Teilprojekt des Lifeprojekts der EU zum Schutz der Rohrdommel zuzuordnen, in dem die Rohrdommel als Leitart fungiert.

 

Mellinsee

Der Mellinsee war früher ein Flachwassersee mit Moorkörper, der durch das absenken des Grundwasserspiegels heute verlandet ist, und dessen Torfschicht nun unwiederbringlich anfängt zu mineralisieren. Mit der Mineralisierung des Torfs verschwindet auch ein einmaliges Ökosystem, was ausschlaggebend für die Idee war den Grundwasserspiegel um

40 cm anzuheben, um somit einer weiteren Mineralisierung vorzubeugen.

Heute findet auf den noch von DDR Zeiten rührenden trockengelegten Wiesen eine extensive Beweidung statt.

 

Simon Rätz, Christian Koch, Björn Haiplik

 

 

Exkursionstag 1, Dienstag 08.06.2004 (Nachmittag)

 

 

Regionalwirtschaftliche Aspekte im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

 

Eine regionale Initiative ist neben vielen anderen Projekten der ehemalige Getreidespeicher im Dörfchen Parlow. Das Projekt, begonnen von wenigen lokalen Akteuren, wurde anfänglich über ABM-Maßnahmen gefördert und ist seit zwei Jahren auch ein Projekt, das über die Initiative des Bundesministeriums für Verbraucherschutz und Ernährung im Rahmen der sogenannten Regionen aktiv Projekte gefördert wird.

 

Getreidespeicher Parlow: • um 1860 erbaut vom Gutsbesitzer Wedel v. Parlow

                                        • bis 1989 dient das Gebäude als Getreidespeicher

                                        • nach der Wende stand das Gebäude 10 Jahre leer und verfiel

                                        • im März 1999 gründet sich eine Bürgerinitiative gegen den Verkauf des Getreidespeichers, die später zum Förderverein

                                        „Kranichdorf Parlow e.V.“ wird

 

Die ersten Fördergelder zur Restaurierung des Speichers werden 1999 genehmigt. In den Folgejahren wird der Keller, das Erdgeschoss sowie das 1. Obergeschoss ausgebaut. Ausbau des Gebäudes Im Erdgeschoss befindet sich eine funktionsfähige Mühle aus der Gründerzeit, sowie ein Brautzimmer, welches als Standesamt dient. Das Erdgeschoss kann für Feierlichkeiten genutzt werden, weiter finden kulturelle Veranstaltung, Diavorträge etc. statt. Das erste Obergeschoss dient als Ausstellungsraum über das empfindliche Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur in den eiszeitlich geprägten Landschaften der Uckermark und des Barnims informiert werden. Weiter werden die Räumlichkeiten zur Vermarktung von regionalen Produkten genutzt

 Ein zentrales Problem der Regionalvermarktung sind Lieferschwierigkeiten der z. T. sehr kleinen Produzenten, sowie die nur begrenzte Haltbarkeit der Produkte. Für die Zukunft gilt es, Naturschutz, Landwirtschaft, Tourismus und Regionalvermarktung besser zu koordinieren und aufeinander abzustimmen. Weiter verursacht die Saisonabhängigkeit (Ferienzeit, Wetter…) des Projektes, Probleme, welche es noch zu lösen gilt

Zur Zeit ist das Projekt noch von Fördergeldern abhängig und kann sich noch nicht selbst tragen. Ziel des Projektes ist es, das Dorf Parlow nachhaltig für den Tourismus interessant zu machen und den Getreidespeicher mit der Zeit unabhängig von fremden Geldern bewirtschaften zu können.

 

 

 

Alleen in Brandenburg

 

Das Bild vieler Straßen im Land Brandenburg wird durch Alleen geprägt. Diese stammen zum Teil noch aus der Zeit Napoleons.

Problematik: Die bestehenden Alleen stellen aus Sicht der Verkehrssicherheit ein Risiko dar. Hier treffen die Interessen verschiedener Verbände aufeinander. So bestehen Bestrebungen Alleen zu erhalten oder neue Alleen anzulegen, welche jedoch immer wieder auf Einwände der Verkehrsbehörde treffen. Realität ist es, dass die Alleen in Brandenburg mehr und mehr aus dem Landschaftsbild verschwinden.

