Tag 3: Mittwoch, 27.05.2009 

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Vormittag:

 

Exkursionsführer: Henning Graf von Kanitz, Geschäftsführer von CenterForst GmbH; J. Happel, Revierleiter des Reviers Lauterbach

 

Top1:

Begrüßung: Vorstellung der Person und der Mitarbeiter und Vorstellung des Reviers von Herrn Happel

 

Top2:

Einführung in den Verwaltungsaufbau: Henning Graf von Kanitz stellte die Struktur des Unternehmens mit CenterForst als Mutterorganisation und Riedesel Gbr als 100%ige Tochtergesellschaft vor. Ebenso stellte er uns die Fürst Wittgenstein´sche Waldbesitzergesellschaft Gbr mit Waldbesitz in NRW vor.

 

Top3:

Benennung der Höhenstufen, des Jahresdurchschnittsniederschlages und der Geologie sowie der Baumartenzusammensetzung und der Altersstruktur.

 

Top4:

Begehung des Reviers mit jeweiliger Besprechung des einzelnen Standorts.

 

Zu Top1:

Zunächst wurden uns durch Herrn Ruge die Exkursionführer Henning Graf von Kanitz, Geschäftsführer von der CenterForst GmbH, und  J. Happel, Revierleiter des Reviers Lauterbach vorgestellt. Danach stellte Herr Ruge diesen die Gruppe vor.

 

Zu Top2:

Auf Grund finanzieller Einsparungsmaßnahmen wurde die CenterForst GmbH als Mutterkonzern der vier Tochtergesellschaften gegründet. Als Tochtergesellschaften sind die Riedesel Gbr, die Wittgenstein Gbr, die Riedesel Forest Ltd. und die Waldservice Wittgenstein GmbH zu nennen. Diese bewirtschaften eine Fläche von 21.000 ha in Deutschland und 5.500 ha in den USA. Als Besonderheit ist zu sagen, dass es auf Grund des Familienbesitzes mehrere Stimmberechtigte gibt. Die finanziellen Engpässe wurden durch die Zusammenarbeit mit Subunternehmern (ehem. Ich-AG´s) und den besonderen Arbeitsverhältnissen mit Selbstständigen, welche fünf Jahresverträge mit 60% Lohnfortzahlung erhielten.

Zu Top3:

Das Revier ist gekennzeichnet durch eine Höhe von 280-420m über NN. und einen vergleichsweise geringen Jahresdurchschnittsniederschlag von ca. 700mm, der auf die Regenschattenwirkung des Vogelsberges zurückzuführen ist. Die Geologie wird etwa je zur Hälfte durch Basalt und Buntsandstein charakterisiert. Diese beiden Grundgesteine werden durch ein schmales Kalkband durchzogen. Der Basalt, der eher mesotroph ist, wird von Buchenwäldern, der Buntsandstein (eher oligotroph) von Kiefernwäldern dominiert. Durch teilweise hohe Kalamitäten und Sturmwürfe  gibt es ziemlich hohe Baumholzanteile. Durch diese Zusammensetzung  und die mittleren Standortqualitäten hat das Revier nur einen Zuwachs von rund 200 Vfm pro ha.

 

Zu Top4:

Bestand1: Buchen-Eschenstandort auf Basalt im Alter 100 mit bereits vorhandener Naturverjüngung.

Bestand 2: Etwa 130 jähriger Kiefernbestand auf Buntsandstein mit teilweise unterbauter Douglasie und Fichte im Mittelstand.  Ebenso findet man eine üppige Buchen-Naturverjüngung.

Standort 3: Folienabgedeckter Holzlagerplatz als Versuch. Die Kosten für Plane und Arbeitszeiten bezahlt die GmbH, das Restrisiko und den Wertverlust muss der Holzkäufer tragen.

 

 

Protokoll:

 

T. Lehmann; A. Trobisch; B. Hillewaert; M. Blumroth; S. Mades; J. Bölscher

 

Nachmittag:

Nach dem großzügigem gesponserten Mittagessen der GbR CenterForst am Verwaltungssitz der Firma ging die Fahrt zum nächsten Exkursionspunkt.

Angekommen an einer Kyrill-Sturmwurffläche erhielten die wegebauinteressierten Forststudenten eine kurze Produktbeschreibung über Kunststoffdohlen, welche von CenterForst vertrieben werden. Das Kunstoffrohr ist eine geeignete Alternative zum herkömmlichen Betonrohr. Das Rohr ist leicht ohne Maschineneinsatz verlegbar, individuell mit der Motorsäge zuschneidbar und etwas günstiger als das Betonrohr.