 

 

 

Wanderung durch das Endmoränengebiet des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin

 

1. Kiefern zur Harzgewinnung

           • Bis zur Wende wurden in der Schorfheide Kiefern zur Harzgewinnung genutzt, welches in der Pharmaindustrie sowie zur Farben und

              Lackproduktion verwendet wurden.

 

2. Feuchtgebiete in der Schorfheide

            • 3000 Feuchtgebiete, welche nach und nach der Verlandung ausgesetzt sind

            • Diese bilden einen Lebensraum für seltene Pflanzenarten wie z.B. Sonnentau (Drosera spec.), Wasserschlauch (Utricularia spec.), Gelbe

               Schwertlilie (Iris pseudacorus L.) und seltene Tierarten wie z.B. Laubfrosch, Rotbauchunke und Kreuzotter

           

 

             • Im Bereich dieser Gebiete findet man auf kurzen Distanzen extreme Standortsunterschiede vor, wodurch eine hohe Biodiversität zu Stande

               kommen kann

                                                                             

            • Als Beispiel Kesselmoore:  - Typisch für Norddeutschland

                                                        - Def: verlandete Sölle im Wald, die im Gegensatz zu Toteislöchern glacial nicht abgedeckt waren

            • Nur ein Prozent der Moore im B.R. wurden naturbelassen, der Großteil wurde durch künstliche Entwässerung beeinflusst.

            • Heute wird versucht durch Wasserrückhaltemaßnahmen, wie z.B. Sohlschwellen, eine zumindest teilweise Renaturierung herbeizuführen,

               wobei der jeweilige Grad der Renaturierung einen Mindestkompromiss zwischen den verschiedenen Interessengruppen (Landwirte,

               Waldbesitzer, Naturschützer) darstellt.

 

3. Exkurs in den Waldbau

            • 55 % der bestockten Fläche sind Kiefernmonokulturen. Die Baumzahl pro Hektar ist nach heutigen Erkenntnissen viel zu hoch, wodurch sich

              eine hohe Anfälligkeit für Schädlinge und abiotische Kalamitäten ergibt. Das Problem besteht darin, dass die Bewirtschaftung für die nächsten

              Jahrzehnte ein Zuschussprojekt darstellt. Ziel ist der Umbau der Bestände in einen Laubmischwald, was momentan durch extremen

              Verbissdruck, bedingt durch eine zu hohe Wilddichte der fünf vorkommenden Schalenwildarten (Rot-, Damm-, Muffel-, Reh-, und

              Schwarzwild), nur durch intensive Zäunung möglich ist.

 

4. Dörfer im BR

             • Für uns beeindruckend waren die Dorfbilder in dieser mit 35 Einwohnern pro qm extrem gering besiedelten Landschaft. Einfache,

                meist einstöckige Häuser meist entlang von Straßendörfern gehen oft auf ehemalige Wald- und Landarbeitersiedlungen zurück. Aufgrund

               der schlechten Arbeitsplatzsituation in der Region werden viele dieser Häuser aufgegeben und finden als Ferienhäuser gelegentlich

               eine neue Nutzung.

 

5. Gliederung des Biosphärenreservats

            • 2 % als Kernzonen ohne menschliche Nutzung • 21 % Naturschutzgebiete / Pflegezonen mit eingeschränkter,

               nachhaltiger naturnaher Nutzung • 77 % Entwicklungszone Nachhaltiges Konzept erwünscht.

            • Als Grundsatz gilt jedoch, dass Nutzungen die schon der Gründung des B.R. bestanden auch weiterhin rechtmäßig sind. Zum Beispiel

              Badestellen, Stege, Wege, etc.

            • Als Abschluss des Tages noch ein Kurzer Spaziergang auf den Spitzberg (69m ü. NN) am Sabinersee vorbei um den Ausblick über die für

              die Region typische Landschaft zu genießen.

 

 

(Michael Müller, Michel Reingruber, Daniel Tews, Jörg Kaffenberger)