Ein Kunststoffrohr mit lichter Weite von 40cm kostet ca. 25€ je lfm. Der Vertrieb der Rohre gehört bei CenterForst zu einem der neuen Geschäftsfelder. Hierzu gehört ebenso die Unterhaltung von zwei Friedwäldern, die von CenterForst verwaltet werden. Die Mindestgröße eines Friedwalds beträgt mind. 50 ha, er sollte hauptsächlich mit altem Laubholz bestockt sein und gut mit öffentlichen Verkehrmitteln erreichbar sein. Pro ha Friedwald kann das bis zu 10 fache pro ha an Erlös erzielt werden, im Verhältnis zu einem herkömmlich genutztem Wirtschaftswald.

 

Auf der benachbarten Kyrill-Sturmfläche stellten uns unsere beiden Exkursionsbegleiter die Probleme der Wiederbestockung vor.

Folgende Probleme bestehen auf der Freifläche:

  • keine/kaum natürliche Naturverjüngung
  • Vergrasung der Fläche
  • Starker Auflauf von Konkurrenzflora
  • Großer Brauner Rüsselkäfer
  • Ausfälle durch Fegeschäden
  • Laubholzpflanzung nur mit Schutz möglich (Zaun oder Einzelschutz)
  • Relativ hohe Frostgefährdung
  • Teilweise flächige Befahrung

 

Die folgenden möglichen „Lösungsansätze“ wurden in der Gruppe erarbeitet:

  • Fläche der Sukzession überlassen und als Vorwald nutzen
  • Fläche der Sukzession überlassen und als Energieholz nutzen
  • Stecken von Pappelstecklingen zur Energieholzgewinnung innerhalb von 20 Jahren
  • Truppweise Pflanzung von Eiche mit dienenden Baumarten
  • Douglasien- bzw. Fichtenpflanzung

 

Die folgende Option wurde auf der Fläche umgesetzt:

  • Fichte und Douglasie in Weitverband in reihenweiser Mischung.

Für diesen Lösungsansatz sind folgende Gründe aufzuführen:

Da schon ein hoher Laubholzanteil vorhanden ist (ca. 40%), ist eine Erhöhung nicht erwünscht. Laubholzpflanzungen wären auf der besagten Fläche mit extrem hohen Kosten verbunden (Schutzkosten=Pflanzkosten). Hohe Pflanzzahlen sind nach Meinung von Graf von Kanitz für ausreichende Qualitäten notwendig.

Ein Kurzumtrieb von ca. 50 Jahren mit Nadelholz, auch bei hohem Risiko, ist die wirtschaftlich sinnvolle Alternative.

 

Der zweite Exkursionspunkt am Nachmittag führte uns zu einem Lindenbestand. Der Winterlindenbestand ist ca 130 Jahre alt, 20 ha groß und mit Esche, Spitzahorn, Bergahorn, Buche und Kirsche gemischt. Auffallend waren die sehr guten Qualitäten der Linden. Einen Absatzmarkt für hochwertiges Lindenholz gibt es nicht wirklich, Einschläge werden nur auf „Bestellung“ durchgeführt. Der Bestand ist ein anerkannter Erntebestand und wird regelmäßig beerntet. Erntemethoden sind unter anderem Rüttelmaschinen, die die Samen in Netze schütteln. Auf der 20 ha großen Fläche wird durch die Samenernte ein Erlös von 600€ erzielt.

Durch vorhergehende Eingriffe verjüngen sich Linde und Edellaubhölzer extrem stark, dadurch wird die Samenernte durch das schwierige auslegen der Netze erschwert.

 

Das Wild im gesamten Betrieb wird zu 50% durch die Regiejagd bewirtschaftet, die Restfläche durch einjährige Begehungsscheine. Diese werden nicht verlängert, wenn der Abschuss nicht erfüllt wird. Das Wildbret wird über einen Wildhändler vermarktet.

Der Rehwild-Abschuss liegt bei 10-15 Stück pro 100 Hektar. Rotwild kommt nur auf einem Drittel der Fläche vor, mit einer Dichte von 1-2 Stück pro 100 Hektar.

 

Der Gesamtbetrieb beschäftigt acht Revierleiter, wovon einer die Friedwälder betreut.

Von ehemals 21 Waldarbeitern werden noch sieben beschäftigt. Arbeitsspitzen werden mit Unternehmern abgedeckt, die ehemalige Waldarbeiter sind. Ein Revierleiter betreut ca. 2.000 ha, auf 1.000ha kommen 0,5 Waldarbeiter.

 

Protokoll:

Yvonne Gauggel, Johannes Brändle, Ingo Rothe

 

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